Wie viel Sport bekom­me ich für mein Geld?

  • Birgit Fitness (62)

    Wie viel Sport bekom­me ich für mein Geld?

    Die Rezep­tio­nis­tin woll­te ein­mal alles tes­ten, was das Hotel den Gäs­ten an Fit­ness­kur­sen pro Tag so anbie­tet. Mit einem depri­mie­ren­den Ergeb­nis. „Die spinnt”, sagt der Trai­ner Chris­ti­an Pir­pa­mer.

    Als der Gast an der Rezep­ti­on frag­te, wel­che Mus­kel­grup­pen eigent­lich mit den Black Rolls bear­bei­tet wer­den, konn­te Bir­git Gapp nur mit den Schul­tern zucken. Black Rolls? Inzwi­schen weiß sie es. Sie muss­te es schmerz­lich erfah­ren. „Da bren­nen die Bei­ne von der Soh­le bis zum Ober­schen­kel”, sagt sie, und im Gesicht ist zu lesen, dass sie die Qua­len in der Nacht danach noch heu­te in bes­ter schlech­ter Erin­ne­rung hat.

    Der Selbst­ver­such, den die 21-jäh­ri­ge jun­ge Frau star­te­te, ist zwar für den Fit­ness­trai­ner Chris­ti­an Pir­pa­mer kom­plett idio­tisch, aber nicht mal so unty­pisch in einem Urlau­ber­ho­tel. „Vie­le Gäs­te kom­men und glau­ben, sie müss­ten in die­ser einen Woche in Sachen Sport alles nach­ho­len, was sie im kom­plet­ten Jahr ver­säumt haben”, sagt er und schüt­telt den Kopf über sei­ne Kol­le­gin, die rück­wärts zum Stuhl steht, sich mit den Hän­den abstützt und Mühe hat, von unten nach oben zu kom­men. „Na, los, nicht schlapp machen. Noch zwan­zig Sekun­den Und run­ter. Und hoch.”

    Birgit Fitness (12)Bir­git Gapp ist mit sechs Gäs­ten schon mor­gens um neun im Fit­ness­raum des Hotels. Zir­kel­trai­ning heißt der Kurs. Zehn Übun­gen in einem Par­cour, jeweils eine Minu­te – und weil es den ande­ren so viel Spaß macht: die gan­ze Run­de an zehn Gerä­ten noch zwei Mal. „Ich woll­te schon nach der drit­ten Übung auf­ge­ben”, sagt die Rezep­tio­nis­tin, und ihr Trai­ner lächelt sie an. „Erst wenn du den Schmerz ver­gisst, stellt sich das Glücks­ge­fühl im Kopf ein.”

    Was stellt sich bei Bir­git ein? Sie schüt­telt den Kopf, sie kann nicht reden. In der Schu­le war sie in der Leicht­ath­le­tik-AG, hat sogar als Hür­den­läu­fe­rin bei den Bezirks­meis­ter­schaf­ten Medail­len gewon­nen. Und sie ist ab und zu mit ihrem Vater den Son­nen­berg hoch zur Berg­sta­ti­on Unter­stell gejoggt, bis sie nach einem har­ten Abend in der Dis­co ein­mal auf hal­ber Höhe schlapp gemacht hat. Seit­her läuft Wol­fi Gapp allein. Von ihm hat sie als klei­nes Mäd­chen schon auf dem Platz am Nischlhof, der ihren Eltern gehört, Ten­nis spie­len gelernt. Ab und zu, sagt sie, spie­le sie noch. Ansons­ten: no sport!

    Bis heu­te.

    „90 Pro­zent über­trei­ben, wenn sie wie­der anfan­gen. Sie glau­ben: Turn­schu­he an – und jetzt müs­sen sie fit wer­den”, sagt Chris­ti­an Pir­pa­mer, wäh­rend Bir­git nach „Rücken­fit” und „bel­li­con” beim vier­ten Kurs ange­kom­men ist: „Fas­zi­en­trai­ning” mit der Sport­leh­re­rin Sig­rid Mair. „Das musst Du schon spü­ren – in den Armen und den Bei­nen. Und gera­de hal­ten”, sagt sie, wäh­rend Bir­git alle Mühe hat, nicht von den Black Rolls zu rol­len.

    „Es hängt von ihrem All­tag ab, was sich Gäs­te im Urlaub sport­lich zumu­ten soll­ten”, sagt Chris­ti­an, der auch im Sport eine kla­re Devi­se ver­tritt: weni­ger ist mehr. „Der Kör­per unter­schei­det nicht zwi­schen psy­chi­schem und kör­per­li­chem Stress. Wenn du zu viel von irgend­et­was machst, gibst du ihm immer so eine Art Mes­ser­sti­che.” Trotz­dem emp­fiehlt der Fit­ness­trai­ner, die eige­nen Leis­tungs­gren­zen stets aus­zu­lo­ten. „Du musst auch mal über die eige­nen Gren­zen gehen, nur das gibt dir neue Impul­se.”

    Birgit Fitness (36)Nach „Stretch & Relax” und den Lie­ge­stüt­zen beim „Six­pack” hat Bir­git Gapp genü­gend neue Impul­se für heu­te. Zu vie­le, wie Chris­ti­an Pir­pa­mer glaubt. „Gäs­te wür­den wir bei solch einem Pro­gramm stop­pen”, sagt er, wes­halb auch kei­ner Angst haben muss, in einem Kurs über­for­dert zu wer­den. „Es ist Auf­ga­be des Trai­ners zu sehen, wer was aus­hal­ten kann. Bis auf das Zir­kel­trai­ning kann wirk­lich jeder in jedem Kurs mit­ma­chen.” Das Lin­den­hof-Fit­ness­team wür­de sei­ne Kurs­teil­neh­mer for­dern, aber nicht über­for­dern. „Man kann auch wäh­rend der Übun­gen mal Pau­se machen”, sagt er und schaut grin­send die völ­lig erschöpf­te Kol­le­gin an. Für sie ist Fei­er­abend. Ohne Pau­se.

    Am nächs­ten Tag redet sie sogar wie­der. Trotz Mus­kel­ka­ter. Hin­ten, vor­ne, oben, rechts und links. „Ich weiß jetzt, was Black Rolls sind”, sagt sie fast schon glück­lich – und droht ihrem Vater an, wie­der mit nach Unter­stell hoch zu sprin­ten. Und ihrem Bru­der Mar­tin, auch Rezep­tio­nist im Lin­den­hof, ein Ten­nis­match. „Irgend­wann schla­ge ich ihn”, sagt sie.

    Das Expe­ri­ment scheint gelun­gen. Auch wenn der Sport­leh­rer sagt: „Die spinnt, die Bir­git.”

     

    Kur­se im Genuss und Erleb­nis Resort Lin­den­hof

    Von Aqua­fit­ness über Bauch-Bei­ne-Po, Fas­zi­en­trai­ning, Pila­tes, Nor­dic Wal­king, bel­li­con, Stretch and Relax bis zum Zir­kel­trai­ning und Six­pack bie­tet der Lin­den­hof vom frü­hen Mor­gen bis zum Abend alles an – alle Kur­se sind mit qua­li­fi­zier­tem Trai­ner­per­so­nal. Wer einen Per­so­nal­trai­ner will, kann ihn auch über die Rezep­ti­on buchen – am bes­ten schon bei der Reser­vie­rung. Zur Ent­span­nung ste­hen ver­schie­de­ne Sau­nen mit zer­ti­fi­zier­ten Sau­na­ex­per­ten zur Ver­fü­gung. Auch Yoga mit der zer­ti­fi­zier­ten Leh­re­rin Moni­ka kann gebucht wer­den. Sie hat eine Aus­bil­dung in Vidya und Nidra.

     

    DIE FIT­NESS­TRAI­NER

    CHRIS­TI­AN PIR­PA­MER

    Seit über zwölf Jah­ren begeis­tert er jetzt schon die Lin­den­hof-Gäs­te – in Sachen Fit­ness und Ernäh­rung kennt sich der 31-Jäh­ri­ge bes­tens aus. Davon zeu­gen nicht nur diver­se Aka­de­mie-Zer­ti­fi­ka­te. Chris­ti­an ist auch als Per­so­nal­trai­ner buch­bar. Und was sei­ne Kli­en­ten beson­ders an ihm schät­zen: auch nach dem Urlaub küm­mert er sich um sie, gibt Plä­ne mit und tele­fo­niert mit ihnen.

    SIG­RID MAIR

    hat erst in die­sem Jahr ihre Prü­fung als Well­ness­trai­ne­rin abge­legt. Schon lan­ge ist die Süd­ti­ro­le­rin zer­ti­fi­zier­te Aqua- und Fit­ness­trai­ne­rin, Sauna­meis­te­rin und Pila­tes Mat­work-Trai­ne­rin. Im Lin­den­hof arbei­tet sie seit der ver­gan­ge­nen Sai­son.

    ARTHUR PIR­CHER

    ist aus­ge­bil­de­ter Well­ness­trai­ner und Sauna­meis­ter. Seit 2014 arbei­tet er im Lin­den­hof, seit ver­gan­ge­ner Sai­son auch als Mas­seur. Trotz­dem hat er sei­ne Stel­le als Sozi­al­be­treu­er im Haus­pfle­ge­dienst nie auf­ge­ge­ben. Bei­de Jobs machen ihm Spaß.

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