Joa­chims Wave­ba­lan­ce – Resü­mee nach 10 Aus­ga­ben SUI­TE

  • 2018_02_01-Lindenhof_Massageraum

    Joa­chims Wave­ba­lan­ce – Resü­mee nach 10 Aus­ga­ben SUI­TE

    Nach zehn SUI­TE-Aus­ga­ben denkt der Schrei­ber­ling mal über sei­nen Her­aus­ge­ber Nisch­ler nach.

    Die meis­ten haben schö­ne Träu­me. Ich den­ke an den Hotel­chef. Zumin­dest bis zu die­sem Moment war es mehr als ange­nehm auf die­sem Was­ser­bett, das sich wave­ba­lan­ce nennt und das mir Joa­chim Nisch­ler aus­drück­lich ans Herz gelegt hat. Das Non­plus­ul­tra sei das neue Was­ser­bett in der Lin­den­hof ArtS­PA, Mas­seu­rin­nen wür­den mit ihren gezielt flie­ßen­den Behand­lungs­tech­ni­ken den Rhyth­mus der Wel­len beschleu­ni­gen. Es wür­de tief beru­hi­gen und das Los­las­sen auf kör­per­li­cher und men­ta­ler Ebe­ne unter­stüt­zen. Man wür­de wirk­lich zu einem neu­en Men­schen. Fern­ab jeder Hek­tik.

    War­um, so fra­ge ich mich, liegt er dann nicht selbst auf sein Was­ser­bett?

    Ich weiß, es gibt vie­le, die sagen, am bes­ten wäre es, Herr Nisch­ler wür­de non­stop wave­ba­lan­ce machen. Den gan­zen Tag, die gan­ze Nacht. Nur: so nötig wie wäh­rend des Hotel­um­baus hat­te er es noch nie. Ich glau­be, ich kann das beur­tei­len, weil ich schon wäh­rend zehn Aus­ga­ben der SUI­TE unter sei­nem stän­di­gen „Stillstand-ist-Rückschritt”-Credo gelit­ten habe. Alles muss anders wer­den. Und mög­lichst bes­ser. Ganz ehr­lich: ich habe Angst vor die­ser 11. Aus­ga­be. Mein Her­aus­ge­ber wird nach der ers­ten depres­si­ven Pha­se, die so eine Bau­stel­le vor der Sai­son­er­öff­nung mit sich bringt, wie­der alles wol­len, so wie er in sei­ner gan­zen Eupho­rie immer alles will. Nur die­ses Mal noch etwas mehr. Die moder­nen Sau­nen, die schi­cken Pools, die über­di­men­sio­na­le Was­ser­rut­sche, das beson­de­re Kino, den gemüt­li­chen Außen­be­reich mit zwei Fern­se­hern… Und er wird – noch weni­ger als sonst – ver­ste­hen, dass sei­ne Hotel­zei­tung nur zwölf Sei­ten hat und kein Wer­be­pro­spekt sein darf.

    Die­sen Kampf ken­ne ich schon. Wen ich aller­dings in die­sen Tagen vor der Hotel-Eröff­nung nicht mehr ken­ne, ist Herr Nisch­ler selbst. Der Umbau ist (fast) geschafft. Er auch. Trau­ri­ge Augen bli­cken mich an, selbst wenn ich in einem Anflug von Sen­ti­men­ta­li­tät sage, der Elf­me­ter gegen Juve sei unbe­rech­tigt gewe­sen. Das Feu­er in ihm scheint zumin­dest dann erlo­schen, wenn er durch die Sui­ten mar­schiert, die in zwei Tagen fer­tig sein sol­len und in denen heu­te noch Elek­tri­ker und Instal­la­teu­re ihre Werk­bän­ke neben­ein­an­der gestellt haben. Dort, wo seit einer Woche das Dop­pel­bett mit der Box­spring­ma­trat­ze hät­te ste­hen sol­len. Das nor­ma­le Leid eines Bau­herrn, für einen wie ihn eine Tra­gö­die. Er hat Ide­en, Plä­ne, Zeit­fens­ter (manch­mal) – und weil sich ande­re nicht dar­an hal­ten, muss er sei­ne Stamm­gäs­te ent­täu­schen. Es macht ihn mal wütend, mal trau­rig – aber immer wahn­sin­nig. Apro­pos wahn­sin­nig. Ich den­ke an die Anfän­ge der SUI­TE. Wir stan­den an der Bar. Der Gast W. und der Hotel­chef N. Und als der Hotel­chef N. hör­te, dass der Gast Jour­na­list ist und auch schon vie­le Kun­den­ma­ga­zi­ne für gro­ße Fir­men kon­zi­piert hat, war für ihn schon vor dem zwei­ten Whis­key klar: Er will auch eine Kun­den­zei­tung. „Wenn wir mor­gen anfan­gen, könn­ten wir sie doch in zwei Wochen ver­schi­cken”, sag­te er. Das Schlim­me ist: du hast kei­ne Chan­ce gegen ihn, gegen sei­nen Elan, sei­ne Über­zeu­gungs­kraft. Das Gute ist: es spru­deln bei ihm wäh­rend einer Bespre­chung so vie­le Ide­en, dass er sie selbst wie­der ver­gisst und gar nicht merkt, wenn in der nächs­ten Aus­ga­be kei­ne Idee davon umge­setzt wor­den ist.

    Her­aus­ge­ber, die sich ein­mi­schen, gibt es vie­le. Her­aus­ge­ber, die nicht mer­ken, was der Jour­na­list macht und trotz­dem stolz auf ihr Pro­dukt sind, weni­ge. Er woll­te damals eine Aus­ga­be im Jahr machen, drei Jah­re lang, so sag­te er, hal­ten WIR das durch. Inzwi­schen hal­te ICH drei Aus­ga­ben pro Jah­re durch – trotz ihm. War­um eigent­lich, fra­ge ich mich, wäh­rend Sophie mein rech­tes Bein noch stär­ker nach unten auf das Was­ser­bett drückt und die Wel­len tat­säch­lich bis zum Hin­ter­kopf blub­bern. Weil er ein wahn­sin­ni­ger Bau­herr ist? Weil er als ahnungs­lo­ser Her­aus­ge­ber eine Zei­tung ver­schickt? Weil er ein umtrie­bi­ger Hotel­chef ist, der nicht nur für sich, son­dern auch für sei­ne Gäs­te das Bes­te will? Oder viel­leicht: weil er ein guter Freund ist?

    Irgend­was muss da noch zwi­schen Wahn­sinn, Ahnungs­lo­sig­keit und Umtrie­big­keit sein, dass ihm Gäs­te vie­les, Mit­ar­bei­ter alles ver­zei­hen. Und dass selbst Jour­na­lis­ten ihn auf­zu­mun­tern ver­su­chen, wenn er auf sei­ner Zwei-Stu­fen-Lau­ne­ska­la mal wie­der auf „zu Tode betrübt” geschal­tet hat. Er wird bald wie­der auf „him­mel­hoch­jauch­zend” dre­hen, wenn die ers­ten Gäs­te sein neu­es Werk bewun­dern: das neue Dol­ce- Vita Resort Lin­den­hof. Das Gute ist: er kann schnell ver­ges­sen. Den Ärger mit den Bau­fir­men zum Bei­spiel. Die schlaf­lo­sen Näch­te wäh­rend des Umbaus. Die Sor­ge, alle Gäs­te zu ver­grau­len. So wie er schnell ver­ges­sen hat, dass die­ser Jour­na­list eigent­lich nur drei Aus­ga­ben der SUI­TE machen woll­te. Er plant heu­te schon die Jubi­lä­ums­aus­ga­be. Die 25 muss was ganz Beson­de­res wer­den, sagt er und rennt gleich­zei­tig los: Irgend­ein Hand­wer­ker ist krank, wahr­schein­lich ver­legt er jetzt den Boden selbst…

    Es wird höchs­te Zeit, dass sich Herr Nisch­ler mal auf die­ses Was­ser­bett legt. Und lie­gen bleibt…

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