Mit Ver­gnü­gen zum Erfolg

  • Nischlhof Wolfi (8)

    Mit Ver­gnü­gen zum Erfolg

    SÜD­TI­ROLS FEU­ER­WEHR­PRÄ­SI­DENT

    Wol­fi Gapp ist heu­te Chef von 18.000 Frei­wil­li­gen, aber durch sei­ne Zeit als Ten­nis­trai­ner trifft er immer wie­der alte Bekann­te im Lin­den­hof. Ein Wie­der­se­hen auf dem Platz, 30 Jah­re danach.

    „Super. Genau so! Siehst Du. Du kannst es noch!“, ruft Wol­fi Gapp sei­nem Schütz­ling zu, wäh­rend der gel­be Ten­nis­ball durch einen ver­zwei­fel­ten Rah­men­tref­fer nicht mal den Weg übers Netz fin­det, son­dern auf der eige­nen Hälf­te hilf- aber klag­los ins Sei­ten­aus kul­lert. Han­nes, sein 12-jäh­ri­ger Sohn, schaut ihn ver­wun­dert an, doch was hät­te sein Vater auch sagen sol­len? Schließ­lich ist er für die­sen Schlag selbst ver­ant­wort­lich, hat er doch sei­nem heu­ti­gen Part­ner vor 30 Jah­ren Ten­nis bei­gebracht. „Das wird schon. Wenn Du wie­der mehr spielst“, sagt Wol­fi Gapp und beru­higt den ande­ren. Oder sich selbst?

    Frü­her war der Schütz­ling Mit­te 30 und der Trai­ner 22. Heu­te ist der Schütz­ling Rent­ner und der Trai­ner Feu­er­wehr­prä­si­dent. Der ers­te Mann bei den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren Süd­ti­rols. Chef von 18.000 Män­nern und Frau­en. Am Nisch­lhof, wo frü­her zwei Sand­plät­ze für die Tou­ris­ten nicht reich­ten, war­tet heu­te ein ein­sa­mer Kunst­ra­sen­platz mit Quarz­sand auf die Ten­nis­spie­ler aus den umlie­gen­den Hotels. Die Zei­ten haben sich geän­dert“, sagt der ehe­ma­li­ge Trai­ner. Und der heu­ti­ge Rent­ner nickt wohl­wis­send.

    Es war eine Zeit, in der sich die Fami­lie Gapp umori­en­tie­ren muss­te. Die Boris- Becker-Boom-Zeit war spä­tes­tens nach dem Bob­be­le-Besen­kam­mer-Gast­spiel zu Ende, es gab zu vie­le Ten­nis­plät­ze und zu weni­ge Ten­nis­in­ter­es­sier­te. Auch in Naturns. Die Gapps bau­ten Feri­en­woh­nun­gen neu und ihre Land­wirt­schaft aus. Und der Mann, der mit viel Herz­blut unta­len­tier­ten Urlau­bern nach der ame­ri­ka­ni­schen Metho­de Vor- und Rück­hand bei­gebracht hat, küm­mer­te sich plötz­lich um Obst­bäu­me, ver­kauf­te Äpfel und mach­te Wein. „Mit Ver­gnü­gen zum Erfolg“, war das Ten­nis- Mot­to der Amis, und auch der jun­ge Wol­fi Gapp steck­te sei­ne Schü­ler in kein ein­heit­li­ches Kor­sett. „Ich habe sie nicht auf irgend­ei­nen Bewe­gungs­ab­lauf getrimmt, son­dern ich habe ver­sucht, ihren Bewe­gungs­ab­lauf zu ver­bes­sern“, sagt er.

    Mit Ver­gnü­gen zum Erfolg ist sein Lebens­mot­to gewor­den. Lei­den­schaft und Ein­satz sind geblie­ben. Gapp, heu­te 54, hat mit Lei­den­schaft Ten­nis gespielt, Tur­nie­re schon als 16-Jäh­ri­ger gewon­nen. Er hat mit Ein­satz Obst­bäu­me gehegt und gepflegt und nachts Äpfel vor der Käl­te geret­tet. Jetzt ist er mit Ver­gnü­gen Feu­er­wehr­prä­si­dent von Süd­ti­rol, obwohl der Job nicht immer ver­gnü­gungs­steu­er­pflich­tig ist. Da geht es um Bud­gets mit der Poli­tik, um die Gleich­be­hand­lung von 300 Feu­er­weh­ren, um Neid, um Ärger, um Kata­stro­phen. Jeden Mor­gen ist er im Büro in Vil­pian, jedes Wochen­en­de bei irgend­wel­chen Ver­an­stal­tun­gen, man­che Nacht an den Brand­her­den in der Gegend. Und das alles ehren­amt­lich. „Ich habe sozia­les Enga­ge­ment in mei­ner Fami­lie vor­ge­lebt bekom­men“, sagt Gapp, und er sagt auch, dass er sich vor sechs Jah­ren lan­ge über­legt hat, ob er die Beru­fung anneh­men soll. „Ich bin nicht mehr so viel für die Fami­lie da, und die Fami­lie muss mehr für unse­ren klei­nen Betrieb da sein.“

    So packen am Nisch­lhof alle mit an: die Eltern, die Frau, die Kin­der. Mar­tin (23) und Bir­git (21) arbei­ten auch noch an der Rezep­ti­on im Vier­ster­ne S-Hotel Lin­den­hof, bei Wol­fis Cou­sin Joa­chim Nisch­ler. „Ich bin froh, dass die zwei da auch mal die gro­ße Hotel­welt mit­be­kom­men“, sagt Wol­fi Gapp, demen­tiert aber hef­tig, dass er sie als Spio­ne ein­ge­setzt hat, um spä­ter aus dem Nisch­lhof ein De-luxe-Hotel zu machen. Aber wer weiß schon, was ihm für Gedan­ken durch den Kopf gehen, wenn er zwei Mal in der Woche allein mit sich und sei­nen Ide­en nach Unter­stell hoch­läuft. „Da bekom­me ich den Kopf frei“, sagt der Feu­er­wehr­prä­si­dent.

    Tennis (5)Das muss er auch. Denn ab und zu steht er doch noch mit Schütz­lin­gen von frü­her, die längst zu Freun­den gewor­den sind und immer noch Urlaub im Lin­den­hof machen, auf dem Ten­nis­platz. Auch das ist ner­ven­auf­rei­bend. „Wenn Du den Ball anschaust, triffst Du ihn viel­leicht noch bes­ser“, sagt er in sei­ner freund­lich-vor­sich­tig- moti­vie­ren­den Art. Und der Rent­ner schaut. Und trifft mit dem Schlä­ger. Sein Knie. Aller­dings nur mit dem Rah­men.

     

    Der Ten­nis­platz am Nisch­lhof kann über die Rezep­ti­on im Hotel Lin­den­hof gebucht wer­den. Sie fin­den den Kunst­ra­sen­platz mit Quarz­sand gleich am Hotel, nur ein paar Meter höher – über den Schloss­weg, der links von der alten Lin­de zum Fal­ken­stein führt. Die Aus­sicht ist traum­haft – und für Schnup­per­stun­den kön­nen Sie Schlä­ger lei­hen.


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