DAS 24-STUN­DEN-HOTEL…

  • Jimboy

    DAS 24-STUN­DEN-HOTEL…

    Die Gäs­te wol­len Urlaub machen. Ihre Ruhe, einen freund­li­chen Ser­vice, ein per­fek­tes Essen, Well­ness- und Sport­mög­lich­kei­ten. Logisch. Und doch: es ist nicht so ein­fach, ihnen das 24 Stun­den am Tag in einem Hotel zu bie­ten. Wir zei­gen Ihnen, was das für die Mit­ar­bei­ter des Dol­ce­Vi­ta Resorts Lin­den­hof bedeu­tet.

    5.08 Uhr

    Klaus hört nur sei­nen Staub­sauger. Ansons­ten ist alles ruhig. In allen Gebäu­den. Viel­leicht schnarcht einer irgend­wo in einem der 75 Zim­mer, hier im Bar- und Restau­rant­be­reich ist nichts davon zu hören. „Um die­se Zeit stol­pert dir auf jeden Fall kei­ner über den Staub­sauger“, sagt der Haus­meis­ter. Der Naturn­ser hat die Früh­schicht, drei der ande­ren Haus­meis­ter begin­nen ihren Dienst eben­falls bis spä­tes­tens sie­ben Uhr. Die Bar muss auf­ge­füllt wer­den, die Schwimm­be­cken (sie­he Foto mit Michal) soll­ten abge­deckt, die Sau­nen inspi­ziert wer­den. Lie­ge­stüh­le und Muscheln gehö­ren an die rich­ti­gen Plät­ze auf der Lie­ge­wie­se Klausund den Ter­ras­sen. Spä­ter fal­len klei­ne­re Repa­ra­tur­ar­bei­ten an, die Zim­mer­mäd­chen brau­chen ab und an ihre Hil­fe, der Rasen muss gemäht, die Pflan­zen gepflegt wer­den. Auch den Kof­fer­ser­vice für die Gäs­te über­neh­men Car­let­to, Michal, Igor, Erwin und Klaus. „Mach dir kei­ne Gedan­ken. Wir haben genug zu tun“, sagt Car­let­to und schleppt um sechs die Cola-Kis­ten vom Lager in den zwei­ten Stock zur Bar. Bis 19.30 Uhr ist immer einer der fünf Her­ren im
    Hotel. „Und im Not­fall weiß der Chef lei­der zu jeder Stun­de, wo er uns fin­det“, sagt Michal.

    5.32 Uhr

    „Jetzt nicht. Mei­ne Kol­le­gin hat heu­te frei. Ich muss fer­tig wer­den bis zum Früh­stück.“ Wal­traud hat um die­se Zeit offen­sicht­lich Wich­ti­ge­res zu tun als Fra­gen zu beant­wor­ten. Die Mar­me­la­de muss an den rich­ti­gen Platz am Buf­fet, und wer glaubt, es sei alles Käse, der irrt. Jedes Stück hat eine zuge­ord­ne­te Stel­le, jeder Hfrühstückandgriff von Wal­traud und Niko­la ist auch zu die­ser Stun­de schon so pro­gram­miert wie viel­leicht das Zäh­ne­put­zen bei den
    Gäs­ten zwei, drei, vier, fünf Stun­den spä­ter. In der Küche berei­tet Miri­am mit dem Früh­stücks­koch all das vor, was von sie­ben Uhr an für Ome­lett und Rührei­er gebraucht wer­den. Auch die Wurst wird geschnit­ten. Es muss schnell gehen. Jetzt. Und vor allem spä­ter bei den Gäs­ten. Restau­rant­lei­ter Hel­mut schleppt kurz nach halb sechs die ers­ten fri­schen Bröt­chen in die Küche, Chef de Rang Fran­ces­co folgt wenig spä­ter mit dem Rest der Back­wa­ren. Wäh­rend Hel­mut qua­si zur Früh­gym­nas­tik schon an den Wein vom Abend denkt und bis zum Ser­vice­be­ginn um sie­ben Uhr in den Kel­ler ent­schwin­det, hilft Fran­ces­co am Buf­fet mit. „Du darfst ein­fach nicht
    dar­an den­ken, wie früh es jetzt ist“, sagt er.

    6.59 Uhr

    …. und es wer­de Licht – plötz­lich im gan­zen Hotel. Die ers­te Rezep­tio­nis­tin ist da. Katha­ri­na fährt den Com­pu­ter hoch, macht von ihrem gro­ßen Schalt­kas­ten hin­ter der The­ke die  diver­sen Lich­ter an im Hotel. „Lin­den­hof“ leuch­tet es jetzt über dem Ein­gang. 36 An- und Abrei­sen ste­hen dem sechs­köp­fi­gen Rezep­ti­ons­team unter der Lei­tung von Juni­or­che­fin
    Chia­ra Nisch­ler heu­te bevor. In die­sem Sin­ne: einen wun­der­schö­nen guten Mor­gen.

    8.02 Uhr

    Das Pro­blem ist, dass ver­mut­lich auch die Gäs­te irgend­wann mal erwa­chen. Das heißt für Chef­koch Andi und sein Team: Lage­be­spre­chung. Was ist vom heu­ti­gen Menü schon vor­be­rei­tet? Wer muss noch was machen? Was soll­te unbe­dingt am Abend frisch zube­rei­tet wer­den? Wer über­nimmt küchebesprechungwel­che Auf­ga­be? Was kann für den mor­gi­gen Tag vor­be­rei­tet wer­den? Ist für das Mit­tags­buf­fet alles ange­rich­tet? Wer kann den Früh­stücks­koch unter­stüt­zen? Von acht bis 12.30 Uhr, von 17 Uhr bis zum bit­te­ren Ende arbei­ten die Köchin­nen
    und Köche in ihren ver­schie­de­nen Gän­gen, auf­ge­teilt nach Suppe/Vorspeise, war­me Vor­spei­se, Haupt­spei­se, Des­sert. „Vor allem vor­mit­tags müs­sen wir den Plan für min­des­tens sie­ben Tage im Blick haben, um mit ent­spre­chen­den Vor­ar­bei­ten begin­nen zu kön­nen“, sagt Andi. Das gilt auch und beson­ders für Chef­pa­tis­sier Josef: Ein Des­sert­buf­fet schafft man nicht an einem Don­ners­tag – also er und sein Team schaf­fen es nicht, die Gäs­te schon…

    8.31 Uhr

    Pau­la zieht den Vor­hang zurück. Gera­de in der Beauty­ab­tei­lung ist hel­les Licht wich­tig – die Kun­den sol­len ja den Unter­schied vor­her­nach­her deut­lich sehen. Gleich wer­den die ers­ten Urlauber(innen) kom­men – zur Gesichts­be­hand­lung, zur Ganz­kör­per­pfle­ge, zur Mas­sa­ge, zur Ent­span­nung. In 13 neu­en Kabi­nen arbei­ten zehn ange­stell­te Kos­me­ti­ke­rin­nen und Phy­sio­the­ra­peu­tin­nen von 8.30 Uhr bis 19 Uhr. „Es kom­men auch immer mehr Män­ner“, sagt Pau­la und strahlt schon am frü­hen Mor­gen. Das Geschäft läuft gut. „Wer einen Wunsch­ter­min hat, soll­te ihn viel­leicht schon von zu Hau­se aus buchen.“

    9.04 Uhr

    „Und hoch das rech­te Bein“, ruft die diplo­mier­te Sport­leh­re­rin Sig­rid und macht es vor. Pri­mi­tiv. Das kann doch jeder. Oben am Becken­rand. Aber ihr Kli­en­tel ist im Schwimm­be­cken bei der Was­ser­gym­nas­tik. Und da musst du das rech­te Bein erst mal hoch­krie­gen. „Immer mehr Urlau­ber begrei­fen, wie gut das am Mor­gen schon tut“, sagt Sig­rid. Aller­dings: wer sich im Lin­den­hof bewe­gen will, darf auch spätsigridacquagymer auf­ste­hen. Jeden Tag bie­tet das Fit­ness­team von mor­gens bis abends Kur­se an – von Six­pack über Fas­zi­en­trai­ning bis zum bellicon®-Springen. Auch spe­zi­el­le Gesund­heits- und Fit­ness­wo­chen sind 2019 wie­der aus­ge­schrie­ben.

    10.32 Uhr

    Gou­ver­nan­te Anja hat frei (ja, auch das gibt es im Lin­den­hof ein­mal in der Sie­ben-Tage-Woche für die Mit­ar­bei­ter…) – und so prüft ihre Stell­ver­tre­te­rin Ade­le heu­te, ob die Zim­mer beim Gäs­te-Wech­sel auch wirk­lich top vor­be­rei­tet sind. War­um sie dabei aus­ge­rech­net in der Sui­te anfängt, für die ein Maadelenn zustän­dig ist? Sicher Zufall, bestimmt kein Vor­ur­teil (kann ja auch nicht sein, weil ihr Mann Lucky auch als Room­boy im Lin­den­hof arbei­tet). Und tat­säch­lich: Ade­le nickt Jim­boy zu: Bad super, Bet­ten per­fekt, gut gelüf­tet und geputzt. Sie stellt noch den Sta­pel mit der Hotel­zei­tung gera­de, plat­ziert den Will­kom­mens­brief und zieht ins nächs­te Zim­mer. Seit 6.30 Uhr ist ihr Team bei der Arbeit, erst wer­den die öffent­li­chen Berei­che gerei­nigt, spä­ter wer­den die Zim­mer geputzt, nach­mit­tags haben alle in der Wasch­kü­che zu tun. Und wenn die ers­ten um 15.30 Uhr Fei­er­abend machen, kommt der Spät­dienst. Es gibt so viel zu put­zen…

    12.27 Uhr

    … und es gibt so viel zu essen. Nicht nur die Gäs­te wer­den kuli­na­risch ver­wöhnt, auch die 80 Mit­ar­bei­ter wer­den von der Gour­met­kü­che bekocht. Alle kön­nen hier früh­stü­cken, Mit­tag­essen und auch Abend­essen. „Da kannst du wirk­lich nicht meckern“, sagt Lea vom Ser­vice, deren Schicht an der Bar erst am Nach­mit­tag beginnt, die aber trotz­dem schon mit­tags ger­ne zum Essen vor­bei­schaut.

    14.35 Uhr

    Wer beschäf­tigt hier wen? In Lin­dis- Club sit­zen Nele, Eli­sa­beth, Fio­na und Emma (von links) mit der Ani­ma­teu­rin Sybil­le am klei­nen Kin­der­tisch und schla­gen immer wie­der neueLindisclub
    Spie­le vor. Das Pro­blem für Sybil­le: jede will was ande­res spie­len. „Es ist gut, dass wir fast alles hier haben“, sagt die gelern­te Päd­ago­gin, die in den Feri­en die Betreu­ung nicht mehr allei­ne schafft und Unter­stüt­zung bekommt. Von mor­gens neun bis abends neun bie­tet der Lin­den­hof in die­ser schul­frei­en Zeit Kin­der­ani­ma­ti­on an – bis zum Kin­der­buf­fet am Abend mit dem abso­lu­ten Ren­ner: Schnit­zel mit Pom­mes. Fin­ger weg – das ist für Kin­der!

    18.48 Uhr

    Hel­mut läuft im Kreis. Der Restau­rant­lei­ter teilt sei­ne Mit­ar­bei­ter ein (wer arbei­tet in wel­chem Spei­se­saal) und klärt auf: „Eservicebesprechungs ist kein nor­ma­les Span­fer­kel. Es ist ein Span­fer­kel­rü­cken
    und ein Sous Vide gegar­ter Bauch“, sagt er, „und falls jemand fragt: Sous Vide bedeu­tet im Was­ser­bad unter Vaku­um gegart.“ Das Ser­vice­per­so­nal soll­te auf alle Fra­gen eine Ant­wort haben, des­halb erklärt er auch, war­um er auf der Spei­se­kar­te wel­che Wei­ne als Emp­feh­lung zum Menü gege­ben hat. „Alles klar?“ Alles klar. Hof­fent­lich. In ein paar Minu­ten kann es los­ge­hen – die letz­te Schlacht vor dem Fei­er­abend gegen 23 Uhr. Die meis­ten der 19 Ser­vice-Ange­stell­ten waren schon beim Früh­stück ein­ge­teilt, je nach Schicht­plan haben sie am Nach­mit­tag ein paar Stun­den Frei­zeit. Man­che dür­fen spät­abends noch den Tisch für das Früh­stück decken. Da müs­sen sie dann aber nicht mehr lächeln.

    19.02 Uhr

    Die Nisch­lers tref­fen sich tat­säch­lich ein­mal am Tag – um 19 Uhr im Spei­se­saal. Joa­chim kommt aus dem Büro, das er mor­gens um 6.30 Uhr öff­net, Chia­ra von der Rezep­ti­on, die sie
    lei­tet, Doris, die Frau des Seni­or­chefs hat im Sou­ve­nir­shop vor­her noch ein paar Wind­ja­cken für Rad­fah­rer ver­kauft, und Lorel­la war mit dem Instal­la­teur im Haus unter­wegs. Jetzt begrü­ßen sie die Gäs­te, beglei­ten sie am ers­ten Abend zu ihren Tischen, erklä­ren ihnen die Menüfol­ge und hel­fen alle im Ser­vice mit. „Schmut­zi­ge Tel­ler muss jeder abräu­men, auch
    der Chef“, sagt Joa­chim und ent­schwin­det gut gelaunt mit einem Sta­pel in Rich­tung Abspül­raum.

    22.31 Uhr

    Kommt noch einer? Lisa schaut vor­sich­tig Rich­tung Trep­pe, bevor sie die Türe zu den Rezep­ti­ons­bü­ro­räu­men abschließt. Ein letz­ter Blick auf die To-do-Lis­te, die von Schicht zu Schicht wei­ter­ge­reicht wird. Jetzt, um 22.30 Uhr, muss alles abge­hakt sein. Oder es gibt Über­stun­den. Auch die Mails soll­ten beant­wor­tet sein, ein Gast darf nicht war­ten müs­sen. Das gilt für Buchungs­be­stä­ti­gun­gen, für Ange­bo­te, manch­mal auch für Beschwer­den. Das ist vor allem dann schwie­rig, wenn der Spät­dienst im LisaFront-Office voll beschäf­tigt ist, weil die neu­en Gäs­te im Haus sich nach dem Abend­essen ger­ne mit der Pla­nung des nächs­ten Tages beschäf­ti­gen und vie­le Fra­gen haben. Und um 22.40 Uhr immer noch einer wis­sen will, wann mor­gen der Bus nach Meran fährt. Und ob es um 14 Uhr reg­nen wird.

    0.53 Uhr

    Der Letz­te macht das Licht aus. Bar­mann Ste­fan hat, sagen wir mal so, fle­xi­ble Arbeits­zei­ten. Jeden­falls am spä­ten Abend. „Manch­mal haben wir Gäs­te, die gehen schon um zehn schla­fen, oft aber mixe ich nach Mit­ter­nacht noch Drinks“, sagt er. Er freue sich aber über jeden, der län­ger bleibt. „Ich unter­hal­te mich ger­ne, erfah­re viel und ler­ne von den Gäs­ten immer irgend­was dazu.“ Michae­la macht den Tages­dienst an der Bar, von acht bis 18 Uhr, Ste­fan kommt um 15.30 Uhr und wird abends von Lea unter­stützt. Oft hel­fen auch noch ande­re aus dem Ser­vice­team aus, wenn zum Bei­spiel im Som­mer nach dem Abend­essen auch jeder Stuhl auf der Ter­ras­se besetzt ist. Heu­te hat sich der letz­te Gast nach ein paar Wod­ka-Lemon um 0.40 Uhr ver­ab­schie­det. Oder hat er es unter dem Ein­fluss der Kalt­ge­trän­ke sogar ver­ges­sen? Noch schnell auf­räu­men, ein­mal durch­keh­ren – und ab zur letz­ten
    Run­de: Ste­fan mar­schiert durchs Hotel, kon­trol­liert, ob alles ver­schlos­sen ist und macht die letz­ten Lich­ter aus. Er geht schla­fen. Und tat­säch­lich pas­siert vier Stun­den im Dol­ce­Vi­ta Resort – nichts. Hof­fent­lich. Sonst wür­de zu Hau­se bei Joa­chim das Tele­fon klin­geln. Genau in der Zeit, in der er mal schläft. Von ein Uhr bis mor­gens um fünf. Behaup­tet er.

     


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