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09. April 2019

Ein Klettersteig, der es in sich hat

„Oha, ganz schön hoch…“

Lindenhof-Gäste testen den „Hoachwool“, einen der schwierigsten Anstiege in ganz Südtirol

Gipfel erreichen, die für den normalen Wanderer unerreichbar bleiben, Wände durchsteigen, die man sonst nur von unten bewundern kann – Klettersteige sind ein faszinierendes Erlebnis und voll im Trend. In Südtirol gibt es insgesamt 202 Klettersteig-Routen. Die bekanntesten sind jene in den Dolomiten.

Seit 2015 gibt es auch in Naturns einen: den Klettersteig „Hoachwool“. Dieser gehört  zu den schwierigsten Anstiegen in ganz Südtirol und seine technischen Schwierigkeiten sind mit denen des „Tabaretta“ am Ortler vergleichbar. 

Erna und Otto Bäumchen, zu Gast im DolceVita Resort Lindenhof, welches sich sozusagen am Fuße des Endpunktes vom „Hoachwool“, nahe der Seilbahn Unterstell befindet, wollen es wagen. Beide sind erfahrene Wanderer, haben bereits drei Klettersteige gemacht und sind über den Routenverlauf informiert.

Ausgangspunkt ist der Parkplatz des Vinschger Bauernladens am Eingang ins Schnalstal. Dem Bachufer taleinwärts folgend, vorbei am Klettergarten Juval, erreicht man die grandiose Seilbrücke über den Schnalsbach. Wobei es nicht wirklich eine ‚Brücke‘ ist – es sind ein Seil in der Mitte für die Füße und je eines rechts und links zum Halten. „Oha, ganz schön hoch!“ sagt Erna mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und blickt in die Tiefe hinunter zum tosenden Schnalsbach. Ihr Mann bestärkt sie: „Konzentrier’ dich nur auf das Seil und schau einfach nicht nach unten!“

Klettersteig Naturns

Die ‚Kahndln‘

Am anderen Ende angekommen, führt der „Verbotene Steig“ das Paar weiter empor in Richtung des ehemaligen 10 km langen Naturnser Schnalswaales. Bereits im Jahre 1833 wurden die alten ‚Kahndln‘, das sind aus Lärchenbrettern gezimmerte Wasserrinnen, als Wasserleitung gelegt. „Wahnsinn, welcher Gefahr die Bauern hier damals ausgesetzt waren! Die waren bestimmt nicht mit Kletterausrüstung unterwegs…“ staunt das Ehepaar und blickt ungläubig auf die verkeilten Eisenträger in der senkrechten Felswand. Heute erleichtern Stahlseile, Tritthilfen und Felsanker den Kletterern den Weg zum Ziel. 

Spätestens jetzt ist ihnen klar: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind in diesem Klettersteig Grundvoraussetzung! Und den beiden ist auch klar: der Aufstieg wird nicht einfacher – im Gegenteil! Sie blicken hinauf und sehen einen weiteren senkrechten Fels, den es zu erklimmen gilt. Anders als bisher gibt es nun nur mehr wenige künstliche Tritthilfen. „Wir müssen nach natürlichen Griffen oder Tritten greifen, sonst klappt das nicht,“ erklärt Otto seiner Frau, die mühevoll den Weg nach oben sucht. „Und achte auf deine Technik! Immer Arme und Beine benutzen, sonst verlässt dich deine Kraft zu früh…,“ rät er ihr noch dazu.

Den „Hoachwool“ sollen nur jene in Angriff nehmen, die mindestens 5 Klimmzüge ohne große Anstrengung schaffen, rät die Bergrettung. Jährlich müssen zahlreiche Leute mit dem Hubschrauber geholt werden.

Der Rastplatz „Sattele“ ist erreicht – Zeit für eine Verschnaufpause. Hier genießt man atemberaubende Ausblicke aufs Tal und auf Schloss Juval, sieht rundherum imposante Felsen und die einzigartige Landschaft des Naturnser Sonnenberges. 

Im nächsten ebenfalls schwierigen Abschnitt führt das Sicherungsseil über Platten, Verschneidungen und Kanten bis zu einem Pfeilerkopf. Ab diesem Punkt wird der Klettersteig deutlich leichter und erreicht den Ausstieg auf der Höfler Weide. Nun können die Kletterer entweder die 20 Minuten bis zur Talstation der Seilbahn Unterstell laufen, oder den direkten Abstieg über den Weg Nr. 10 wählen. Letzterer führt ohne Umwege zurück zum DolceVita Resort Lindenhof, wo die wohlverdiente Nachmittagsjause wartet.

Wenig später am Nachmittagsbuffet hilft Otto Bäumchen seiner Gattin beim Schöpfen und Tellertragen. „Ich kann zwar meine Finger kaum noch spüren vom vielen Greifen, und meine Arme fühlen sich an wie Pudding, aber es ist ein unbeschreibliches Gefühl, diesen Klettersteig geschafft zu haben,“ erzählt Erna Bäumchen später am Buffet Baristin Michaela, die sie besorgt fragt, ob sie sich verletzt habe.

„Diese Tour ist absolut empfehlenswert – beeindruckend, abwechslungsreich und anspruchsvoll zugleich!“ ist sich das Ehepaar einig. 

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Tipp für Klettersteig-Neulinge und Familien:

Klettersteig Naturns

Am Klettersteig „Knott“

Klettersteig Naturns

Routen am „Knott“

Der Übungs- und Familienklettersteig „Knott“ unterhalb der Aussichtsplattform Unterstell. Dort gibt es vier Routen, zwei steile Leitern, eine Seilbrücke und ein kurzes, einfaches Verbindungsstück zwischen zwei verschiedenen Routen, um einen schweren Quergang zu umgehen.

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Übungstipp speziell für Lindenhof-Gäste:

Die neue, 15m hohe Kletterwand des DolceVita Resort Lindenhof eignet sich prima zum Üben fürs Gelände. 1. Hier kann man die Griffkraft verbessern
2. Hier kann man die Technik üben – man soll nicht zu viel mit den Armen arbeiten, sondern auch die Beinarbeit ist sehr wichtig. Dadurch hat man  länger Kraft in den Armen.
3. An die Höhe kann man sich gewöhnen – vorausgesetzt man hat nicht richtige Höhenangst. Durch das Üben an der Kletterwand bekommt man ein besseres Gefühl für Höhe bzw. Tiefe und man kann somit auch im Gelände besser damit umgehen.

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