Ent­schleu­ni­gen im All­tag – man muss auch mal stopp sagen kön­nen

  • Joachim Büro Entschleunigt

    Ent­schleu­ni­gen im All­tag – man muss auch mal stopp sagen kön­nen

    Unser Hotel­chef Joa­chim Nisch­ler hat einen beschei­de­nen Vor­satz für 2016: Er will trotz Arbeit ent­schleu­ni­gen. „Ich habe mich schon mit eini­gen Exper­ten unter­hal­ten, und alle sagen mir, dass das mit glei­chem Ein­satz funk­tio­nie­ren kann. Man braucht nur ein biss­chen was an sei­ner Ein­stel­lung zum Leben zu ver­än­dern.“

    Joa­chim ist nicht nur wegen sich aktiv gewor­den, son­dern vor allem, weil er das Pro­blem immer wie­der von sei­nen Gäs­ten gehört hat. „Wie oft haben mir abends an der Bar die Men­schen gesagt, sie fühl­ten sich wie im Hams­ter­rad, stän­dig im Stress – beruf­lich und pri­vat“, erzählt Joa­chim, bei dem so die Idee gereift ist: Unsere Gäste sol­len nicht nur im Lin­den­hof ent­schleu­ni­gen, son­dern auch im All­tag, wo der Leis­tungs­druck beson­ders aus­ge­prägt ist, wo die Men­schen von einem Punkt auf der To-do-Liste zum nächs­ten het­zen. Also hat er bei Exper­ten nach­ge­fragt. „Beschleu­ni­gen kön­nen wir alle bes­tens, nur das Gegen­teil, das Ent­schleu­ni­gen, beherr­schen die Wenigs­ten“, sagt der Lin­den­hof-Chef, der selbst im Urlaub in sei­nem Hotel immer mehr Gäste am Lap­top beob­ach­tet. Man muss schnell noch eine Mail an den Chef schi­cken, man muss eine Kal­ku­la­tion für die Kol­le­gin, die krank gewor­den ist, erstel­len, man muss und muss und muss.

    Man muss auch ent­schleu­ni­gen kön­nen. Das steht für Joa­chim nach sei­nen Gesprä­chen fest – und drei Exper­ten­tipps fasst er mal zusam­men:

    3 Tipps, sein Leben zu ent­schleu­ni­gen

    Tipp 1: Stress­fal­len erken­nen und zur Ent­span­nung nut­zen

    Sie wer­den sagen, das ist leich­ter gesagt als getan. Fal­sch. Ich will Ihnen das an einem Bespiel deut­lich machen:

    Es ist Frei­tag­abend. Sie haben mal wie­der län­ger arbei­ten müs­sen. Obwohl um 19 Uhr Gäste kom­men, obwohl sie noch ein­kau­fen müs­sen, obwohl Sie wis­sen, dass auch die Woh­nung noch nicht auf­ge­räumt ist. Alles schwirrt in Ihrem Kopf, Sie kön­nen sich auf nichts kon­zen­trie­ren. Als Sie im Super­markt sind und Brok­koli, Toma­ten und Sahne in der Hand hal­ten, ent­schei­den Sie sich für Kasse zwei. „Hier müsste es schnell gehen“, den­ken Sie sich. Dann pas­siert natür­lich das Unver­meid­li­che: Die ältere Dame vor Ihnen zählt see­len­ru­hig die Mün­zen aus ihrer Geld­ta­sche. Sie trip­peln schon unge­dul­dig von einem Bein auf das andere und bli­cken gehetzt auf Ihre Uhr. Noch einer ist vor Ihnen. Aber der will ein Weih­nachts­ge­schenk umtau­schen. Die Kas­sie­re­rin muss eine Kol­le­gin aus­ru­fen, um sie um Rat zu fra­gen. Die Schlange an der ande­ren Kasse ist inzwi­schen auf acht Per­so­nen ange­wach­sen.

    Nor­ma­ler­weise wür­den Sie jetzt in Panik gera­ten, aber heute ver­su­chen wir mal etwas ande­res: „ent­schleu­ni­gen“! Moti­vie­ren Sie sich selbst, indem Sie sich ein­re­den, dass Sie doch noch alles schaf­fen wer­den. Ihre Gäste wer­den sicher­lich ein paar Minu­ten spä­ter kom­men und freuen sich auf einen klei­nen Ape­ri­tif vor dem Kamin, bis das Essen fer­tig ist. „Alles wird gut wer­den.“ Neh­men Sie Ihren Kör­per bewusst wahr: Ihre Füße, die fest auf dem Boden ste­hen. Ihre Fin­ger, die über das Leder Ihrer Geld­börse strei­cheln. Und ehe Sie sich ver­se­hen, sind Sie an der Reihe. Sie müs­sen LÄCHELN, weil es geklappt hat – und wenn Sie lächeln, wer­den Sie auto­ma­ti­sch ent­spann­ter. Sie schen­ken dabei auch der Kas­sie­re­rin ein Lächeln, die gerade eben noch als lahm beschimpft wurde –  und erhal­ten ein dank­ba­res Lächeln zurück.

    Wet­ten? Sie füh­len sich gut – und gar nicht mehr im Stress.

    Tipp 2: Puf­fer­zeit ein­pla­nen, um nicht zu spät zu kom­men

    Wie oft haben wir uns das schon gesagt? Und wie oft haben wir es getan?

    Aber mal ehr­lich: Wer sagt uns denn, dass wir am Tag jede Vier­tel­stunde ver­pla­nen müs­sen? Das geht sowieso nicht gut, wir brau­chen immer ein paar Minu­ten Frei­räume, um zu ent­span­nen, um uns auf das nächste Mee­ting vor­zu­be­rei­ten. Also legen Sie Ihre Ter­mine auch so, dass Ihnen die Zeit bleibt, ganz beson­ders, wenn Sie zu einem bestimm­ten Zeit­punkt an einem ande­ren Ort sein müs­sen. Der Stress im Ver­kehr wird sonst uner­träg­lich. Da sind die Ampeln rot, da ist ein Stau, da gibt es kei­nen Park­platz. Blo­ckie­ren Sie sich min­des­tens eine Vier­tel­stunde mehr. Wenn Sie also um 17.00 Uhr eine Ver­ab­re­dung haben, pla­nen Sie so, als hät­ten Sie den Ter­min bereits um 16.45 Uhr.

    Sollte dann der Zei­ger auf der Uhr trotz­dem zu schnell gewe­sen sein, erin­nern Sie sich an der roten Ampel an Punkt 1. Nut­zen Sie den Moment, um zu ent­schleu­ni­gen – und lächeln sie. Denn sol­che Situa­tion kön­nen durch Ärger oder Stress weder beein­flusst noch ver­än­dert wer­den.

    Tipp 3: Sag ein­fach stopp und ziehe die Not­bremse

    Einer mei­ner Ent­schleu­ni­gungs­ex­per­ten hat mir gesagt, es könne trotz allem mal die Situa­tion ein­tre­ten, in der einem alles zu viel wird, in der einem die Luft weg bleibt. Dann wäre es ganz wich­tig, die Not­bremse zu zie­hen, sich nicht zu scheuen, auch mal nein und stopp zu sagen. Nur: woran erken­nen wir das? Ganz ein­fach: wir soll­ten auf die Hil­fe­rufe unse­res Kör­pers hören. Kopf­schmer­zen oder Herz­ra­sen wol­len Ihnen mit­tei­len, dass Ihr Kör­per über­las­tet ist. Wenn Sie das recht­zei­tig erken­nen, kön­nen Sie meist durch ein­fa­che Übun­gen Ihren Kör­per wie­der beru­hi­gen. Beson­ders Ent­span­nungs­übun­gen wie bewuss­tes Atmen hel­fen dabei.

    Atem­übung:

    Wenn Sie die Mög­lich­keit haben, gehen Sie an die fri­sche Luft oder öff­nen Sie zumin­dest ein Fens­ter. Atmen Sie tief und bewusst ein und atmen Sie lang­sam aus. Wäh­rend­des­sen den­ken Sie an die Worte: „Ich fühle mich ent­spannt und ruhig.“ War­ten Sie nach dem Aus­at­men bis der Impuls zum Ein­at­men von alleine kommt. Ent­span­nen Sie wäh­rend die­ser Übung bewusst die Schul­tern und das Gesicht und füh­len Sie,  wie sich Ihr Brust­korb mit sau­er­stoff­rei­cher Luft füllt.

    Vie­les klingt banal. Das habe ich auch gedacht, als es mir die Fach­leute erzählt haben. Aber: ich habe es trotz­dem aus­pro­biert – und ich bin sicher, dass ich 2016 ent­schleu­nig­ter durchs Leben gehen werde. Das wün­sche ich Ihnen und Euch auch – von gan­zem Her­zen. Langsam von PixabayVer­su­chen Sie, in hek­ti­schen Situa­tio­nen neue Kraft zu tan­ken. Ver­su­chen Sie, stets ruhig zu blei­ben und den­ken Sie daran: Ärger und Stress ändern ein Pro­blem auch nicht.

    Ein gutes und ent­schleu­nig­tes Jahr wün­sche ich Ihnen mit einem Zitat aus „Der kleine Prinz“:

    Du musst nur lang­sam genug gehen, um immer in der Sonne zu blei­ben.

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