Ein Klet­ter­steig, der es in sich hat

  • Klettersteig Naturns

    Ein Klet­ter­steig, der es in sich hat

    „Oha, ganz schön hoch…“

    Lin­den­hof-Gäs­te tes­ten den „Hoach­wool“, einen der schwie­rigs­ten Anstie­ge in ganz Süd­ti­rol

    Gip­fel errei­chen, die für den nor­ma­len Wan­de­rer uner­reich­bar blei­ben, Wän­de durch­stei­gen, die man sonst nur von unten bewun­dern kann – Klet­ter­stei­ge sind ein fas­zi­nie­ren­des Erleb­nis und voll im Trend. In Süd­ti­rol gibt es ins­ge­samt 202 Klet­ter­steig-Rou­ten. Die bekann­tes­ten sind jene in den Dolo­mi­ten.

    Seit 2015 gibt es auch in Naturns einen: den Klet­ter­steig „Hoach­wool“. Die­ser gehört  zu den schwie­rigs­ten Anstie­gen in ganz Süd­ti­rol und sei­ne tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten sind mit denen des „Taba­ret­ta“ am Ort­ler ver­gleich­bar. 

    Erna und Otto Bäum­chen, zu Gast im Dol­ce­Vi­ta Resort Lin­den­hof, wel­ches sich sozu­sa­gen am Fuße des End­punk­tes vom „Hoach­wool“, nahe der Seil­bahn Unter­stell befin­det, wol­len es wagen. Bei­de sind erfah­re­ne Wan­de­rer, haben bereits drei Klet­ter­stei­ge gemacht und sind über den Rou­ten­ver­lauf infor­miert.

    Aus­gangs­punkt ist der Park­platz des Vinsch­ger Bau­ern­la­dens am Ein­gang ins Schnal­s­tal. Dem Bach­ufer tal­ein­wärts fol­gend, vor­bei am Klet­ter­gar­ten Juval, erreicht man die gran­dio­se Seil­brü­cke über den Schnals­bach. Wobei es nicht wirk­lich eine ‚Brü­cke‘ ist – es sind ein Seil in der Mit­te für die Füße und je eines rechts und links zum Hal­ten. „Oha, ganz schön hoch!“ sagt Erna mit einem mul­mi­gen Gefühl im Bauch und blickt in die Tie­fe hin­un­ter zum tosen­den Schnals­bach. Ihr Mann bestärkt sie: „Kon­zen­trier’ dich nur auf das Seil und schau ein­fach nicht nach unten!“

    Klettersteig Naturns

    Die ‚Kahndln‘

    Am ande­ren Ende ange­kom­men, führt der „Ver­bo­te­ne Steig“ das Paar wei­ter empor in Rich­tung des ehe­ma­li­gen 10 km lan­gen Naturn­ser Schnals­waa­les. Bereits im Jah­re 1833 wur­den die alten ‚Kahndln‘, das sind aus Lär­chen­bret­tern gezim­mer­te Was­ser­rin­nen, als Was­ser­lei­tung gelegt. „Wahn­sinn, wel­cher Gefahr die Bau­ern hier damals aus­ge­setzt waren! Die waren bestimmt nicht mit Klet­ter­aus­rüs­tung unter­wegs…“ staunt das Ehe­paar und blickt ungläu­big auf die ver­keil­ten Eisen­trä­ger in der senk­rech­ten Fels­wand. Heu­te erleich­tern Stahl­sei­le, Tritt­hil­fen und Fels­an­ker den Klet­te­rern den Weg zum Ziel. 

    Spä­tes­tens jetzt ist ihnen klar: Schwin­del­frei­heit und Tritt­si­cher­heit sind in die­sem Klet­ter­steig Grund­vor­aus­set­zung! Und den bei­den ist auch klar: der Auf­stieg wird nicht ein­fa­cher – im Gegen­teil! Sie bli­cken hin­auf und sehen einen wei­te­ren senk­rech­ten Fels, den es zu erklim­men gilt. Anders als bis­her gibt es nun nur mehr weni­ge künst­li­che Tritt­hil­fen. „Wir müs­sen nach natür­li­chen Grif­fen oder Trit­ten grei­fen, sonst klappt das nicht,“ erklärt Otto sei­ner Frau, die mühe­voll den Weg nach oben sucht. „Und ach­te auf dei­ne Tech­nik! Immer Arme und Bei­ne benut­zen, sonst ver­lässt dich dei­ne Kraft zu früh…,“ rät er ihr noch dazu.

    Den „Hoach­wool“ sol­len nur jene in Angriff neh­men, die min­des­tens 5 Klimm­zü­ge ohne gro­ße Anstren­gung schaf­fen, rät die Berg­ret­tung. Jähr­lich müs­sen zahl­rei­che Leu­te mit dem Hub­schrau­ber geholt wer­den.

    Der Rast­platz „Sat­te­le“ ist erreicht – Zeit für eine Ver­schnauf­pau­se. Hier genießt man atem­be­rau­ben­de Aus­bli­cke aufs Tal und auf Schloss Juval, sieht rund­her­um impo­san­te Fel­sen und die ein­zig­ar­ti­ge Land­schaft des Naturn­ser Son­nen­ber­ges. 

    Im nächs­ten eben­falls schwie­ri­gen Abschnitt führt das Siche­rungs­seil über Plat­ten, Ver­schnei­dun­gen und Kan­ten bis zu einem Pfei­ler­kopf. Ab die­sem Punkt wird der Klet­ter­steig deut­lich leich­ter und erreicht den Aus­stieg auf der Höf­ler Wei­de. Nun kön­nen die Klet­te­rer ent­we­der die 20 Minu­ten bis zur Tal­sta­ti­on der Seil­bahn Unter­stell lau­fen, oder den direk­ten Abstieg über den Weg Nr. 10 wäh­len. Letz­te­rer führt ohne Umwe­ge zurück zum Dol­ce­Vi­ta Resort Lin­den­hof, wo die wohl­ver­dien­te Nach­mit­tags­jau­se war­tet.

    Wenig spä­ter am Nach­mit­tags­buf­fet hilft Otto Bäum­chen sei­ner Gat­tin beim Schöp­fen und Tel­l­er­tra­gen. „Ich kann zwar mei­ne Fin­ger kaum noch spü­ren vom vie­len Grei­fen, und mei­ne Arme füh­len sich an wie Pud­ding, aber es ist ein unbe­schreib­li­ches Gefühl, die­sen Klet­ter­steig geschafft zu haben,“ erzählt Erna Bäum­chen spä­ter am Buf­fet Baris­tin Michae­la, die sie besorgt fragt, ob sie sich ver­letzt habe.

    „Die­se Tour ist abso­lut emp­feh­lens­wert – beein­dru­ckend, abwechs­lungs­reich und anspruchs­voll zugleich!“ ist sich das Ehe­paar einig. 

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    Tipp für Klet­ter­steig-Neu­lin­ge und Fami­li­en:

    Klettersteig Naturns

    Am Klet­ter­steig „Knott“

    Klettersteig Naturns

    Rou­ten am „Knott“

    Der Übungs- und Fami­li­en­klet­ter­steig „Knott“ unter­halb der Aus­sichts­platt­form Unter­stell. Dort gibt es vier Rou­ten, zwei stei­le Lei­tern, eine Seil­brü­cke und ein kur­zes, ein­fa­ches Ver­bin­dungs­stück zwi­schen zwei ver­schie­de­nen Rou­ten, um einen schwe­ren Quer­gang zu umge­hen.

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    Übungs­tipp spe­zi­ell für Lin­den­hof-Gäs­te:

    Die neue, 15m hohe Klet­ter­wand des Dol­ce­Vi­ta Resort Lin­den­hof eig­net sich pri­ma zum Üben fürs Gelän­de. 1. Hier kann man die Griff­kraft ver­bes­sern
    2. Hier kann man die Tech­nik üben – man soll nicht zu viel mit den Armen arbei­ten, son­dern auch die Bein­ar­beit ist sehr wich­tig. Dadurch hat man  län­ger Kraft in den Armen.
    3. An die Höhe kann man sich gewöh­nen – vor­aus­ge­setzt man hat nicht rich­ti­ge Höhen­angst. Durch das Üben an der Klet­ter­wand bekommt man ein bes­se­res Gefühl für Höhe bzw. Tie­fe und man kann somit auch im Gelän­de bes­ser damit umge­hen.


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