Der Wein, der nach Lei­den­schaft schmeckt!

  • Fam Pratzner Falkenstein (5

    Der Wein, der nach Lei­den­schaft schmeckt!

    Das Wein­gut Fal­ken­stein pro­du­ziert in jedem Jahr auf 12 Hekt­ar 90.000 Fla­schen – und ver­kauft bis nach Asi­en.

    Mag­da­le­na Pratz­ner ist heu­te 26. Sie hat die Han­dels­schu­le besucht, ein Stu­di­um der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten in Wien begon­nen. Sie woll­te alles wer­den – nur kei­ne Win­ze­rin. Zu oft muss­te sie zu Hau­se bei der Ern­te hel­fen, zu viel sah sie, wie Vater und Mut­ter von mor­gens bis nachts sich um irgend­wel­che Reben küm­mer­ten. Bis sich eine Freun­din beim Land­wirt­schafts­stu­di­um anmel­de­te. Und sie – weil Poli­tik halt doch nicht ihr Ding war – über­ra­schend nach­zog, sich für Wein­bau ein­schrieb. „Da habe ich erst gemerkt, wie span­nend es ist, aus der rich­ti­gen Trau­be den rich­ti­gen Wein zu pro­du­zie­ren”, sagt sie.

    Wir sit­zen im kal­ten Stein­kel­ler des Wein­guts Fal­ken­stein. Hoch über Naturns, 200 Meter vom Dol­ce Vita-Hotel Lin­den­hof ent­fernt. Eine hoch­mo­der­ne Anla­ge fällt ins Auge, 40 Fäs­ser mit zwi­schen zehn und 150 Hek­to­li­ter Fas­sungs­ver­mö­gen. End­los vie­le Fla­schen. „Wir haben in den ver­gan­ge­nen 14 Tagen von der letzt­jäh­ri­gen Ern­te 90.000 Fla­schen abge­füllt”, erzählt der erfolg­rei­che Win­zer Franz Pratz­ner. 15.000 Fla­schen pro Tag. Er ist froh, die Toch­ter an sei­ner Sei­te zu haben. „Wenn ich sie gedrängt hät­te, hät­te sie es nie gemacht. Oder zumin­dest nicht mit Herz. Jetzt weiß ich, dass sie aus Lei­den­schaft Win­ze­rin wird. So wie ich Win­zer gewor­den bin”, sagt der Vater.

    Fal­ken­stein ist ein Fami­li­en­be­trieb. Seit 190 Jah­ren ist das klei­ne Unter­neh­men in Fami­li­en­hand, aber nach Acker­bau und Vieh­zucht, nach dem in Süd­ti­rol übli­chen Apfel­an­bau, hat sich der heu­te 55-jäh­ri­ge Franz Pratz­ner schon in jun­gen Jah­ren zu einem ris­kan­ten Schnitt ent­schlos­sen. Ende der 80er Jah­re ließ er die letz­ten Apfel­bäum­chen ster­ben, stell­te noch mehr als vor­her von Ver­natsch-Reben zu Ries­ling und Blau­bur­gun­der um und bau­te Anfang 2000 eine Pro­duk­ti­ons­stät­te mit Kel­ler, die ihres­glei­chen in Süd­ti­rol such­te. „Wie ande­re habe ich damals gemerkt, dass der Wein vom Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel zum Genuss­mit­tel wird. Und dass des­halb ande­re Wei­ne gefragt wur­den als bis dahin”, sagt der Mann, der mit zwan­zig bei der ers­ten Ein­kel­le­rung gespürt hat­te, wie sehr ihn der Win­zer­be­ruf fas­zi­nier­te. „Es muss mehr sein als ein Job, nur dann gelin­gen anspruchs­vol­le Wei­ne.”

    Vom frü­hen Mor­gen an steht er mit sei­ner Frau Ber­na­det­te auf den stei­len Hän­gen am Fal­ken­stein. Sie­ben Hekt­ar gehö­ren ihm, fünf Hekt­ar hat er gepach­tet. Trie­be müs­sen geschnit­ten wer­den, die Blät­ter regel­mä­ßig ent­fernt, es wird zu den rich­ti­gen Zei­ten bewäs­sert, gespritzt. „Mei­ne Frau kommt aus einer ganz ande­ren Rich­tung. Aber die Arbeit in der Natur macht ihr Spaß, zum Glück für mich ist sie mit viel Herz dabei”, sagt Franz Pratz­ner, der als Künst­ler unter Süd­ti­rols Win­zern gilt. Seit 2004 wird sein Ries­ling jedes Jahr von Gam­be­ro Ros­so mit den 3 Glä­sern aus­ge­zeich­net. Sein beson­de­res Gespür und sein krea­ti­ves Geschick sind bekannt in der Sze­ne, weil er bei jedem Wet­ter, in jeder Situa­ti­on das Rich­ti­ge tut. Auch wenn er sagt, „es ist wie bei einem Maler, am Anfang weiß man noch nicht, was dar­aus wird”, plant und arbei­tet er sys­te­ma­tisch an einem exklu­si­ven Wein, der in Holz­fäs­sern reift. Für ihn ist der Zeit­punkt der Ern­te ent­schei­dend – und der ergibt sich aus dem Rei­fe­test der Bee­ren im August. Pratz­ner ana­ly­siert 200 Bee­ren auf den Zucker­wert, den Säu­re­wert, den PH-Wert. Und natür­lich pro­biert er auch. Bee­ren und spä­ter den Wein. „Ein Som­me­lier deu­tet den fer­ti­gen Wein, ein Win­zer muss wis­sen, wie er mit dem zunächst stin­ki­gen Wein umgeht und was wie aus ihm wird.”

    Er wird sich künf­tig auch auf die Nase und das Gespür von Mag­da­le­na ver­las­sen kön­nen. Und auch die 24-jäh­ri­ge Toch­ter Michae­la wird viel­leicht mal Win­ze­rin. Die Vor­aus­set­zun­gen dafür bringt sie mit. „Man muss selbst Genuss­mensch sein und den Wein lie­ben”, sagt der Win­zer Pratz­ner über den Beruf des Win­zers. Dass noch ein biss­chen mehr dazu­ge­hört, um erfolg­reich zu pro­du­zie­ren und zu ver­mark­ten, sagt er nicht. Fal­ken­stein ver­kauft inzwi­schen Wei­ne in der gan­zen Welt. Neben den 60 Pro­zent in Ita­li­en ver­treibt Franz Pratz­ner vor­wie­gend in Asi­en, Aus­tra­li­en und Russ­land.

    Fal­ken­stein

    Der erfolg­reichs­te Fal­ken­stein- Wein ist der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Ries­ling. Aber auch Weiß­bur­gun­der, Sau­vi­gnon, Gewürz­tra­mi­ner und Blau­bur­gun­der genü­gen höchs­ten Ansprü­chen. „Mir schmeckt vor allem der Blau­bur­gun­der von unse­ren Reben”, sagt Lorel­la Long­hita­no lächelnd. Die Lin­den­hof-Mana­ge­rin, Mut­ter von Chia­ra und Emma Nisch­ler, hat auf 2.000 Qua­drat­me­ter Blau­bur­gun­der-Reben an dem ihr gehö­ren­den Hang oben am Schloss­weg – und aus ihnen hat Franz Pratz­ner inzwi­schen Blau­bur­gun­der-Wein gezau­bert. Auch sor­ten­rei­nen Grap­pa und Maril­len­brän­de stellt er her. Neben dem Wein­gut Fal­ken­stein am Vinsch­gau­er Son­nen­berg gibt es übri­gens das Gast­hof Fal­ken­stein mit wun­der­schö­ner Aus­sicht und abso­lu­ten Süd­ti­ro­ler Spe­zia­li­tä­ten. Das betreibt Franz’ Pratz­ners Bru­der Peter.

    Wein­gut Fal­ken­stein
    Naturns Schloss­weg 15
    www.falkenstein.bz

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