Lifestyle
26. August 2019

Der schönste Platz ist immer an der Theke…

Warum die 25-jährige junge Frau aus Latsch von der Bar an die Rezeption wechselte und sagt: „So ein harmonisches Arbeitsumfeld wie im Lindenhof findet man selten.“

IMG_2421Wenn Katharina Fritz im DolceVita Resort Lindenhof in Naturns Feierabend macht, hat sie 18 Kilometer vor sich und rund 20 Minuten Zeit. „Bei der Heimfahrt nach Latsch gehe ich in Gedanken den ganzen Tag noch mal durch. Habe ich einem Gast was versprochen, was ich nicht erledigt habe? Hätte ich meine Kollegin noch über irgendwas informieren müssen? Ist wirklich die gesamte To-do-Liste abgehakt?“ Manchmal, sagt sie, ist sie froh, wenn auf der Stilfserjoch-Straße SS38 eine rote Ampel kommt – und sie noch etwas länger überlegen kann. Sonst könne sie auch zu Hause nicht abschalten.

Katharina Fritz ist neu an der Rezeption im Lindenhof. Und obwohl sie in der Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran Hotelkauffrau gelernt hat, merkt sie erst jetzt, wie vielfältig Gästewünsche sind und wofür eine Rezeptionistin angeblich zuständig ist. Gerade in einem anspruchsvollen Viersterne S-Hotel. Da muss die junge Frau hinter der Theke auch dann freundlich bleiben, wenn sie die Beschwerde eines Gastes eigentlich nicht verstehen kann. „99 Prozent loben das Ambiente, das Essen, den Service – und dann kommt einer und sagt, hier schmecke das Essen überhaupt nicht und im Restaurant müsse man zu lange warten.“

Es ist auch an der Rezeption eines Erlebnis und Genusshotels von Vorteil, dass die 25-Jährige in ihrem jungen Leben „Menschenkenntnis“ studiert hat. An der Front. In einer Bar. Zusammen mit ihrer fünf Jahre älteren Schwester führte Katharina Fritz die Bahnhofsbar in Latsch. „Da lernst du die Leute kennen“, sagt sie. Die einen schütten den Alkohol in sich hinein, die anderen ihr Herz aus. Und viele Männer glauben, mit dem kostenpflichtigen Erwerb eines alkoholischen Kaltgetränks auch die Telefonnummern der Schwestern erworben zu haben. „Wir haben gelernt, mit Anmache und mit Betrunkenen umzugehen. Aber wir haben auch viele interessante Menschen kennengelernt. Und viele Reaktionen von Gästen versteht man mit der Zeit besser.“ Trotzdem war im Januar 2018 Schluss. Die Schwester ging studieren nach Mailand, und Katharina hat sich geschworen: „Nie wieder Gastronomie.“

Nun ist die Theke an einer Rezeption grundsätzlich eine andere als die an einer Bar, weshalb Katharina Fritz doch wieder zurück in ihr erlerntes Metier ging – nach einem kurzen Abstecher in einem SteuKatharina x2 cerbüro mit normalen Arbeitszeiten. Acht Stunden am Tag, Freitagnachmittag, Samstag und Sonntag frei. „So gesehen war das ein schönes Leben. Und trotzdem hat mir was gefehlt“, sagt die Frau aus Latsch. Menschen nämlich. Vielleicht auch ein bisschen die Vielfältigkeit, die der Umgang mit Gästen immer mit sich bringt. „In einem Hotel kannst du den Menschen auch viel unvoreingenommener gegenübertreten. In unserer Bahnhofsbar kannten wir doch irgendwann alle in- und auswendig.“ Jetzt jedenfalls freut sie sich wieder auf Gäste, zumal sie überzeugt ist, das beste Hotel in der Gegend gefunden zu haben. „So ein harmonisches Miteinander wie im Lindenhof findet man selten. Hier habe ich von Anfang an gemerkt, dass eine Familie den Takt vorgibt, die ihre Mitarbeiter nicht wie Angestellte behandelt.“ Diese Atmosphäre, davon ist die neue Rezeptionistin überzeugt, spüren auch die Gäste.

Und trotzdem: vergessen darf man nichts. Auch nicht, dass man bei grün wieder losfahren sollte. Der Mann im nächsten Auto hupt. Vielleicht muss sie doch noch einmal anrufen, ob der Hausmeister informiert ist, dass am Badezimmerspiegel in 508 das Licht nicht mehr funktioniert.

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