Ein Hugo geht um die Welt

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    Ein Hugo geht um die Welt

    Der AK aus Naturns und sein Glücks-Cock­tail

    Roland Gru­ber hat Cur­ry­würs­te auf dem Rat­haus­platz in Ber­lin gegrillt, den Adel in St. Moritz und auf Sylt berauscht, im Volks­fest­zelt in Stutt­gart zu Blas­mu­sik Bier­krü­ge geschleppt und in der Schweiz ein klei­nes Hotel geführt – jetzt will der Glo­be­trot­ter sess­haft wer­den.

     

    Nein. Nicht mal fürs Foto. “Einen Hugo mit Holun­der­si­rup gibt es bei mir nicht”, sagt Roland Gru­ber – und mixt erst wei­ter, als ihm Michae­la Toll, Ser­vice­kraft im Hotel Lin­den­hof, einen Zitro­nen­me­lis­sen­si­rup hin­ter die Bar bringt.

    Will­kom­men zurück in der Hei­mat. Roland Gru­ber, der auf der Maus­loch­alm auf­ge­wach­sen  ist und den hier in Naturns alle nur “AK” nen­nen, war 2008 aus­ge­zo­gen – kurz nach­dem ihm in sei­ner Bar San­Ze­no in der Bahn­hof­stra­ße ein Glücks-Cock­tail gelun­gen war. “Ich woll­te vor allem mei­nen weib­li­chen Gäs­ten ein ande­res erfri­schen­des Getränk ser­vie­ren als immer nur den Vene­zia­no, der damals in war”, erzählt der heu­te 44-Jäh­ri­ge, nahm Pro­sec­co, Zitro­nen­me­lis­sen­si­rup aus dem Bio­la­den, Soda, Min­ze und ver­rühr­te alles vor­sich­tig in einem Glas mit Eis­wür­feln. Und plötz­lich bestell­ten so vie­le Leu­te “die­sen neu­en Cock­tail da”, dass er eines Tages zusam­men mit Freun­den einen Namen für sein Expe­ri­ment such­te. “Otto”, sag­te einer. “Otto ist blöd”, befand ein ande­rer, “dann kön­nen wir es ja gleich Hugo nen­nen.”

    Der Hugo war gebo­ren. Für die Geträn­ke­kar­te. In Naturns. Im San­Ze­no in der Bahn­hof­stra­ße.

    “Fra­gen Sie mich nicht, wie er von hier aus in die Welt getra­gen wur­de. Wäh­rend ande­re –  beim Ape­rol Spritz zum Bei­spiel – Mil­lio­nen in Wer­be­kam­pa­gnen ste­cken, muss es beim Hugo tat­säch­lich mit Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da funk­tio­niert haben”, sagt Gru­ber, der damals nicht im gerings­ten ahn­te, was ihm da gelun­gen war. “Mil­lio­nen Bar­män­ner kre­ieren jeden Abend Mil­lio­nen neu­er Drinks. Den trin­ken dann ihre Gäs­te. Und an die­ser Bar bleibt er dann auch. Bas­ta”, sagt er.  

    AK woll­te  in die Welt zie­hen, dass es der Hugo auch tat, ahn­te er nicht. Kuba war Gru­bers  Ziel, als er die Zel­te in der Hei­mat in Naturns abbrach, doch Freun­de über­re­de­ten ihn zu einem Bar­job im Hemingway’s in St. Moritz. “Der hat mein Leben kom­plett ver­än­dert. Ich habe viel Alko­hol getrun­ken, weil man es anders gar nicht aus­ge­hal­ten hät­te. Du musst dir vor­stel­len: in den Club kom­men alle, die mor­gens um drei noch wach sind – der Adel genau­so wie die Abspü­ler aus den Hotels. Da geht es ent­spre­chend ab bis um acht.”

    Es war die wil­de Zeit im Leben des Man­nes, der von sei­nem Prak­ti­kan­ten­job im Lebens­mit­tel­dis­coun­ter Alber den Namen AK hat­te – Alber Knecht. AK, wie er sich auch selbst vor­stellt, tin­gel­te in den Socie­ty­bars von Mün­chen bis Sylt, auf dem Rat­haus­platz in Ber­lin und beim deutsch-rus­si­schen Ball grill­te er Cur­ry­würs­te, in Grandls Volks­fest­zelt in Stutt­gart schlepp­te er Bier­krü­ge. Und der Hugo? “An den dach­te ich nicht mehr.”

    Doch auch sein Hugo tin­gel­te um die Welt, da es bei­de aber unab­hän­gig von­ein­an­der taten, konn­te der eine den ande­ren nicht ver­mark­ten. Erst als ihm an einer Bar in Stutt­gart ein neu­es Haus­ge­tränk ange­bo­ten wur­de, das Hugo hieß und ihn spä­ter ein Repor­ter des “Spie­gel” als Erfin­der des Mode­ge­tränks Hugo inter­view­te, ahn­te er, was er da geschaf­fen hat­te – ohne Gewinn dar­aus erzielt zu haben. “Es wäre schwie­rig gewe­sen, den Namen ein paar Jah­re spä­ter noch schüt­zen zu las­sen und die Rech­te ein­zu­for­dern. Zumal das bei einem Mix­ge­tränk eh nur geht, wenn du es schon in gemisch­ter Form ver­kaufst”, sagt AK. “Bei einem Getränk, das von der Fri­sche lebt, woll­te ich das aber nicht.”

    So freu­te er sich über Arti­kel in Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten, Ein­la­dun­gen in Fern­seh­sen­dun­gen – und mach­te sich selbst zur Mar­ke: mit lan­gem Bart, als Süd­ti­ro­ler Ori­gi­nal, als Erfin­der des Hugo. Sogar sess­haft ist er gewor­den: in der Schweiz führ­te er bis vor weni­gen Mona­ten das Berg­ho­tel Rie­der­fur­ka im Ski­ge­biet Wal­lis, jetzt sucht er neue Auf­ga­ben, ger­ne wie­der in der Schweiz, ger­ne auch in Süd­ti­rol, in Deutsch­land. Oder sogar in Ungarn, wo sei­ne Frau Gabri­el­la gebo­ren ist. “Ein Süd­ti­ro­ler wird mit 40 gescheit”, sagt AK und ist glück­lich, dass er die Unga­rin mit 39 ken­nen­ger­lernt hat. Sie habe ihn gebän­digt. Zusam­men haben sie den ein Jahr alten Sohn Erik. “Unser Prinz”, sagt der Vater, und es klingt nach Fami­lie, die eine Hei­mat sucht.

    IMG_4975Nur der Hugo wird wei­ter rei­sen.


    Der ECH­TE Hugo:

    Der ech­te und wah­re Hugo des Erfin­ders besteht aus 15 cl gekühl­tem Pro­sec­co, 2 cl Zitro­nen­me­lis­se­si­rup, eini­gen Blät­tern Min­ze, einem Sprit­zer Soda, Eis­wür­feln und einer Zitro­nen­schei­be. Dass er über­all mit Holun­der­si­rup gemixt wird, hat für Roland Gru­ber ali­as AK einen simp­len Grund: Holun­der­si­rup gibt es fast über­all zu kau­fen. Ihm selbst ist er schon mit Zitro­nen­me­lis­se­si­rup zu süß. “Ich habe in mei­nem Leben höchs­ten drei Hugos getrun­ken”, sagt er.

    Wei­te­re Arti­kel aus der Lin­den­hof Hotel­zei­tung SUI­TE

     

     


1 Comment

  • Herz­li­che Grüs­se an AK von ein paar Rie­der­alp Jun­kies (ca 20 Jah­re jeden Win­ter…) die fin­den, dass es auf der Rie­der Fur­ka nur noch halb soviel Spass macht abends zu dinie­ren, seit AK und sei­ne hol­de Ange­trau­te nicht mehr dort sind!!! Viel­leicht ein Grund für uns mal im Herbst in’s Süd­ti­rol zu pil­gern…

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