Der flie­gen­de Jan – ein Mann, der sei­nen Traum lebt

  • Jan Reschensee Kite

    Der flie­gen­de Jan – ein Mann, der sei­nen Traum lebt

    „In kei­nem ande­ren Sport hat man so vie­le Glücks­mo­men­te“, sagt der 37-jäh­ri­ge Tsche­che, der eigent­lich Koch gelernt hat.

    Der Mann ist vor 37 Jah­ren in Ost­ra­va gebo­ren. Über­ra­schen­der­wei­se ohne Brett und Dra­chen. Inzwi­schen braucht er bei­des zum Leben – wie ande­re die Luft. Jan Karel ist begeis­ter­ter Kite­sur­fer. Und irgend­wie passt der Extrem­sport zu dem Aben­teu­rer aus Tsche­chi­en, der einst aus­ge­zo­gen war, um die Welt zu erkun­den. Er hat in Wup­per­tal, Luzern, Irland, auf der Donau im Kreuz­fahrt­schiff, in Bad Klein­kirch­heim und in Süd­ti­rol gear­bei­tet. „Ich woll­te immer nur Neu­es ent­de­cken”, sagt der Chef de Rang im Hotel Lin­den­hof in Naturns.

    DSC_1358Mor­gens um elf, wenn er mit wei­ßen Hand­schu­hen die Tel­ler für den Abend auf­deckt und Mes­ser und Gabel noch ein­mal blitz­blank reibt, schaut er fast minüt­lich und sehn­süch­tig aus dem Reschen­saal hin­aus nach den Bäu­men und den Flag­gen vor dem Hotel Lin­den­hof. „Wenn es leich­ter Süd­wind ist, weiß ich, dass ich nach­mit­tags am Reschen­see kiten kann”, sagt Jan Karel. 15 Kno­ten wären ide­al, um sich von einer Art Dra­chen auf einer Art Surf­brett über den See zie­hen zu las­sen. Ein Extrem­sport, aber der 37-jäh­ri­ge Tsche­che, der sein Hob­by auch als Kite­surf-Leh­rer nutzt, ist sich sicher, dass er das Aben­teu­er allen bei­brin­gen kann – von sie­ben bis 77 habe er schon Men­schen für das Kiten begeis­tert. Jan Karel braucht die Her­aus­for­de­rung in sei­nem Leben. 1,91 Meter groß, sport­lich, ein Typ, bei dem Frau­en schon mal ins Grü­beln kom­men und dem sicher­lich auch die weib­li­chen Hotel­gäs­te durch­aus ver­zei­hen, wenn er ihnen aus Ver­se­hen das Scho­ko­süpp­chen statt des Diät-Obst­sa­lats ser­viert. Die­sem Chef de Rang, der seit neun Jah­ren bei Joa­chim Nisch­ler arbei­tet, sieht man man­ches nach. „Ich lie­be mei­ne Arbeit, weil ich dabei Men­schen um mich habe. Aber ich lie­be auch mei­nen Sport, weil ich da nur mit der Natur eins bin”, sagt Karel, der – wenn irgend mög­lich – jeden Mor­gen nach der täg­li­chen Arbeit eine Stun­de mit dem Auto an den Reschen­see fährt. „Wenn ich dann drei Stun­den kite­sur­fen kann, sind alle Pro­ble­me ver­ges­sen.” Mit Board und Dra­chen ist der Mann schon um die hal­be Welt geflo­gen. Nach­dem er in sei­ner Hei­mat in Ost­ra­va, der dritt­größ­ten Stadt Tsche­chi­ens, Koch und Hotel­fach­mann gelernt hat­te, arbei­te­te er in der Küche eines Restau­rants in Wup­per­tal, danach in Luzern und Bad Klein­kirch­heim. In Eng­land fan­den er und sein Freund kei­nen Job, also ent­schie­den sie sich für Irland. Doch da wur­de nur ein Koch gesucht – also begann Jan zu kell­nern. Es zog ihn aufs Kreuz­fahrt­schiff auf die Donau („End­lich wie­der Son­ne. In Irland war nur Nebel und Regen”), nach Flo­renz, weil er ita­lie­nisch ler­nen woll­te – und schließ­lich nach Naturns. „Ich habe mei­nen Eltern damals erklärt, ich wol­le frem­de Kul­tu­ren sehen, Spra­chen ler­nen – und das habe ich getan”, sagt Jan Karel. Nein, ein lang­wei­li­ges Leben – das wäre nichts für einen wie Jan. „Im Ver­gleich zu vie­len ande­ren träu­me ich nicht mei­nen Traum, ich lebe ihn”, sagt der Mann, der schon als Kind auf den Skis­pis­ten in der Tsche­chei die Men­schen ver­wirrt hat, weil er Snow­board gefah­ren ist. „Die kann­ten das nicht und hat­ten Angst, ich mache ihnen die Pis­te kaputt.” Aber auch das nor­ma­le Kite­sur­fen reich­te ihm spä­ter irgend­wann nicht mehr. Er lern­te das Snow-Kite­sur­fen und lässt sich jetzt im Win­ter mit einem Dra­chen über die gefro­re­nen Seen zie­hen und die Ber­ge hoch und run­ter. Wäh­rend der Gast schon bei den Erzäh­lun­gen im Früh­stücks­tisch über­legt, wo das nächs­te Kran­ken­haus ist und wo er noch schnell ein Tes­ta­ment hin­ter­le­gen kann, behaup­tet Jan Karel: „Sie wer­den sehen: Sie haben noch nie so vie­le Endor­phi­ne aus­ge­schüt­tet und so vie­le Glücks­mo­men­te in Ihrem Leben gehabt wie beim Kite­sur­fen.” Die Flag­gen am Lin­den­hof wackeln bedenk­lich. Es wird ein Traum­tag für Jan Karel.

    KITE­SUR­FEN IN SÜD­TI­ROL – FRA­GEN SIE JAN

    DSC_1311Welt­weit soll inzwi­schen eine hal­be Mil­li­on Men­schen kite­sur­fen. Ten­denz: stei­gend. Kite­sur­fen kön­nen Sie im Som­mer über den See, im Win­ter an Ber­gen oder über ver­eis­te Seen. Sie brau­chen ein Board, das Ähn­lich­keit mit dem Surf­brett hat. Aller­dings hat das Board beim Kiten kei­nen sol­chen Auf­trieb wie das Surf­brett. Die soge­nann­te Kite­bar ver­bin­det den Sport­ler über 20 bis 30 Meter lan­ge Sicher­heits­lei­nen mit dem Kite. Das Kite, also der Lenk­dra­chen, kann mit den Lei­nen gesteu­ert wer­den. Da das Kite eine enor­me Zug­kraft ent­wi­ckelt, braucht der Kiter ein Tra­pez, das er sich um die Hüf­ten hängt und wo er in einen Metall­ha­ken den Schirm fest­ma­chen kann. Gute Kiter errei­chen rund 100 Stun­den­ki­lo­me­ter und sind zum Teil über 250 Meter in der Luft. Über den See wird manch­mal in einer Höhe von bis zu 15 Metern geflo­gen. Die rich­ti­ge Kite-Tech­nik muss man erler­nen. Fra­gen Sie ein­fach bei Jan nach.
    Wenn Sie bei Ihrem Urlaub im Lin­den­hof kite­sur­fen ler­nen wol­len: kiteboarding-reschen.eu

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