Der Wahn­sinn hat Metho­de

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    Der Wahn­sinn hat Metho­de

    Manu­el Ach­am­mer ist Bau­lei­ter und Pro­jekt­ma­na­ger – und dafür ver­ant­wort­lich, dass der neue Lin­den­hof am 24. März 2018 fer­tig sein wird. „Es ist eine sport­li­che Auf­ga­be. Aber wir schaf­fen es”, sagt er.

    Manu­el Ach­am­mer über­legt kurz und schaut dem Repor­ter in die Augen. Wie man in vier Mona­ten und 22 Tagen ein Hotel um drei Kom­ple­xe erwei­tert? „Das wird eine kur­ze Geschich­te für Sie”, sagt der Bau­lei­ter und lacht. „Ich habe kei­ne Ahnung.”

    Es wird eine span­nen­de Geschich­te, die der 36-jäh­ri­ge Süd­ti­ro­ler bei einem Glas Was­ser mit Zitro­ne auf der Ter­ras­se des Hotels Lin­den­hof in Naturns zu erzäh­len hat. Und es stellt sich schnell her­aus, dass er als aus­ge­bil­de­ter Bau­in­ge­nieur durch­aus eine Ahnung hat – von allem, was sich vor und wäh­rend eines Baus so abspielt und abspie­len kann. Er erzählt von den 35 Aus­schrei­bun­gen, die er mit Kal­ku­la­ti­on und Zeit­plä­nen auf­ge­setzt und ver­sen­det hat. Von den unter­schied­li­chen Gewer­ken und über­höh­ten Prei­sen. Von den Gesprä­chen mit Bau­fir­men, Elek­tri­kern, Instal­la­teu­ren, Hydrau­li­kern. Und von detail­lier­ten Ver­trä­gen, die bis zur ver­pflich­ten­den Lie­fe­rung von zehn gel­ben Schutz­hel­men mit dem Lin­den­hof-Logo durch die Bau­fir­ma alles abde­cken. „Das Ent­schei­den­de ist, dass in der Vor­be­rei­tung alles bis ins letz­te Detail unter Andro­hung von har­ten Ver­trags­stra­fen gere­gelt ist”, sagt der Mann, der bei der Erwei­te­rung des Hotels als Bau­lei­ter und Pro­jekt­ma­na­ger ein­ge­setzt ist. Dann kön­ne selbst er ruhig schla­fen.

    Seit vier Jah­ren ist Manu­el Ach­am­mer, des­sen Frau das Hotel Tiro­lerhof im Pus­ter­tal betreibt, als Bau­lei­ter und Pro­jekt­ma­na­ger in Süd­ti­rol unter­wegs. Er baut ein Hotel nach dem ande­ren, das Schen­na-Resort war sein größ­tes Werk, der Lin­den­hof-Anbau wird für ihn das bis­her Höchs­te. 23 Meter hoch sol­len die drei Kom­ple­xe wer­den – und das in der Zeit vom 6. Novem­ber bis zum 23. März. „Ja, es ist eine sport­li­che Auf­ga­be”, sagt Ach­am­mer, der auch die Zeit-Mei­len­stei­ne auf­ge­stellt hat. Der Start stand fest, das Ende muss ein­ge­hal­ten wer­den. Dazwi­schen hat er auf­ge­zeich­net und in Ver­trä­gen notiert, wer wann anfan­gen darf und wer wann fer­tig sein muss. „Es geht alles inein­an­der über. Anders ist es nicht zu schaf­fen.”

    Dass er es schafft, davon ist er über­zeugt. Auch wenn er lan­ge nach einer Bau­fir­ma suchen muss­te, die ihm die Fer­tig­stel­lung des Roh­baus bis zum 18. Janu­ar garan­tier­te. „Es ist ein Bau­boom in Süd­ti­rol, es ent­ste­hen vie­le neue Hotels, und die bestehen­den Hotels erwei­tern. Das nut­zen Bau­fir­men natür­lich aus”, sagt Manu­el Ach­am­mer, der den Unter­neh­men den soge­nann­ten Aus­hub schon vor dem offi­zi­el­len Bau­start erlau­ben muss­te. „Wir wis­sen, dass es hier noch die eine oder ande­re Über­ra­schung geben kann. Ich bin schon mal auf Fels­ge­stein gesto­ßen, wo wir das über­haupt nicht erwar­tet hat­ten.” Der Unter­grund kann jeden Plan ins Wan­ken brin­gen, sonst aber fürch­tet Manu­el Ach­am­mer nichts. Das Wet­ter nicht, Schlam­pe­rei­en der Bau­fir­men nicht. Er wird min­des­tens sechs Mal in der Woche auf der Bau­stel­le ste­hen – und wenn es sein muss, auch nachts um vier noch Mails an die Dienst­leis­ter schrei­ben. „Bei einem solch exakt geplan­ten Bau kann man mit Anwei­sun­gen nicht eine Stun­de war­ten.”

    Der Lin­den­hof-Hotel­chef Joa­chim Nisch­ler jeden­falls ist froh, dass er einen sol­chen Pro­jekt­ma­na­ger gefun­den hat. Ach­am­mer ist nicht nur stu­dier­ter Bau­in­ge­nieur, son­dern kennt die Tricks der Bau­un­ter­neh­mer aus eige­ner beruf­li­cher Erfah­rung. Und er hat auf jeder Bau­stel­le ein Cre­do: „Eigent­lich soll­te es so sein, dass der Bau­herr zu Bau­be­ginn in Urlaub gehen kann und dass, wenn er zurück­kommt, alles so ist, wie er es sich vor­ge­stellt hat. Und natür­lich ohne Auf­preis.”

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