Lifestyle
06. August 2020

Andrea C. ist bei der Lindenhof-Aktion #OhneEuchschaffenwiresnicht als italienischer Corona-Helfer nominiert und gewählt worden. Dieser Tage hat der Rettungssanitäter seinen Gewinn eingelöst: Urlaub im Lindenhof Lifestyle DolceVita Resort.

„Ich werde keinen der Patienten vergessen“

Der Mann wirkt entspannt, wie er da so am Pool des Lindenhof-Hotels in Naturns sitzt. Und keiner der anderen Gäste ahnt, was der 37-Jährige in diesem Jahr erlebt und mitgemacht hat. Andrea C. hat Bilder im Kopf, die er nie vergessen wird. „Viele meiner Patienten litten unter Atemnot. Ältere wie auch jüngere Menschen mussten so schnell wie möglich in ein Krankenhaus. Aber die Krankenhäuser waren voll belegt“, erzählt er der Hoteliersfamilie Nischler, und man merkt ihm an, wie sehr ihn diese Zeit noch immer verfolgt.

Andrea C. ist Rettungssanitäter im freiwilligen Dienst einer internationalen medizinischen Hilfsorganisation. Seit Jahren hilft er jedes Wochenende unter der Notrufnummer 118 kranken oder verunfallten Menschen. Eigentlich ist sein Hauptberuf bei einer Lombardischen Eisenbahngesellschaft, doch die Arbeit in der medizinischen Hilfsorganisation ist eine Herzensangelegenheit für ihn geworden. Zusätzlich zur Ausbildung als Rettungssanitäter hat er sich für weitere sechs Monate fortgebildet, um bei Umweltkatastrophen, sogenannten „MANV-Notfällen“, einsatzbereit zu sein. Aber auch in außerordentlichen Situationen oder Bedingungen in den Bergen oder im Wasser wird er eingesetzt. Beispielsweise bei Mountain Trail Events oder Kanu-Weltmeisterschaften. „Ohne diese Extremausbildung hätte ich wahrscheinlich nicht die Kraft gehabt, die Corona-Einsätze zu überstehen“, sagt er und fügt leise hinzu: „Die psychische Belastung war trotzdem enorm.“

Die Bilder sind um die Welt gegangen. Die Bilder aus der Region, in der er als Rettungssanitäter arbeitet. „Bergamo befand sich wirklich in einer außergewöhnlichen Situation“, sagt Andrea C., der aus dem Dorf Bonate Sopra kommt. Während des Lockdowns hat er Urlaub genommen, ausschließlich als Rettungssanitäter gearbeitet, nicht nur am Wochenende. Von Schicht zu Schicht haben sich die Arbeitszeiten verlängert, bis er völlig auf einen freien Tag verzichtet hat. „Wenn du die nach Atem ringenden Kranken und die verzweifelten Angehörigen siehst, fragst du dich immer: hast du alles getan? Hast du alles richtig gemacht?“

Am schlimmsten war es für Andrea C., die Kranken von den Familien zu trennen. „Wir wussten ja nicht mal, in welches Krankenhaus sie kommen. Ob sie sich wiedersehen würden. Ich musste zusehen, wie sie sich vom Sohn, dem Vater oder der Mutter verabschiedet haben. Das war nicht einfach. Auch nicht für mich.“ Einmal hat er einen Patienten auf der Fahrt ins Krankenhaus verloren, obwohl er alles gemacht hatte, um ihm zu stabilisieren. „Das kannst du nicht so einfach wegstecken“, sagt Andrea, der sicher ist, dass er auch die Gesichter der vielen anderen Patienten nie vergessen wird. „Es war eine Ausnahmesituation. Für die Kranken. Für mich. Für meine Kollegen.“ Gerade der Austausch mit den Kollegen im Freiwilligendienst hat ihm geholfen, denn den Kontakt zur Familie und Menschen, die ihm lieb sind, hat er gemieden. „Ich musste sie schützen. Wir haben uns nur per Videoanrufe unterhalten und gesehen.“ Besonders belastet hat das auch seine Mutter, die in den Gesprächen die eigene Angst verbergen wollte und doch täglich betete, dass ihr Sohn die schwierige Zeit gut überstehen würde.

Andrea C. lächelt. Vielleicht ist der Lindenhof ja ein bisschen Entschädigung für ihn. „Ganz ehrlich: ich habe das am Anfang nicht geglaubt, dass mich jemand bei dieser Aktion nominiert hat. Und noch weniger, dass mich die meisten für diesen Lindenhof-Urlaub gewählt haben. Es zeigt mir, dass unsere Arbeit doch geschätzt wird“, sagt er.

Und wenn eine zweite Corona-Welle kommen sollte?

Er schaut fragend, als ob er sich überlege, was der andere jetzt wohl hören will?

Dabei ist die Antwort für den Lindenhof-Gast doch selbstverständlich. „Dann werde ich mit derselben Professionalität handeln wie im März, April und Juni.“

#OhneEuchschaffenwiresnicht

 

Patrizia Redina hat bei der Lindenhof-Aktion #OhneEuchschaffenwiresnicht den Rettungssanitäter Andrea C. aus Bergamo vorgeschlagen. „Ich habe seine Geschichte gehört und die tiefe Betroffenheit angesichts der Angst um die Kranken und Angehörigen gespürt. Der Mann hat meinen größten Respekt“, hat sie ihre Nominierung begründet. Auf facebook und instagram haben die Lindenhof-User ihren Vorschlag honoriert – und von den vielen italienischen Corona-Helfern Andrea für den Urlaub in Naturns ausgewählt. „Der Mann ist beeindruckend. Und das, was er getan hat, noch viel mehr“, sagt auch der Lindenhof-Hotelchef Joachim Nischler, der ihn jetzt kennenlernen durfte. Die weiteren Gewinner: Deutschland Clare Dowling, Österreich Bernd Achleitner, Schweiz Nikol und Roman Camenzind, Südtirol Kathrin und Martin Tschurtschenthaler.

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