Kulinarik
19. Juni 2018

Entscheidend ist die Leidenschaft

Herzlichkeit und Höflichkeit im Hotel Lindenhof beeindrucken die Unternehmer aus der Schweiz – und: „Wir haben vieles von der Familie Nischler im Umgang mit unseren Mitarbeitern gelernt“, sagt Friseurmeisterin Theres.

Theres Dätwyler wird die glücklichen Gesichter ihrer Angestellten so schnell nicht vergessen. Mit ihren weißen Bademänteln waren die jungen Frauen schnell mal an die Rezeption im Viersterne S-Hotel Lindenhof geeilt, um sich bei ihren Chefs für den Kurzurlaub im Paradies zu bedanken. „Sie haben vielleicht zum ersten Mal selbst erlebt, was es heißt, verwöhnt zu werden“, sagt Theres Dätwyler, die einst zusammen mit ihrem Mann die Idee für den Betriebsausflug nach Naturns hatte. „Hier konnten wir am besten die Herzlichkeit und Leidenschaft zeigen, die wir von unseren Mitarbeitern auch in unserem Friseursalon erwarten.“

Es scheint geklappt zu haben. Inzwischen führen Theres und Kurt Dätwyler drei Friseurgeschäfte – in Glarus, in Mitlödi und in Horgen. „Wir haben die gleiche Philosophie wie die Familie Nischler“, sagt Kurt Dätwyler, und Theres gesteht, dass sie sich auch viel vom Hotel Lindenhof abgeschaut haben. „Wir arbeiten beide im Dienstleistungsgewerbe, und hier zählt nun mal die Leidenschaft, mit der Mitarbeiter bereit sind, Kunden zu verwöhnen“, sagt Kurt. Das Fachwissen mache vielleicht 50 Prozent aus, denn dass ein Friseur Haare schneiden kann, setze man nun mal voraus. „Entscheidend für den Erfolg ist die Freundlichkeit, die Höflichkeit und die Ausstrahlung der Mitarbeiterinnen“, sagt Theres.

So gibt es beim Intercoiffure Dätwyler vieles, was auch den Gästen vom Lindenhof bekannt vorkommen dürfte: Mitarbeiter werden auf eine einheitliche Philosophie im Umgang mit der Kundschaft geschult („Dienen kommt vor verdienen“), eine eigene Kundenzeitung bietet Hintergründe aus dem Unternehmen („Wie die Suite“), es gibt Vorträge aus allen Bereichen für Angestellte, damit sie ihren Horizont erweitern können – und die Familie Dätwyler lebt ihre Lehren vor. „Nur wer selbst zufrieden ist, kann andere glücklich machen.“ Davon ist Theres Dätwyler genauso überzeugt wie Joachim Nischler.

Dabei war es ein Zufall, dass die Dätwylers vor 38 Jahren ihr „Lieblingshotel“ gefunden haben. Theres’ Vater Heinrich Gnos, Betriebsleiter beim Textilunternehmen von Fredy A. Legler in Diesbach, kam von einer Geschäftsreise aus Bergamo zurück – und steckte im Stau. Er beschloss, in Naturns zu übernachten – und landete im Lindenhof. „Damals gab es von Werner Nischler gleich Speck und Wein – und ich habe gedacht: diese Gastfreundschaft gefällt mir“, erzählt der heute 80-Jährige. Eine Gastfreundschaft, die der ganzen Familie gefällt – bis heute.

Mehrmals im Jahr fahren die Dätwylers die 250 Kilometer von Glarus nach Naturns, manchmal auch nur für ein paar Tage. „Wenn ich hier unten durch die Türe gehe und vor der Rezeption stehe, beginnen für mich die Ferien. Hier kann ich sofort abschalten“, sagt Kurt Dätwyler. Inzwischen sind auch Freunde und Bekannte vom Lindenhof-Bazillus befallen. „Irgendwann habe ich auch hier keine Ruhe mehr“, sagt Kurt Dätwyler lachend, der trotzdem überzeugt ist, dass sich die Familientradition fortsetzen wird: Seine Nichten Danja und Tabea sind inzwischen auch schon fast 17 Jahre lang Stammgäste im Lindenhof und werden es wohl bleiben. „Als wir in ihren Kindheitstagen einmal auf ein anderes Hotel in Naturns ausweichen mussten, sagten sie empört: Das ist jetzt aber nicht das richtige Südtirol.“

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