Urlaub am Klavier

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    Urlaub am Klavier

    Von Bach bis Led Zeppelin – unser Stammgast Dr. Walter Klein spielt während seiner Lindenhof-Zeit jeden Abend an der Bar. „Ich fange immer an, wenn noch niemand da ist. Wenn der Raum schon voll besetzt wäre, würde ich mich nicht trauen”, sagt der 52-Jährige.

    Irgendwann stand ihm das Klavier im Weg. „Ich bin die Treppe hochgekommen – und da war es plötzlich“, sagt Dr. Walter Klein. Für einen passionierten Klavierspieler gibt es in solch einer Situation keinen Ausweg mehr. Der Mann setzt sich, der Mann klimpert, der Mann kontrolliert, der Mann justiert nach – der Mann spielt. Das war schon bei Paul Kuhn so, das ist bei Walter Klein nicht anders. „Und dann hat mich Joachim Nischler gefragt, ob ich das nicht jeden Abend machen will“, erzählt der Stammgast, der jetzt im Lindenhof seit über zehn Jahren in seinem Urlaub die anderen Gäste von kurz nach sechs bis kurz nach sieben an der Bar unterhält. „Ich mach das so lange, bis sich einer beschwert“, sagt er.

    Dr. Walter Klein ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht in Köln. Und bis zu seinem 18. Lebensjahr hatte er geglaubt, er könne sich mit Noten durchs Leben spielen. Nach harten acht Jahren Klavierunterricht mit viel Talent eine plausible Hoffnung. „Die Mitschüler haben mich bewundert, weil ich mit zwölf schon Klavier spielen konnte, weil ich bei ,Jugend musiziert‘ gut abgeschnitten habe – und erst viel später, als ich Musik studieren wollte, habe ich begriffen, dass es doch auch noch einige andere gibt, die das Piano beherrschen“, erzählt er. Irgendwie ist ihm dann auch klargeworden, dass man mit einem soliden Jurastudium vielleicht doch eine Familie besser ernähren kann als mit einer fragwürdigen Klaviertournee, bei der einem mehr Frauenherzen zufliegen als Euroscheine.

    Heute spricht er von einem weisen Entschluss. Sein Geld verdient er in Köln, sein Hobby übt er öffentlich nur in Naturns aus. In dem Hotel, in dem er seit 20 Jahren Stammgast ist. „Ich habe hier viel dazugelernt“, sagt er. Er ist zum Weinkenner geworden, zum Whiskyliebhaber und zum Radsportler. „Ganz ehrlich: mir gefällt hier alles. Und ganz besonders die Küche und die Freundlichkeit im Service“, sagt der 52-Jährige, der jedes Jahr mit Frau und Kindern Familienurlaub im Lindenhof bucht. Selbst heute, erzählt er, kommen seine Jungs (inzwischen 23 und 21) sowie seine Tochter (18) noch gerne mit den Eltern nach Naturns. „Wenn wir woanders Urlaub machen, lachen sie uns aus, wenn wir sie fragen, ob sie mitkommen wollen.“

    Dabei muss die Familie gerade vor dem Lindenhof- Urlaub leidensfähig sein. Denn da wird im Hause Klein das Repertoire aufgefrischt, es müssen neue Songs einstudiert werden. „Wenn er zum sechsten Mal das gleiche Lied spielt, wird es schon anstrengend“, sagt Claudia Klein, was ihren Mann nur verwundert. „Wenn ich Fehler mache, muss ich es wiederholen. Und wenn ich keine mache, freue ich mich, dass ich es fehlerfrei spielen kann. Und probier es gleich noch mal.“

    So hört man bei Kleins halt nicht nur morgens, sondern auch abends und den ganzen Tag lang „una mattina“, die Titelmusik aus „Ziemlich beste Freunde“ – von Walter Kleins Lieblingskomponisten Ludovico Einaudi. Der Italiener, selbst Pianist, zaubert mit seinen Noten einen Grenzbereich zwischen Klassik und Pop, genau das, was dem Rechtsanwalt gefällt. „Ich habe am Anfang nur Klassik gespielt und erst mit 15 oder 16 in einem Plattenladen gemerkt, dass es ja auch Popmusik gibt. Heute mag ich besonders Billy Joel, Elton John, Mark Knopfler – es gibt großartige Songs fürs Piano.“

    Er wird sie alle spielen – dieses Jahr in seinem Urlaub im Lindenhof. Auch wenn er bei seinen öffentlichen Auftritten nervöser ist als früher bei Prüfungen. „Ich fange immer an zu spielen, wenn noch keiner an der Bar ist. Ich glaube, wenn der Raum schon am Anfang voll besetzt wäre, würde ich es mich nicht trauen.“

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