Unse­re Weih­nachts­ge­schich­te von Hel­mut – Hei­lig­abend im Mar­tell­tal

  • Winterstimmung in den Tiroler Alpen (piqs.de ID: daaf412234b75a7d4de98ff2e918f0c2)

    Unse­re Weih­nachts­ge­schich­te von Hel­mut – Hei­lig­abend im Mar­tell­tal

    Erin­nern Sie sich zu Hau­se auch ger­ne an frü­he­re Weih­nach­ten? Für einen von unse­ren Mit­ar­bei­tern jeden­falls war das in sei­ner Jugend ein ganz ande­res Fest als es die Kin­der heut­zu­ta­ge gewohnt sind. Hel­mut Stie­ger, 52 Jah­re alt und Restau­rant­lei­ter bei uns im Lin­den­hof, erzählt uns sei­ne Weih­nachts­ge­schich­te.

    Das ganz beson­de­re Geschenk

    Wir waren neun Kin­der, oben auf dem Pühlahof im Mar­tell­tal, damals ziem­lich außer­halb der Zivi­li­sa­ti­on. Eine Stra­ße oder einen Weg ins Dorf gab es nicht – und so stapf­ten wir auch nur an Schul­ta­gen die 300 Höhen­me­ter hin­un­ter ins Mar­tell Dorf. Und nach­her wie­der hin­auf. Schließ­lich muss­ten wir gleich nach den Haus­ar­bei­ten in den Stall, um die Kühe zu ver­sor­gen. Nur so ein paar Wochen vor Weih­nach­ten nah­men wir uns die Zeit, auch mal mit leuch­ten­den Augen in die Schau­fens­ter der Läden zu schau­en – und ich ent­deck­te Ski­schu­he aus Plas­tik.

     „Die wünsch ich mir zu Weih­nach­ten“, sag­te ich als acht-jäh­ri­ger Knirps zu mei­ner Mut­ter und schlepp­te sie mit vor das Schuh­ge­schäft.

    „21.000 Lire? Das kann sich das Christ­kind nicht leis­ten“, sag­te mei­ne Mut­ter, für die umge­rech­net 21 Mark viel Geld bei neun Kin­dern waren – doch weil ich nicht nach­gab, erklär­te sie mir, ich hät­te ja noch ein biss­chen Zeit und könn­te mir bei ande­ren Bau­ern in der Gegend noch was dazu ver­die­nen. Obwohl ich schon bei uns zu Hau­se ziem­lich ein­ge­spannt war, wan­der­te ich von Hof zu Hof, um noch ein paar Lire zu ver­die­nen. Kurz vor Hei­lig­abend gab ich mei­ner Mut­ter 16.000 Lire – und ich weiß noch, wie sie – stolz auf mich – lächel­te und sag­te: Mal sehen, ob das Christ­kind die rest­li­chen 5.000 Lire drauf­le­gen kann.
    Es waren viel­leicht die auf­re­gends­ten Weih­nach­ten für mich. Weil ich hoff­te, bete­te und bet­tel­te. Wür­de mir das Christ­kind mei­ne ers­ten Ski­schu­he brin­gen, obwohl ich nur 16.000 Lire hat­te?

    Hat das Christ­kind fünf Mark?

    Ich weiß noch, wie ich mit mei­nem Vater – wie jedes Jahr am Hei­lig­abend – mor­gens durch den hohen Schnee im Wald gestapft war, um den schöns­ten Christ­baum aus­zu­su­chen. Nur: ich hat­te die­ses Mal kei­nen Blick für die Bäu­me, ich war in Gedan­ken nur bei den Ski­schu­hen aus Plas­tik. Mein Vater such­te ihn schließ­lich selbst aus, säg­te ihn ab, und wir schlepp­ten ihn zurück auf den Hof.
    Wie jedes Jahr.
    Mei­ne Mut­ter schmück­te ihn, natür­lich klas­sisch. Mit Stroh­ster­nen, Lamet­ta, Kugeln, Ker­zen und Feu­er­sprit­zern. Mei­ne Geschwis­ter hat­ten wie immer eine Freu­de dar­an, nur ich konn­te, viel schlim­mer als sonst, die Besche­rung nicht erwar­ten.
    Ich erin­ne­re mich, dass an jedem Hei­lig­abend um 19 Uhr das Glöck­lein läu­te­te – und erst dann durf­ten wir in die Stu­be. Und ich erin­ne­re mich, dass ich – wahr­schein­lich an die­sen Weih­nach­ten zum ers­ten und ein­zi­gen Mal – der Ers­te in der Stu­be war.
    Ski­schu­he aus Plas­tik, die rund 21 Mark kos­te­ten und für die ich selbst 16 Mark bei­ge­steu­ert hat­te, waren für mich das schöns­te Geschenk, das ich je an Weih­nach­ten bekom­men habe. Jeden­falls ist es das Geschenk, an das ich mich heu­te noch erin­ne­re. Und ich bin sicher, wenn das heu­te Kin­der lesen, die viel­leicht belei­digt sind, wenn sie statt des ipho­ne 6S nur das ipho­ne 6 bekom­men, erklä­ren sie den alten Mann für ein biss­chen durch­ge­knallt.

    DSC_1237Krapfn mit Keschtn-Fül­le

    Ich möch­te die Zeit trotz­dem nicht mis­sen. Die ganz klei­nen Geschen­ke, die Nudel­sup­pe mit haus­ge­räu­cher­ter Wurst und danach die haus­ge­mach­te Krap­fen mit Keschtn-Fül­le und Mohn. Die Spie­le unterm Tan­nen­baum, ganz ohne elek­tri­sche oder digi­ta­le Hil­fe, und den Tee mit den Kek­sen, die es vor dem Bett­ge­hen noch gab. Wir waren glück­lich, auch wenn wir nur Geschen­ke für fünf Euro unterm Tan­nen­baum hat­ten, und auch, obwohl wir am ande­ren Tag wie­der ganz nor­mal im Stall mit­hel­fen muss­ten.
    Ich habe damals an die­sem besag­ten ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag natür­lich mit Ski­schu­hen das Vieh gefüt­tert. Und wenn ich ehr­lich bin, muss ich zuge­ben, dass ich mei­ne ers­ten Ski­schu­he über Weih­nach­ten nicht mal im Bett aus­ge­zo­gen habe. Hof­fent­lich lesen das jetzt mei­ne Kin­der nicht.

    Ich wün­sche Ihnen schö­ne Weih­nach­ten – und den­ken Sie dar­an: auch klei­ne Din­ge kön­nen Freu­de berei­ten. Manch­mal mehr als die ganz teu­ren. Ich bin über­zeugt, dass das auch 2016 noch gilt.

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4 Comments

  • Vie­len Dank für Ihre Weih­nachts­ge­schich­te. Hat mich gerührt, weil man sei­ne eige­ne Kind­heit vor Augen hat und weil Ihre Gefüh­le rüber­kom­men. Bit­te schrei­ben Sie wei­ter. Schö­ne Fei­er­ta­ge bis Ostern.

  • Sehr schö­ne Geschich­te, ich kann mich gut in die­se Weih­nachts­si­tua­ti­on hin­ein ver­set­zen. So war es frü­her, ehr­li­cher und ein­fa­cher. War­um ist es heu­te anders, es liegt an der Zeit und viel­leicht sind wir Erwach­se­nen auch nicht ganz unschul­dig an der Kon­sum­welt die wir unse­ren Kin­dern zei­gen, geben und ermög­li­chen……
    Wir wün­schen fro­he Weih­nach­ten und freu­en uns schon auf unser Wie­der­se­hen im April

  • Lie­be Fami­lie Nisch­ler, lie­ber Hel­mut,

    dan­ke für die­se wun­der­ba­re Geschich­te zur Weih­nachts­zeit.
    Ich war wirk­lich gerührt, in Erin­ne­rung auch an mei­ne Kind­heit, in der es noch nicht alles im Über­schwang gab.

    Ich wün­sche Ihnen ein geseg­ne­tes Weih­nachts­fest und ein glück­li­ches und gesun­des neu­es Jahr.

    Vie­le Grü­ße

  • Lie­ber Hel­mut
    Was für eine wun­der­ba­re und besinn­li­che Weih­nachts­ge­schich­te in Zei­ten einer Kon­sum- und Weg­werf­ge­sell­schaft! Es wider­spie­gelt die Wert­schät­zung eines Geschen­kes, an das man als Kind – auch unter gros­sen Ent­beh­run­gen – noch etwas bei­tra­gen muss­te und an das man sich heu­te auch nach vie­len Jah­ren noch genau erin­nert. Fro­he Fest­ta­ge an Sie und Ihre Fami­lie, sowie an die Fami­li­en Nisch­ler sen. und jun. Auf Wie­der­se­hen im Lin­den­hof 2016!

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