Family
12. Juli 2020

Sie wollen nicht raus! In einem Hotel wie dem Lindenhof wird den Kindern so viel geboten, dass die Eltern nur schwer ihre zuvor geplanten Urlaubstouren umsetzen können. Unsere Experten geben Tipps für die richtigen Ausflüge mit Kindern.

Urlaub mit Kindern …. kann auch schön sein!

Wir kennen das. „Papa, sind wir bald da?“, fragt der Sohn genervt nach fünf Minuten Wanderung. „Mama, müssen wir das alles auch wieder zurück?“, will die Tochter nach zehn Minuten Radfahrt mit der Tonlage „wie schrecklich“ wissen. Es ist Urlaubs-Alltag. Den Kindern ist es schnell langweilig, weil sie den Blick für eine schöne Landschaft und die herrliche Natur noch nicht haben. Sie brauchen Action. Immer. Überall.

„Eltern suchen sich meist auf der Karte einen schönen Wanderweg ­– nach Höhenmetern und Laufzeit. Und überlegen sich dabei nur: schaffen das die Kids auch“, sagt der Wanderexperte Helmut Stieger. Der Lindenhof-Restaurantleiter ist im Martelltal aufgewachsen und hat viele Familien gesehen, bei denen es während Wanderungen schnell zum Streit gekommen ist. „Bei der Auswahl der Tour sollten die Eltern in erster Linie darauf achten, dass die Strecke abwechslungsreich ist“, sagt er. Das heißt: es sollte eine Almhütte mit Tieren geben, einen Weg, der auch mal steil nach oben führt und an Abenteuer erinnert. Und: eine ganz wichtige Rolle spielt das Wasser. „Achten Sie darauf, dass es einen See gibt, einen Bach. Das lieben Kinder.“ Kein Wunder, dass er als Wandertipp für Familien den Schluchtenweg im Martelltal ausgesucht hat (siehe Zusatzinformation Wandertipp). „Da braucht man aber auch gute Wanderschuhe“, sagt Helmut Stieger und weist darauf hin: „Bei Kindern sind auf allen Strecken die richtigen Schuhe noch wichtiger als bei Erwachsenen.“

Die Ausrüstung spielt auch bei den Ratschlägen unseres „Radprofis“ und Hotelchefs Joachim Nischler eine entscheidende Rolle. Deshalb empfiehlt er zunächst einmal den Experten, der die richtige Größe des Rahmens aussucht und der die Sitzhöhe perfekt einstellen kann. Denn nur wenn das Rad dem Kind angepasst ist, macht es Spaß, Strecken zu fahren. Wenn man es kann… Aber: man kann es lernen. Zum Beispiel in Naturns bei Joachim Nischlers Freund Klaus Nischler, der die Ötzi Bike Academy betreibt und eng mit dem Lindenhof zusammen arbeitet. Jeden Mittwoch und Donnerstag gibt es Trainingseinheiten auf einem ausgewiesenen Trainingsplatz. „Kinder lernen bremsen, Kurven und sogar Trails fahren. Und sie lernen hinfallen“, sagt Joachim Nischler, der eine solche Übungseinheit allen Anfängern empfehlen würde. „Kindern macht das jedenfalls so viel Spaß, dass sie gleich danach auch gerne mit ihren Eltern Strecken fahren wollen.“

Wenn sie den Eltern aber lieber ihre neu erworbenen Künste auf dem Mountainbike präsentieren wollen, eignet sich dafür der Ötzi-Flow-Trail über dem Sportplatz und der Minigolfanlage in Naturns. Über 30 flowige Kurven und drei Kilometer Abfahrt warten auf die jungen (und älteren) Mountainbiker. Doch auch für Familien, die das Renn- oder Tourenrad bevorzugen, hat Joachim Nischler einen Ausflugstipp – die versunkene Kirche in Graun, von der man bei der Fahrt vom Reschen nur noch die Turmspitze sieht (siehe Zusatzinformation Radtipp).

Ob mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto – wie man die Kinder noch aus dem Hotel locken kann, weiß die Juniorchefin Chiara Nischler. Frei nach dem Motto „ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten?“ hat sie zwei Stationen für kleine und große Eisenbahnfans herausgesucht. Die Eisenbahnwelt in Rabland und den Jugend-Erlebnisbahnhof Naturns/Staben. „Ganz ehrlich: da werden auch die Mädchen und Frauen begeistert sein, weil es viel zu sehen gibt“, sagt Chiara.

Die Eisenbahnwelt in Rabland, die Sie mit einer kleinen Wanderung oder Radfahrt der Etsch entlang erreichen können, ist die größte digitale Modelleisenbahnanlage Italiens und gilt mit über 20.000 Einzelstücken als eine der größten Privatsammlungen Europas. Der Clou, der alle begeistert: Auf einer Fläche von 130 qm ist im Maßstab 1:87 Südtirol nachgebaut. Chiara Nischler: „Sie werden viele markante Gebäude, Brücken oder Städte wiedererkennen.“ Natürlich können die Kleinen in der Kinderecke auch selbst spielen ­– Züge steuern und Weichen stellen. Die Eisenbahnwelt hat Sonntag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Also: Abfahrt nach Rabland!

Oder eben in die andere Richtung nach Staben. Dort wartet der Jugend- und Erlebnisbahnhof auf die Familien – mit über 800 Meter Gleisnetz und originalen Mini-Dampflokmotiven Waldenburg Schweiz. Auch Postwaggons der rhätischen Bahn entzücken alle Jungs, die an Weihnachten gerne mit der Modelleisenbahn spielen. Leider ist dieser Bahnof nur sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Er liegt gleich neben dem richtigen Zugbahnhof Staben. Aber auch mit dem Rad ist er der Etsch entlang schnell zu erreichen. Sie können sogar Station an der „Radbar“ machen oder auf der gegenüberliegenden Seite im Bauernladen einkaufen. „So kommt die ganze Familie auf ihre Kosten“, sagt Chiara Nischler.

Und wenn die Kids partout nicht wollen? Machen Sie Ihren Ausflug zu zweit – unsere drei geschulten pädagogischen Betreuerinnen kümmern sich im Lindenhof um Ihren Nachwuchs. Sie haben den ganzen Tag ein abwechslungsreiches Programm. Womit nur die Frage bleibt: wer kann am Abend die spannenderen Geschichten erzählen? Die Eltern? Oder die Kinder?

Helmuts Wandertipp für Familien – der Schluchtenweg

Der Plima-Schluchtenweg im Martelltal bietet die spannende Abwechslung für Ihre Kinder. Mal geht es über Wurzelwege nach oben, immer wieder kann man Aussichtsplattformen erklimmen (die übrigens einen gigantischen Blick in die Schlucht und ins Tal zeigen), man steht unter einem Wasserfall, kann die Gischt quasi greifen und muss über eine Hängebrücke bis zur Zufallhütte. „Eine Schlucht zum Anfassen“, nennt es die Tourismusgesellschaft. Sie fahren ins Martelltal und hoch bis zum letzten Parkplatz (Hintermartell). Hier startet der Plima-Schluchtenweg, quasi ein Rundweg über die Zufallhütte mit 250 Höhenmeter. 2,5 Stunden Laufzeit sollten Sie einrechnen.

 

 

Joachims Radtipp für Familien – vom Reschensee nach Naturns

Bleiben Sie ruhig! Sie müssen nicht von Naturns zum Reschensee radeln. Jeden Dienstag und jeden Donnerstag fährt ein Bikeshuttle nach Graun, der Gemeinde, deren Wahrzeichen der Turm einer im See verschwundenen Kirche ist. Da staunen auch Ihre Kinder, zumal am Reschensee immer etwas los ist. Durch eine wunderschöne Natur geht es entlang der Etsch zurück zum Lindenhof. Auch wenn das 60 Kilometer sind – Ihre Kinder schaffen das. Es geht nur bergab auf einer tollen Radstrecke der Etsch entlang. Und wenn Sie schlapp machen: von Mals an hält ein Zug in jedem Ort bis Naturns.

 

 

Chiaras Ausflugstipp ­– der Erlebnisbahnhof und die Eisenbahnwelt

Beide Sehenswürdigkeiten können Sie mit einer kleinen Wanderung oder einer kleinen Radfahrt verbinden. Die Eisenbahnwelt in Rabland ist von Sonntag bis Freitag geöffnet (jeweils 10 bis 17 Uhr). Erwachsene bezahlen 10,50 Euro Eintritt, Kinder (bis 14 Jahre) 8 Euro. Wenn Sie vom Radweg an der Etsch kommen, folgen Sie in Rabland dem Hinweisschild. Auch der Weg zum Restaurant „Hanswirt“ ist der Richtige.

www.eisenbahnwelt.eu

Der Jugend- und Erlebnisbahnhof Naturns/Staben wird von dem Verein Freunde der Eisenbahn betrieben und ist nur sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

www.eisenbahn.it

 

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