Die Archi­tek­ten des neu­en Lin­den­hof – „Eine gro­ße Ver­ant­wor­tung“

  • DSC_3915

    Die Archi­tek­ten des neu­en Lin­den­hof – „Eine gro­ße Ver­ant­wor­tung“

    Elke Lad­ur­ner und Ste­phan Marx muss­ten beim Umbau des Lin­den­hofs nicht nur den Bau­herrn, son­dern vor allem die Gemein­de über­zeu­gen. „Wir erwei­tern, wir ver­grö­ßern nicht”, sagen sie.

    Als Ste­phan Marx in Wien an der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te Archi­tek­tur stu­dier­te, amü­sier­te er sich mit sei­nen Kom­mi­li­to­nen köst­lich über einen ergrau­ten Pro­fes­sor. Von der Natur pre­dig­te er ihnen und dass das Wich­tigs­te für einen guten Archi­tek­ten Zurück­hal­tung sei. „Wir haben das damals nicht ver­stan­den”, sagt er. Mit 48 weiß Dr. arch. Ste­phan Marx aber, was der alte Mann gemeint hat und was es bedeu­tet, Archi­tek­tur in eine Land­schaft zu zau­bern. „Es ist eine gro­ße Ver­ant­wor­tung“, sagt er. „Weil man nie die Natur domi­nie­ren soll­te.”

    Viel­leicht ist die­se Ein­stel­lung das Erfolgs­re­zept des Archi­tek­tur­bü­ros von Ste­phan Marx und Elke Lad­ur­ner, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eini­ge Süd­ti­ro­ler Hotels in die Neu­zeit ver­setzt haben, ohne die Land­schaft zu ver­nach­läs­si­gen: Das „Schen­na-Resort” in Schen­na, das „Hotel Muche­le” in Burg­stall, das „Wei­ße Kreuz” in Bur­geis, den „Quel­len­hof” am Gar­da­see. Und jetzt das Erleb­nis & Genuss Resort Lin­den­hof in Naturns. „Natür­lich ist uns hier als Ers­tes auf­ge­fal­len, wie sehr der Lin­den­hof jetzt schon über dem Ort domi­niert, wes­halb uns klar war: Wir soll­ten nicht ver­grö­ßern, son­dern erwei­tern.” Auch des­halb wird der neue Bau nicht in dem auf­fal­len­den Rot glän­zen, son­dern sich mit natur­far­be­nem Holz abhe­ben.

    Es ist ein müh­sa­mer Pro­zess für krea­ti­ve Archi­tek­ten, der nach ers­ten Gesprä­chen mit dem Bau­herrn durch­aus mit eige­nen Vor­stel­lun­gen beginnt. „Im Lin­den­hof hat­ten wir das Glück, mit Joa­chim Nisch­ler auf einen Bau­herrn zu tref­fen, der sich für Archi­tek­tur begeis­tert und auch ger­ne expe­ri­men­tiert”, sagt Dr. arch. Elke Lad­ur­ner. Trotz­dem gibt es Vor­ga­ben: das Geld natür­lich, die Sor­gen der Gäs­te in den Fra­ge­bö­gen, die Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge des Per­so­nals, die Ziel­vor­ga­be der Mar­ke­ting- Agen­tur, die Wün­sche der Fami­lie. Einen Tag saß eine gro­ße Abord­nung aller Betei­lig­ten vor der letz­ten Detail­pla­nung zusam­men und impf­te die Archi­tek­ten auf das beson­de­re Lin­den­hof-Fee­ling.

    Ein knap­pes Jahr spä­ter haben Elke Lad­ur­ner und Ste­phan Marx in ihrem Büro in Schlan­ders einen Schrank vol­ler Model­le – und schuld dar­an ist nicht mal der Hotel­chef allein. Die Gemein­de Naturns hat­te die ers­ten Vor­schlä­ge in Rich­tung Tür­me wegen des Krie­ger­denk­mals an der Lin­de abge­lehnt – und schließ­lich gar Sach­ver­stän­di­ge in Sachen Archi­tek­tur und Land­schafts­pfle­ge aus Öster­reich, Ita­li­en und der Schweiz um Stel­lung gebe­ten. „War­um baut ihr denn in die­ser Land­schaft nicht in die Höhe”, haben die zwei Her­ren und die Dame in ihrem Schluss­plä­doy­er gefragt – und die Archi­tek­ten konn­ten etwas ver­wun­dert an ihren ers­ten Vor­schlä­gen wei­ter kon­zi­pie­ren. Inzwi­schen sind es drei höhe­re Kör­per, wie sie die Erwei­te­rung rechts neben dem Hotel nen­nen.

    So etwas, sagen sie, haben sie noch nie zuvor gebaut. Wobei das natür­lich auch der Wunsch jedes Hote­liers ist: Er will immer ein ganz neu­es Hotel, das es so noch nie gege­ben hat. „Die Anfor­de­run­gen sind schon hoch. Weil man von jedem Zim­mer aus­ge­hen und nach­den­ken muss, wie sich der Gast hier fühlt und was er sieht”, sagt Ste­phan Marx, der in der ers­ten Zeit mit sei­ner Part­ne­rin nie Hotels gebaut hat. „Die Hote­liers woll­ten kei­ne Archi­tek­ten. Sie haben ein Sat­tel­dach genom­men und eine auf­ge­bläh­te Alm­hüt­te gebaut. Das waren die Hotels in Süd­ti­rol”, sagt Elke Lad­ur­ner. Die Jah­re, in denen Archi­tek­ten in der Hono­rar­lis­te für Paläs­te und Hotels glei­cher­ma­ßen ein­ge­stuft wur­den, waren da längst vor­bei. Erst seit kur­zer Zeit wol­len auch Hote­liers wie­der außer­ge­wöhn­li­che Häu­ser in der Süd­ti­ro­ler Land­schaft.

    Joa­chim Nisch­ler ist da immer schon einen ande­ren Weg gegan­gen. „Es ist schön, einen Bau­herrn zu haben, der einen gewis­sen ästhe­ti­schen Anspruch hat”, sagt Elke Lad­ur­ner. Dass das auch anstren­gend sein kann, sagt sie nicht. Trotz­dem gilt auch im Fall Lin­den­hof am Ende wohl die alte Archi­tek­ten­re­gel von Ste­phan Marx: „30 Pro­zent unse­rer Ide­en fal­len unter den Tisch.”

    Preview_Aussenbereich_1-1030x687DIE ARCHI­TEK­TEN

    Ste­phan Marx hat in Wien an der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te stu­diert, Elke Lad­ur­ner Archi­tek­tur in Inns­bruck und Vene­dig. Seit 2001 haben sie ein gemein­sa­mes Büro in Schlan­ders mit vier Mit­ar­bei­tern. Marx und Lad­ur­ner sind mehr­fach aus­ge­zeich­net wor­den – unter ande­rem mit dem „d-pri­ze 2013 Pre­mio inter­na­zio­na­le per l’hotellerie“, dem „Pre­mio inter­na­zio­na­le di archi­tettu­ra e design bar/ istoranti/hotel d’autore 2015“ und von den „His­to­ri­schen Gast­stät­ten Süd­ti­rols”.

    SO ERKLÄ­REN DIE ARCHI­TEK­TEN DEN NEU­EN LIN­DEN­HOF:

    Die im Grund­riss poly­go­na­len und unter­schied­lich hohen Bau­kör­per ver­tei­len sich auf dem Grund­stück. Ihre extre­me Ent­wick­lung in der Ver­ti­ka­len schafft Frei­raum zwi­schen den Gebäu­den und lässt ein Land­schafts­bild aus Tälern und Ber­gen ent­ste­hen.

    Tweet about this on TwitterShare on Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.