Team­work in der Fami­lie

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    Team­work in der Fami­lie

    Auch Ver­wand­te müs­sen pro­fes­sio­nell zusam­men­ar­bei­ten – wenn sie gemein­sam ein Hotel füh­ren. Eine Bera­tungs­agen­tur hilft jetzt bei den Visio­nen für die nächs­te Lin­den­hof-Gene­ra­ti­on.

    Fast jeden Don­ners­tag wäh­rend ihres Stu­di­ums in Flo­renz bekommt Emma Nisch­ler den Anruf von Vater oder Mut­ter.  „Könn­test Du am Wochen­en­de ein­sprin­gen? Im Ser­vice wird es eng.“ Für die 20-jäh­ri­ge Kunst­stu­den­tin ist das schon lan­ge kei­ne Fra­ge mehr. „Ich hab das mehr oder weni­ger ein­ge­plant“, sagt sie lachend – und selbst­ver­ständ­lich schiebt sie auch in den Feri­en schon mal die eine oder ande­re Dop­pel­schicht: bis 18 Uhr im Tagesca­fe, von 18.30 Uhr an im Spei­se­saal..

    In einem Fami­li­en­ho­tel packt die gan­ze Fami­lie an – das ist das Cre­do der Nisch­lers. Es ist für groß und klein, jung und alt eine pure Selbst­ver­ständ­lich­keit. Sie ken­nen es nicht anders, seit frü­hes­ter Kind­heit. Das war bei Joa­chim so, der letzt­lich rela­tiv früh mit 27 von sei­nem Vater Wer­ner die Füh­rung des Hotels über­nom­men hat – und das ist bei sei­nen Töch­tern Chia­ra und Emma nicht anders. „Wir wur­den alle nicht gezwun­gen, aber irgend­wie hat es dazu gehört, und es hat auch immer Spaß gemacht“, sagt Joa­chim Nisch­ler, der das Fami­li­en­un­ter­neh­men mit wei­te­ren 44 Fest­an­ge­stell­ten lei­tet. Bei ihm gibt es nicht nur Mit­ar­bei­ter­sit­zun­gen und Abtei­lungs­lei­ter­kon­fe­ren­zen, son­dern auch Fami­li­en­be­spre­chun­gen. „Wir gehen es auch im engs­ten Ver­wand­ten­kreis pro­fes­sio­nell an, sonst funk­tio­niert es nicht. Man muss in der Situa­ti­on noch mehr als ande­re tren­nen kön­nen zwi­schen Job und Pri­vat­le­ben.“

    Seit die­ser Sai­son beschäf­tigt Nisch­ler sogar eine Bera­tungs­agen­tur, die die Wün­sche und Vor­stel­lun­gen der ein­zel­nen Fami­li­en­mit­glie­der bes­ser steu­ert. Mit ihr wer­den Visio­nen ent­wi­ckelt – auch was die Über­ga­be des Hotels in die nächs­te Gene­ra­ti­on betrifft. Chia­ra Nisch­ler kann es sich vor­stel­len, irgend­wann neben ihrem Vater und spä­ter mal auch ohne ihn das Manage­ment zu über­neh­men. „Am liebs­ten wäre es mir aber, Emma wür­de auch mit ein­stei­gen“, sagt die 22-Jäh­ri­ge, die inzwi­schen fest an der Rezep­ti­on ein­ge­plant ist und abends die Gäs­te im Spei­se­saal begrüßt. Zudem stu­diert sie beglei­tend am Wochen­en­de Wirt­schaft in Inns­bruck.

    „Visio­nen“ steht noch auf der Akten­map­pe, die Kohl & Part­ner nach den ers­ten Fami­li­en­sit­zun­gen für die Nisch­lers zusam­men­ge­stellt hat. „Bis­her konn­te mal jeder sei­ne Ide­en äußern, nach der Sai­son müs­sen wir das alles zusam­men­füh­ren“, sagt Joa­chim Nisch­ler, der – obwohl erst 47 – sei­ne Nach­fol­ge ger­ne gere­gelt sehe, bevor er wei­te­re Mil­lio­nen in Umbau und Erwei­te­rung inves­tiert. Schon bei den Neu­bau­plä­nen haben er und Lorel­la Long­hita­no ihre bei­den Töch­ter wesent­lich mit ein­be­zo­gen. „Da kann uns auch Emma mit ihrem künst­le­ri­schen Talent sehr hel­fen – und wahr­schein­lich wäre es auch gut, wenn wir nach­her sowohl künst­le­ri­sche Krea­ti­vi­tät als auch wirt­schaft­li­ches Ver­ständ­nis an der Spit­ze hät­ten.“ Wann „Visio­nen“ durch­ge­stri­chen und auf der Akten­map­pe „Plä­ne“ ste­hen wird, ent­schei­den die Wirt­schafts­stu­den­tin Chia­ra und die Kunst­stu­den­tin Emma Nisch­ler. „Sie kön­nen sich abso­lut frei ent­schei­den“, sagt die Mut­ter Lorel­la Long­hita­no, die selbst bis abends um halb elf im Hotel arbei­tet und dort in der Küche als Ver­ant­wort­li­che die Bestel­lun­gen des Ser­vice mit den Köchen dis­po­niert. „Es wäre halt schon schön, wenn der Lin­den­hof auch in der nächs­ten Gene­ra­ti­on in Fami­li­en­hand blei­ben wür­de“, sagt Seni­or­chef Wer­ner Nisch­ler, der sich eigent­lich mit 76 in die­ser Sai­son mehr zurück­zie­hen woll­te, aber noch immer ab und zu am Abend im Spei­se­saal zusam­men mit sei­ner Frau Doris aus­hel­fen muss.

    Emma lacht noch über Visio­nen und Wün­sche – und geht ans Han­dy. „Klar, wann soll ich heu­te Abend da sein?“

     

    DSC_9766Joa­chim Nisch­ler ist seit 22 Jah­ren der Hotel­chef im Lin­den­hof, der Hans-Damp­fin-allen-Gas­sen.  Er macht Per­so­nal­po­li­tik, die Finan­zen, den Ein­kauf, unter­hält die Gäs­te, fährt mit ihnen um die Wet­te Fahr­rad aufs Stilfser Joch und trägt abends auch noch die schmut­zi­gen Tel­ler aus dem Spei­se­saal. Jeder Gast kennt ihn. „Grüß Gott, ich bin der Joa­chim.“

     

     

     

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    Chia­ra  Nisch­ler hat nach Prak­ti­ka in ande­ren Hotels gleich zwei Jobs im
    Lin­den­hof: Sie arbei­tet an der Rezep­ti­on, und sie begrüßt fast jeden Abend die Gäs­te im Spei­se­saal. Neu­er­dings besteigt sie auch bei „Haus­wan­de­run­gen“ die höchs­ten Gip­fel Süd­ti­rols. „Ich soll­te mehr ler­nen“, erkennt die 22-jäh­ri­ge Wirt­schafts­stu­den­tin – meist nach einer Prü­fung.

     

     

     

    9903Lorel­la Long­hita­no kommt aus Mai­land, lebt aber schon seit 23 Jah­ren in Naturns. Die Mut­ter von Emma und Chia­ra Nisch­ler ist die rech­te Hand von Hotel­chef Joa­chim Nisch­ler und herrscht abends im soge­nann­ten „Pass“ in der Küche. „Die Koor­di­na­ti­on zwi­schen Küche und Ser­vice muss stim­men“, sagt sie – und steu­ert alles.

     

     

     

    DSC_9895Emma Nisch­ler singt wie Whit­ney Hous­ton – oder zumin­dest Lie­der von Whit­ney Hous­ton. Immer wie­der lädt sie der Musik­ver­ein zu öffent­li­chen Auf­trit­ten ein. Außer­dem malt die 20-jäh­ri­ge Kunst­stu­den­tin aus Lei­den­schaft. Ob sie auch aus Lei­den­schaft im Hotel Bier zapft, sagt sie nicht. Trotz­dem hilft sie immer wie­der im Ser­vice aus. „Aus­beu­tung“, sagt sie lachend.

     

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