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24. Juli 2018

Wie viel Sport bekomme ich für mein Geld?

Die Rezeptionistin wollte einmal alles testen, was das Hotel den Gästen an Fitnesskursen pro Tag so anbietet. Mit einem deprimierenden Ergebnis. „Die spinnt”, sagt der Trainer Christian Pirpamer.

Als der Gast an der Rezeption fragte, welche Muskelgruppen eigentlich mit den Black Rolls bearbeitet werden, konnte Birgit Gapp nur mit den Schultern zucken. Black Rolls? Inzwischen weiß sie es. Sie musste es schmerzlich erfahren. „Da brennen die Beine von der Sohle bis zum Oberschenkel”, sagt sie, und im Gesicht ist zu lesen, dass sie die Qualen in der Nacht danach noch heute in bester schlechter Erinnerung hat.

Der Selbstversuch, den die 21-jährige junge Frau startete, ist zwar für den Fitnesstrainer Christian Pirpamer komplett idiotisch, aber nicht mal so untypisch in einem Urlauberhotel. „Viele Gäste kommen und glauben, sie müssten in dieser einen Woche in Sachen Sport alles nachholen, was sie im kompletten Jahr versäumt haben”, sagt er und schüttelt den Kopf über seine Kollegin, die rückwärts zum Stuhl steht, sich mit den Händen abstützt und Mühe hat, von unten nach oben zu kommen. „Na, los, nicht schlapp machen. Noch zwanzig Sekunden Und runter. Und hoch.”

Birgit Fitness (12)Birgit Gapp ist mit sechs Gästen schon morgens um neun im Fitnessraum des Hotels. Zirkeltraining heißt der Kurs. Zehn Übungen in einem Parcour, jeweils eine Minute – und weil es den anderen so viel Spaß macht: die ganze Runde an zehn Geräten noch zwei Mal. „Ich wollte schon nach der dritten Übung aufgeben”, sagt die Rezeptionistin, und ihr Trainer lächelt sie an. „Erst wenn du den Schmerz vergisst, stellt sich das Glücksgefühl im Kopf ein.”

Was stellt sich bei Birgit ein? Sie schüttelt den Kopf, sie kann nicht reden. In der Schule war sie in der Leichtathletik-AG, hat sogar als Hürdenläuferin bei den Bezirksmeisterschaften Medaillen gewonnen. Und sie ist ab und zu mit ihrem Vater den Sonnenberg hoch zur Bergstation Unterstell gejoggt, bis sie nach einem harten Abend in der Disco einmal auf halber Höhe schlapp gemacht hat. Seither läuft Wolfi Gapp allein. Von ihm hat sie als kleines Mädchen schon auf dem Platz am Nischlhof, der ihren Eltern gehört, Tennis spielen gelernt. Ab und zu, sagt sie, spiele sie noch. Ansonsten: no sport!

Bis heute.

„90 Prozent übertreiben, wenn sie wieder anfangen. Sie glauben: Turnschuhe an – und jetzt müssen sie fit werden”, sagt Christian Pirpamer, während Birgit nach „Rückenfit” und „bellicon” beim vierten Kurs angekommen ist: „Faszientraining” mit der Sportlehrerin Sigrid Mair. „Das musst Du schon spüren – in den Armen und den Beinen. Und gerade halten”, sagt sie, während Birgit alle Mühe hat, nicht von den Black Rolls zu rollen.

„Es hängt von ihrem Alltag ab, was sich Gäste im Urlaub sportlich zumuten sollten”, sagt Christian, der auch im Sport eine klare Devise vertritt: weniger ist mehr. „Der Körper unterscheidet nicht zwischen psychischem und körperlichem Stress. Wenn du zu viel von irgendetwas machst, gibst du ihm immer so eine Art Messerstiche.” Trotzdem empfiehlt der Fitnesstrainer, die eigenen Leistungsgrenzen stets auszuloten. „Du musst auch mal über die eigenen Grenzen gehen, nur das gibt dir neue Impulse.”

Birgit Fitness (36)Nach „Stretch & Relax” und den Liegestützen beim „Sixpack” hat Birgit Gapp genügend neue Impulse für heute. Zu viele, wie Christian Pirpamer glaubt. „Gäste würden wir bei solch einem Programm stoppen”, sagt er, weshalb auch keiner Angst haben muss, in einem Kurs überfordert zu werden. „Es ist Aufgabe des Trainers zu sehen, wer was aushalten kann. Bis auf das Zirkeltraining kann wirklich jeder in jedem Kurs mitmachen.” Das Lindenhof-Fitnessteam würde seine Kursteilnehmer fordern, aber nicht überfordern. „Man kann auch während der Übungen mal Pause machen”, sagt er und schaut grinsend die völlig erschöpfte Kollegin an. Für sie ist Feierabend. Ohne Pause.

Am nächsten Tag redet sie sogar wieder. Trotz Muskelkater. Hinten, vorne, oben, rechts und links. „Ich weiß jetzt, was Black Rolls sind”, sagt sie fast schon glücklich – und droht ihrem Vater an, wieder mit nach Unterstell hoch zu sprinten. Und ihrem Bruder Martin, auch Rezeptionist im Lindenhof, ein Tennismatch. „Irgendwann schlage ich ihn”, sagt sie.

Das Experiment scheint gelungen. Auch wenn der Sportlehrer sagt: „Die spinnt, die Birgit.”

 

Kurse im Genuss und Erlebnis Resort Lindenhof

Von Aquafitness über Bauch-Beine-Po, Faszientraining, Pilates, Nordic Walking, bellicon, Stretch and Relax bis zum Zirkeltraining und Sixpack bietet der Lindenhof vom frühen Morgen bis zum Abend alles an – alle Kurse sind mit qualifiziertem Trainerpersonal. Wer einen Personaltrainer will, kann ihn auch über die Rezeption buchen – am besten schon bei der Reservierung. Zur Entspannung stehen verschiedene Saunen mit zertifizierten Saunaexperten zur Verfügung. Auch Yoga mit der zertifizierten Lehrerin Monika kann gebucht werden. Sie hat eine Ausbildung in Vidya und Nidra.

 

DIE FITNESSTRAINER

CHRISTIAN PIRPAMER

Seit über zwölf Jahren begeistert er jetzt schon die Lindenhof-Gäste – in Sachen Fitness und Ernährung kennt sich der 31-Jährige bestens aus. Davon zeugen nicht nur diverse Akademie-Zertifikate. Christian ist auch als Personaltrainer buchbar. Und was seine Klienten besonders an ihm schätzen: auch nach dem Urlaub kümmert er sich um sie, gibt Pläne mit und telefoniert mit ihnen.

SIGRID MAIR

hat erst in diesem Jahr ihre Prüfung als Wellnesstrainerin abgelegt. Schon lange ist die Südtirolerin zertifizierte Aqua- und Fitnesstrainerin, Saunameisterin und Pilates Matwork-Trainerin. Im Lindenhof arbeitet sie seit der vergangenen Saison.

ARTHUR PIRCHER

ist ausgebildeter Wellnesstrainer und Saunameister. Seit 2014 arbeitet er im Lindenhof, seit vergangener Saison auch als Masseur. Trotzdem hat er seine Stelle als Sozialbetreuer im Hauspflegedienst nie aufgegeben. Beide Jobs machen ihm Spaß.

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