1:0 für Schwe­den – Fami­lie Bolm­gren

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    1:0 für Schwe­den – Fami­lie Bolm­gren

    Seit zehn Jah­ren fah­ren Tho­mas, Lena, Annie und Hugo in jedem Som­mer 1.600 Kilo­me­ter von Gnos­jö nach Naturns und 1.600 Kilo­me­ter von Naturns nach Gnos­jö. „Schon die Fahrt ist für uns Erho­lung”, sagen sie.

    Es sind die Tage, in denen die Fuß­ball­welt auf den Kopf gestellt wird. Hugo Bolm­gren, 14, schnappt sich den Ball, geht zum Sport­platz in Naturns und kickt wie alle Jah­re um die­se Zeit gegen ein paar Jungs aus Süd­ti­rol. Das Ergeb­nis: Schwe­den schlägt Ita­li­en. „Nor­mal”, sagt Hugo, der trotz­dem mal für Inter Mai­land spie­len will.

    Viel­leicht ist die­ses Erfolgs­er­leb­nis der Grund, war­um der Sohn von Lena Svenings­son und Tho­mas Bolm­gren so ger­ne Feri­en in Süd­ti­rol macht. Das gan­ze Geheim­nis des Urlaubs­ziels die­ser schwe­di­schen Fami­lie aus Gnos­jö, die Jahr für Jahr 1.600 Kilo­me­ter in das Dol­ce­Vi­ta Resort Lin­den­hof und 1.600 Kilo­me­ter zurück fährt, erklärt es frei­lich nicht. Zumal der 16-jäh­ri­gen Toch­ter Annie, die es lie­ber mit dem Pfer­de­sport hält, der schwe­di­sche Fuß­ball­sieg in Naturns ziem­lich egal ist. „Wir lie­ben das Hotel, das freund­li­che Per­so­nal, das Essen. Und hier in Naturns fin­det jeder von uns irgend­was, was ihm Spaß macht”, sagt Tho­mas Bolm­gren, der per­fekt deutsch spricht – und wenn er den Satz rich­tig ins Schwe­di­sche über­setzt hat, kann man glau­ben, dass es Frau und Kin­dern genau­so geht. Sie nicken. „Wir füh­len uns hier wie zu Hau­se”, sagt Hugo noch.

    Das bedeu­tet: der Schwe­de erlebt kei­nen Kul­tur­schock in Süd­ti­rol. Was frei­lich bei den Bolm­grens auch dar­an lie­gen kann, dass sie aus ihrer Hei­mat Inte­gra­ti­on mit ande­ren Men­schen gewohnt sind. Gnos­jö, eine Stadt mit 5.000 Ein­woh­nern, hat nicht nur für Schwe­den Modell­cha­rak­ter. Nir­gend­wo wird gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on so gelebt wie hier, wo es vie­le klei­ne­re Pro­duk­ti­ons­fir­men gibt, die mit Ein­wan­de­rern arbei­ten – frü­her aus Viet­nam, heu­te aus Soma­lia. Der Gnos­jö- Spi­rit wird in vie­len Zei­tun­gen auf die­ser Welt beschrie­ben. „Die Fir­men haben meis­tens nicht mehr als 50 Mit­ar­bei­ter und sind ent­stan­den, weil es damals sonst in der Gegend wenig Ver­dienst­mög­lich­kei­ten gab”, sagt Tho­mas Bolm­gren, der selbst mit einem Part­ner ein sol­ches Unter­neh­men gegrün­det hat. Ein Zulie­fer­be­trieb – unter ande­rem für Vol­vo. Aber auch sei­ne Frau Lena Svenings­son weiß, wie Inte­gra­ti­on geht. Als Leh­re­rin unter­rich­tet sie vie­le Flücht­lings­kin­der. „50 Pro­zent Schwe­den, 50 Pro­zent Aus­län­der” sind in ihrer Klas­se.

    Da kann man sich auch an Süd­ti­ro­ler gewöh­nen. „Sie sind uns von der Men­ta­li­tät näher als die rich­ti­gen Ita­lie­ner oder auch die Deut­schen”, sagt Tho­mas Bolm­gren. In Naturns haben sich die vier Schwe­den mit der Schwei­zer Fami­lie Rent­z­mann ange­freun­det. Und die Freund­schaft lei­det auch dann nicht, wenn der eigens geschaf­fe­ne Pokal beim all­jähr­li­chen Fami­li­en­du­ell im Mini­golf von Schwe­den in die Schweiz wech­selt. „Nico Rent­z­mann ist zehn und hat uns jetzt alle geschla­gen”, sagt der 55-jäh­ri­ge Tho­mas Bolm­gren, der mit 14 zum ers­ten Mal in die Alpen kam. Als Mit­glied eines Schul­or­ches­ters war er in Öster­reich und kurz in Süd­ti­rol. „Ich habe mich von Anfang an in die Ber­ge ver­liebt”, sagt der Flach­land-Schwe­de, der zum Aus­dau­er­sport­ler auf Ski­ern gewor­den ist. Er läuft die 90 Kilo­me­ter beim Wasa-Lauf, die 70 Kilo­me­ter beim Mar­ci­alon­ga im Fas­sa­tal und star­tet auch beim größ­ten deut­schen Volks­ski­lang­lauf, dem König-Lud­wig- Ren­nen bei Gar­misch.

    Auch in Naturns hat Tho­mas Bolm­gren die Rol­len­ski dabei – so wie Hugo den Fuß­ball und einen Trai­nings­plan von sei­nem Coach. Nur das Pferd von Annie hat es nicht mehr in den Vol­vo geschafft. So läuft sie denn schon mal spa­ßes­hal­ber zu Fuß vom Lin­den­hof hoch nach Unter­stell – zur Über­ra­schung der eige­nen Eltern. „Das zeigt doch auch: unse­re Kin­der kön­nen sich hier bes­tens beschäf­ti­gen”, sagt Lena Svenings­son. Selbst die lan­ge Auto­fahrt kann die schwe­di­sche Fami­lie nicht schre­cken. „Wir machen das stress­frei – die Fahrt gehört für uns schon zur Erho­lung” ist die Devi­se des Fami­li­en­ober­haupts. In Däne­mark wird das ers­te Mal über­nach­tet, in der Nähe von Kas­sel ist die zwei­te Sta­ti­on. Trotz­dem: „16 Stun­den rei­ne Fahrt­zeit sind es min­des­tens”, sagt Hugo.

    Wenn er für Inter Mai­land spielt, darf er zu sei­nen Fuß­ball­spie­len flie­gen.

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