DER SCHÖNS­TE PLATZ IST IMMER AN DER THE­KE…

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    DER SCHÖNS­TE PLATZ IST IMMER AN DER THE­KE…

    War­um die 25-jäh­ri­ge jun­ge Frau aus Latsch von der Bar an die Rezep­ti­on wech­sel­te und sagt: „So ein har­mo­ni­sches Arbeits­um­feld wie im Lin­den­hof fin­det man sel­ten.“

    IMG_2421Wenn Katha­ri­na Fritz im Dol­ce­Vi­ta Resort Lin­den­hof in Naturns Fei­er­abend macht, hat sie 18 Kilo­me­ter vor sich und rund 20 Minu­ten Zeit. „Bei der Heim­fahrt nach Latsch gehe ich in Gedan­ken den gan­zen Tag noch mal durch. Habe ich einem Gast was ver­spro­chen, was ich nicht erle­digt habe? Hät­te ich mei­ne Kol­le­gin noch über irgend­was infor­mie­ren müs­sen? Ist wirk­lich die gesam­te To-do-Lis­te abge­hakt?“ Manch­mal, sagt sie, ist sie froh, wenn auf der Stilfs­er­joch-Stra­ße SS38 eine rote Ampel kommt – und sie noch etwas län­ger über­le­gen kann. Sonst kön­ne sie auch zu Hau­se nicht abschal­ten.

    Katha­ri­na Fritz ist neu an der Rezep­ti­on im Lin­den­hof. Und obwohl sie in der Lan­des­ho­tel­fach­schu­le Kai­ser­hof in Meran Hotel­kauf­frau gelernt hat, merkt sie erst jetzt, wie viel­fäl­tig Gäs­te­wün­sche sind und wofür eine Rezep­tio­nis­tin angeb­lich zustän­dig ist. Gera­de in einem anspruchs­vol­len Vier­ster­ne S-Hotel. Da muss die jun­ge Frau hin­ter der The­ke auch dann freund­lich blei­ben, wenn sie die Beschwer­de eines Gas­tes eigent­lich nicht ver­ste­hen kann. „99 Pro­zent loben das Ambi­en­te, das Essen, den Ser­vice – und dann kommt einer und sagt, hier schme­cke das Essen über­haupt nicht und im Restau­rant müs­se man zu lan­ge war­ten.“

    Es ist auch an der Rezep­ti­on eines Erleb­nis und Genuss­ho­tels von Vor­teil, dass die 25-Jäh­ri­ge in ihrem jun­gen Leben „Men­schen­kennt­nis“ stu­diert hat. An der Front. In einer Bar. Zusam­men mit ihrer fünf Jah­re älte­ren Schwes­ter führ­te Katha­ri­na Fritz die Bahn­hofs­bar in Latsch. „Da lernst du die Leu­te ken­nen“, sagt sie. Die einen schüt­ten den Alko­hol in sich hin­ein, die ande­ren ihr Herz aus. Und vie­le Män­ner glau­ben, mit dem kos­ten­pflich­ti­gen Erwerb eines alko­ho­li­schen Kalt­ge­tränks auch die Tele­fon­num­mern der Schwes­tern erwor­ben zu haben. „Wir haben gelernt, mit Anma­che und mit Betrun­ke­nen umzu­ge­hen. Aber wir haben auch vie­le inter­es­san­te Men­schen ken­nen­ge­lernt. Und vie­le Reak­tio­nen von Gäs­ten ver­steht man mit der Zeit bes­ser.“ Trotz­dem war im Janu­ar 2018 Schluss. Die Schwes­ter ging stu­die­ren nach Mai­land, und Katha­ri­na hat sich geschwo­ren: „Nie wie­der Gas­tro­no­mie.“

    Nun ist die The­ke an einer Rezep­ti­on grund­sätz­lich eine ande­re als die an einer Bar, wes­halb Katha­ri­na Fritz doch wie­der zurück in ihr erlern­tes Metier ging – nach einem kur­zen Abste­cher in einem SteuKatharina x2 cerbü­ro mit nor­ma­len Arbeits­zei­ten. Acht Stun­den am Tag, Frei­tag­nach­mit­tag, Sams­tag und Sonn­tag frei. „So gese­hen war das ein schö­nes Leben. Und trotz­dem hat mir was gefehlt“, sagt die Frau aus Latsch. Men­schen näm­lich. Viel­leicht auch ein biss­chen die Viel­fäl­tig­keit, die der Umgang mit Gäs­ten immer mit sich bringt. „In einem Hotel kannst du den Men­schen auch viel unvor­ein­ge­nom­me­ner gegen­über­tre­ten. In unse­rer Bahn­hofs­bar kann­ten wir doch irgend­wann alle in- und aus­wen­dig.“ Jetzt jeden­falls freut sie sich wie­der auf Gäs­te, zumal sie über­zeugt ist, das bes­te Hotel in der Gegend gefun­den zu haben. „So ein har­mo­ni­sches Mit­ein­an­der wie im Lin­den­hof fin­det man sel­ten. Hier habe ich von Anfang an gemerkt, dass eine Fami­lie den Takt vor­gibt, die ihre Mit­ar­bei­ter nicht wie Ange­stell­te behan­delt.“ Die­se Atmo­sphä­re, davon ist die neue Rezep­tio­nis­tin über­zeugt, spü­ren auch die Gäs­te.

    Und trotz­dem: ver­ges­sen darf man nichts. Auch nicht, dass man bei grün wie­der los­fah­ren soll­te. Der Mann im nächs­ten Auto hupt. Viel­leicht muss sie doch noch ein­mal anru­fen, ob der Haus­meis­ter infor­miert ist, dass am Bade­zim­mer­spie­gel in 508 das Licht nicht mehr funk­tio­niert.


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