Jo, mir sein mitn Radl do

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    Jo, mir sein mitn Radl do

    Von den Renn­rad­wo­chen über 700 Kilo­me­ter auf die höchs­ten Ber­ge Süd­ti­rols bis zum Genuss­fah­ren mit dem E-Bike der Etsch ent­lang – das Naturn­ser Duo Nisch­ler (Joa­chim) und Nisch­ler (Klaus) bie­tet den Gäs­ten alles an.

    Wal­ter Kase­rer kennt sei­ne Pap­pen­hei­mer. Oder glaubt sie zu ken­nen. Seit sei­ner Pen­sio­nie­rung vor drei Jah­ren als Bank­di­rek­tor in Reschen hilft er sei­nem Schwie­ger­sohn, dem Ötzi-Bike-Aca­de­my- Chef Klaus Nisch­ler, bei des­sen Renn­rad­wo­chen in Naturns aus. Der 67-Jäh­ri­ge fährt den Gäs­ten mit dem Van hin­ter­her, packt Ver­pfle­gung, Was­ser­ka­nis­ter und Ersatz­tei­le ein. Nur wenn er selbst Hun­ger hat, über­holt er das Feld, wählt die schnel­le­re Bun­des­stra­ße – und steu­ert, wie bei der Storck-Ope­ning-Woche im April, die Würstlbu­de in Neu­markt an. „Jetzt haben wir ein biss­chen Vor­sprung”, sagt er fast schon über­le­gen lächelnd. Doch als er den Geld­beu­tel zücken will, rasen plötz­lich die 14 Fah­rer der soge­nann­ten Power-Grup­pe gruß­los an ihm vor­bei, und Kase­rer rennt eilig ohne Würstl zu dem in Rad­fah­rer­krei­sen gefürch­te­ten Besen­wa­gen. „Die hat ja heu­te der Teu­fel gerit­ten. Wie schnell fah­ren die denn?”

    DSC_5785Es sind die Bes­ten der Bes­ten, die sich an solch einem Mor­gen vor der drit­ten Etap­pe über 134 Kilo­me­ter und 2.100 Höhen­me­ter an den Lago di Cal­do­naz­zo in die Power-Grup­pe ein­ge­tra­gen haben und sich hin­auf zum Pas­so di Luga­no quä­len. Bis zur Easy-Grup­pe bie­tet die Ötzi-Bike-Aca­de­my, die die­se Ope­ning-Woche zusam­men mit Storck Bicy­cle und dem Dol­ce­Vi­ta Hotel Lin­den­hof ver­an­stal­tet, ins­ge­samt vier Kate­go­ri­en an. „Wir wol­len, dass die Leu­te Freu­de an den Tou­ren haben, aber natür­lich ist so ein Tag auch sport­lich anspruchs­voll”, sagen die Freun­de Klaus Nisch­ler (Ötzi-Bike) und Joa­chim Nisch­ler (Lin­den­hof), die die gan­ze Sai­son über für Urlau­ber maß­ge­schnei­der­te Stre­cken in allen Leis­tungs­klas­sen mit Renn­rä­dern und Moun­tain­bikes sowie ent­spre­chend geschul­te Gui­des anbie­ten. Von der Aus­fahrt mit dem Elek­tro-Bike an der Etsch ent­lang bis in Rich­tung Laa­ser Spit­ze mit einem Moun­tain­bike ohne Akku. „Gera­de im Urlaub soll­te Rad­fah­ren Spaß machen. Und Spaß kann es nur machen, wenn man auch die Land­schaft genie­ßen kann”, sagt der vier­fa­che Schwei­zer Meis­ter Dani Schni­der, der als ehe­ma­li­ger Pro­fi ein Rad­ge­schäft in Wol­hu­sen betreibt.

    Die Rad­wo­chen, bei denen Schni­der zusam­men mit sei­nen Exkol­le­gen Oscar Camenzind (1998 Stra­ßen­welt­meis­ter) und Alex Zül­le (zwei­ma­li­ger Vuel­ta-Sie­ger) die Teil­neh­mer betreut, ist eine Mischung aus Tour der Lei­den und Tour der Freu­den. Bei­des gibt es auf einer Etap­pe. „Schaut euch die­se Aus­sicht an”, ruft der Gui­de Fred­di Wallnöfer nach dem Anstieg von Neu­markt auf 2.100 Höhen­me­ter zum Pas­so di San Luga­no auf der Fahrt ins Cem­bra­tal, ein paar Kilo­me­ter hin­ter Altrei – und stoppt unver­mit­telt sei­ne Power- Grup­pe. Alle zücken die doch irgend­wo an dem eng anlie­gen­den Dress ver­steck­ten Kame­ras. Die Aus­sicht auf Berg und Tal, auf Wein­ber­ge und an den Hän­gen lie­gen­den ein­sa­me Höfe ist gigan­tisch.

    DSC_5816„Die Stre­cken in die­sem Jahr waren phan­tas­tisch, die Aus­sicht ein­ma­lig. Wir haben wie­der Orte ken­nen­ge­lernt, die man sonst nie sehen wür­de. Aber dafür tun mir die Bei­ne ganz schön weh”, sagt der 63-jäh­ri­ge Man­fred Mozer aus Her­ren­berg nach den 700 Kilo­me­tern in einer Woche. Er hat vor elf Jah­ren als Aus­dau­er­läu­fer auf den Ham­burg-Mara­thon ver­zich­tet, um bei der ers­ten Rad Ope­ning-Woche sei­nes Freun­des Joa­chim Nisch­ler dabei zu sein. Seit­her fährt der Her­ren­ber­ger nur noch Rad. Auch Peter Cola­ma­ri­no ver­dankt sei­ne Rad­kar­rie­re dem Lin­den­hof-Hotel­chef. „Ich bin nur Moun­tain­bike gefah­ren – und weil Joa­chim bei mei­nem ers­ten Urlaub in sei­nem Hotel kei­nes hat­te, hat er mir sein Renn­rad gelie­hen”, erzählt der 55-Jäh­ri­ge, der 1992 Deut­scher Meis­ter im Body­buil­ding war und ein Fit­ness­stu­dio in Holz­ma­den bei Kirchheim/Teck betreibt. Inzwi­schen fährt er 15.000 Kilo­me­ter im Jahr – und min­des­tens drei Mal in Süd­ti­rol. „Was soll ich in den Beton­bun­kern auf Mal­lor­ca? Hier ist das Hotel super, das Essen sen­sa­tio­nell, das Wet­ter fast noch idea­ler und die Stre­cken wun­der­schön mit jedem Schwie­rig­keits­grad.”

    Wal­ter Kase­rer lenkt den Van auf den klei­nen Park­platz am Lin­den­hof. In dem Besen­wa­gen sit­zen nur zwei völ­lig erschöpf­te Mit­ar­bei­ter des Lin­den­hofs. Über­ra­schen­der­wei­se ist der Hotel­chef Joa­chim Nisch­ler, der wäh­rend der Woche als Gui­de fun­giert, kei­ner davon. „Wir fah­ren erst seit die­sem Jahr Rad und woll­ten es ein­fach mal pro­bie­ren”, sagen die Brü­der Mol­can, die von Mar­kus Storck die berühm­ten Storck-Renn­rä­der zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men haben. Matus ist der Früh­stücks­koch, Fer­ro der Abspü­ler. Der eine hat 80 Kilo­me­ter, der ande­re 100 geschafft. Eine Bra­vour­leis­tung, sagt der etwas mol­li­ge Gast, der sich mit den Rad­fah­rern am Kuchen­buf­fet bedient, obwohl er beim Spa­zier­gang nur 276 Kalo­ri­en ver­braucht hat. Bei den Rad­fah­rern zeigt die App 3.700 an. „Fang mal mit dem E-Bike an, dann kannst Du Dich auch bald zur Ope­ning- Renn­rad­wo­che anmel­den”, sagt Sie­gi Wei­sen­horn zu dem 276-Kalo­ri­en-Mann – der trotz Bai­leys­tor­te nicht gleich merkt, dass es der Rad­gui­de ernst meint. „Du darfst dich am Anfang nicht ver­aus­ga­ben. Und das geht nur mit dem E-Bike. Da kommst Du über­all hin, und Rad­fah­ren wird Dir immer mehr Spaß machen. Irgend­wann steigst Du um.”

    Die Ope­ning-Rad­wo­che 2018 fin­det nach Ostern vom 07.-15. April 2018 statt.

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