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27. Juni 2017

Mit Vergnügen zum Erfolg

SÜDTIROLS FEUERWEHRPRÄSIDENT

Wolfi Gapp ist heute Chef von 18.000 Freiwilligen, aber durch seine Zeit als Tennistrainer trifft er immer wieder alte Bekannte im Lindenhof. Ein Wiedersehen auf dem Platz, 30 Jahre danach.

„Super. Genau so! Siehst Du. Du kannst es noch!“, ruft Wolfi Gapp seinem Schützling zu, während der gelbe Tennisball durch einen verzweifelten Rahmentreffer nicht mal den Weg übers Netz findet, sondern auf der eigenen Hälfte hilf- aber klaglos ins Seitenaus kullert. Hannes, sein 12-jähriger Sohn, schaut ihn verwundert an, doch was hätte sein Vater auch sagen sollen? Schließlich ist er für diesen Schlag selbst verantwortlich, hat er doch seinem heutigen Partner vor 30 Jahren Tennis beigebracht. „Das wird schon. Wenn Du wieder mehr spielst“, sagt Wolfi Gapp und beruhigt den anderen. Oder sich selbst?

Früher war der Schützling Mitte 30 und der Trainer 22. Heute ist der Schützling Rentner und der Trainer Feuerwehrpräsident. Der erste Mann bei den Freiwilligen Feuerwehren Südtirols. Chef von 18.000 Männern und Frauen. Am Nischlhof, wo früher zwei Sandplätze für die Touristen nicht reichten, wartet heute ein einsamer Kunstrasenplatz mit Quarzsand auf die Tennisspieler aus den umliegenden Hotels. Die Zeiten haben sich geändert“, sagt der ehemalige Trainer. Und der heutige Rentner nickt wohlwissend.

Es war eine Zeit, in der sich die Familie Gapp umorientieren musste. Die Boris- Becker-Boom-Zeit war spätestens nach dem Bobbele-Besenkammer-Gastspiel zu Ende, es gab zu viele Tennisplätze und zu wenige Tennisinteressierte. Auch in Naturns. Die Gapps bauten Ferienwohnungen neu und ihre Landwirtschaft aus. Und der Mann, der mit viel Herzblut untalentierten Urlaubern nach der amerikanischen Methode Vor- und Rückhand beigebracht hat, kümmerte sich plötzlich um Obstbäume, verkaufte Äpfel und machte Wein. „Mit Vergnügen zum Erfolg“, war das Tennis- Motto der Amis, und auch der junge Wolfi Gapp steckte seine Schüler in kein einheitliches Korsett. „Ich habe sie nicht auf irgendeinen Bewegungsablauf getrimmt, sondern ich habe versucht, ihren Bewegungsablauf zu verbessern“, sagt er.

Mit Vergnügen zum Erfolg ist sein Lebensmotto geworden. Leidenschaft und Einsatz sind geblieben. Gapp, heute 54, hat mit Leidenschaft Tennis gespielt, Turniere schon als 16-Jähriger gewonnen. Er hat mit Einsatz Obstbäume gehegt und gepflegt und nachts Äpfel vor der Kälte gerettet. Jetzt ist er mit Vergnügen Feuerwehrpräsident von Südtirol, obwohl der Job nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist. Da geht es um Budgets mit der Politik, um die Gleichbehandlung von 300 Feuerwehren, um Neid, um Ärger, um Katastrophen. Jeden Morgen ist er im Büro in Vilpian, jedes Wochenende bei irgendwelchen Veranstaltungen, manche Nacht an den Brandherden in der Gegend. Und das alles ehrenamtlich. „Ich habe soziales Engagement in meiner Familie vorgelebt bekommen“, sagt Gapp, und er sagt auch, dass er sich vor sechs Jahren lange überlegt hat, ob er die Berufung annehmen soll. „Ich bin nicht mehr so viel für die Familie da, und die Familie muss mehr für unseren kleinen Betrieb da sein.“

So packen am Nischlhof alle mit an: die Eltern, die Frau, die Kinder. Martin (23) und Birgit (21) arbeiten auch noch an der Rezeption im Viersterne S-Hotel Lindenhof, bei Wolfis Cousin Joachim Nischler. „Ich bin froh, dass die zwei da auch mal die große Hotelwelt mitbekommen“, sagt Wolfi Gapp, dementiert aber heftig, dass er sie als Spione eingesetzt hat, um später aus dem Nischlhof ein De-luxe-Hotel zu machen. Aber wer weiß schon, was ihm für Gedanken durch den Kopf gehen, wenn er zwei Mal in der Woche allein mit sich und seinen Ideen nach Unterstell hochläuft. „Da bekomme ich den Kopf frei“, sagt der Feuerwehrpräsident.

Tennis (5)Das muss er auch. Denn ab und zu steht er doch noch mit Schützlingen von früher, die längst zu Freunden geworden sind und immer noch Urlaub im Lindenhof machen, auf dem Tennisplatz. Auch das ist nervenaufreibend. „Wenn Du den Ball anschaust, triffst Du ihn vielleicht noch besser“, sagt er in seiner freundlich-vorsichtig- motivierenden Art. Und der Rentner schaut. Und trifft mit dem Schläger. Sein Knie. Allerdings nur mit dem Rahmen.

 

Der Tennisplatz am Nischlhof kann über die Rezeption im Hotel Lindenhof gebucht werden. Sie finden den Kunstrasenplatz mit Quarzsand gleich am Hotel, nur ein paar Meter höher – über den Schlossweg, der links von der alten Linde zum Falkenstein führt. Die Aussicht ist traumhaft – und für Schnupperstunden können Sie Schläger leihen.

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