Die Nisch­ler-Saga – Wie alles begann…

  • Werner und Erwin Nischler (19)

    Die Nisch­ler-Saga – Wie alles begann…

    Wer­ner (78) und Erwin (82) gehör­ten zu den Ers­ten in Naturns, die an den Tou­ris­mus glaub­ten. Mit ihren Hotels und ihren Über­le­gun­gen setz­ten sie Maß­stä­be.

    Diens­tag­abend im Lin­den­hof. Das Ehe­paar Nisch­ler und das Ehe­paar Nisch­ler sit­zen in der „Stu­ben”. Der 23-jäh­ri­ge Ingo ser­viert die Vor­spei­se: Kar­tof­fel­pra­li­nen mit Vinsch­ger Alm­kä­se und rotem Zwie­bel­con­fit. „Schmeckt’s?”, fragt der 49-jäh­ri­ge Hotel­chef sei­nen Vater und sei­nen Onkel, doch die bei­den sind zu ver­tieft in ihre Erzäh­lun­gen als dass sie ihn regis­trie­ren. Wer­ner Nisch­ler (78) und sein Bru­der Erwin (82) erzäh­len von den ers­ten „Frem­den­zim­mern mit Wasch­be­cken”, in denen die Gäs­te damals geves­pert haben. „Weißt Du noch, wie der Mai­er damals einen Ruck­sack vol­ler Lebens­mit­tel mit­ge­bracht hat”, sagt Wer­ner. Und Erwin lacht.

    Es sind nicht unbe­dingt Erzäh­lun­gen aus der guten alten Zeit, aber es sind Erzäh­lun­gen von den Anfän­gen des Tou­ris­mus in der Gemein­de Naturns. Nie­mand hat sie so geprägt wie die zwei Nisch­lers zusam­men mit dem „Feldhof”-Chef Alfons Han­ny und Toni Brun­ner vom „Son­nen­hof”. „Wir haben Kre­di­te auf­ge­nom­men und sind das Risi­ko ein­ge­gan­gen. Aber wir waren sicher: die Inves­ti­tio­nen wer­den sich loh­nen”, sagt Erwin Nisch­ler.

    Die Söh­ne des Tisch­ler­meis­ters Josef Nisch­ler haben früh zu kämp­fen gelernt. Als der Vater 1941 in den Krieg zog, hat­te die Fami­lie nicht mehr als einen Hüh­ner­stall, ein paar Hasen und Schwei­ne. Und ein „klei­nes, pri­mi­ti­ves Haus in der heu­ti­gen Ger­ber­stra­ße”, wie Erwin erzählt. Nach dem Krieg ver­dien­ten die Nisch­lers ihren Lebens­un­ter­halt durch Obst­ver­mitt­lung. Josef Nisch­ler sam­mel­te bei den Bau­ern Obst ein und ver­kauf­te es wei­ter. Eine har­te Zeit für die „Schnal­ser Tisch­ler Buben”, wie sie über­all genannt wur­den, weil der Groß­va­ter Josef, auch schon Tisch­ler, aus dem Schnal­s­tal kam. Sie gin­gen zur Schu­le und muss­ten danach Kis­ten schlep­pen. Vom soge­nann­ten „Maga­zin”, in dem das Obst gela­gert wor­den war, in den Wag­gon am Bahn­hof. „Weißt Du noch: Wir muss­ten sechs auf­ein­an­der­sta­peln”, sagt Wer­ner – und Erwin stimmt ihm zu. „Und die Kis­te mit den Bir­nen hat so 40 Kilo gewo­gen.”

    „Als Haupt­spei­se haben wir ein gebra­te­nes Bara­mun­di­fi­let mit Pro­vencal­ge­mü­se, Ros­marin­kar­tof­feln und Oliven­ta­pe­na­de oder fei­ne Schei­ben vom Rinds­flank­steak mit Bato­net­tes­kar­tof­feln, Spar­geln und Sau­ce Ber­nai­se”, sagt Ingo und schenkt den Wein nach.

    Schon in den Nach­kriegs­jah­ren ver­mie­te­ten die Eltern ein paar „Frem­den­zim­mer”. Dafür zogen die bei­den Buben auf den Dach­bo­den. Auch Vater und Mut­ter räum­ten ihr Schlaf­zim­mer. „Wir haben so schon jung gemerkt, dass die Deut­schen ger­ne zum Wan­dern zu uns ins Vinsch­gau kom­men”, sagt Wer­ner Nisch­ler, der 1964 das „Obst­ma­ga­zin” aus­bau­te und Zim­mer mit flie­ßend Was­ser anbot. Bru­der Erwin fuhr die Gäs­te mit dem Bus durch die Lan­de, bis hin­un­ter nach Vene­dig. Unter sei­nem Vor­sitz ließ der Tou­ris­mus­ver­ein Naturns den Pan­ora­ma­weg nach Part­sch­ins aus­bau­en und stell­te auch sonst die Wei­chen in Rich­tung Tou­ris­mus­ort Naturns.

    Von weni­gen hun­dert Gäs­ten auf bis zu 50.000 Über­nach­tun­gen schnell­te die Zahl end­gül­tig in den 70er Jah­ren – als sich auch Wer­ner Nisch­ler ent­schloss, den Lin­den­hof zu pla­nen. „Eigent­lich hat­te ich den Platz gekauft, um für mei­ne Fami­lie ein Haus zu bau­en”, sagt er und lächelt so schmitz, wie er es öfters tut, und sicher nicht nur, weil Ingo das Karot­ten­küch­lein an Rosen­mus­ka­tel­ler Zabaio­ne und Prei­sel­beer­eis­creme ser­viert. „Und dann habe ich plötz­lich umdis­po­niert.” Es war 1972 der Anfang einer erfolg­rei­chen Ära, die mit viel Arbeit begann. Wer­ner Nisch­ler küm­mer­te sich in aller Herr­gotts­frü­he um sein Hotel, arbei­te­te danach acht Stun­den in einer Bau­fir­ma wei­ter. „Und abends habe ich mit Gäs­ten Ten­nis gespielt oder gegrillt.” Sein Bru­der, der bis dahin das elter­li­che Haus zum Hotel „Josefsheim” aus­ge­baut hat­te, setz­te schließ­lich 1980 mit dem Hotel „Sunn­wies” neue Maß­stä­be – vor allem, weil sich sei­ne Frau Bur­gi ein­mal mehr in der Ehe durch­setz­te: Sie führ­te eine Beau­ty-Abtei­lung mit Mas­sa­gen ein. „Mein Mann war wenig begeis­tert – aber ich habe mir über­legt, was mir im Urlaub Spaß machen wür­de”, sagt sie. Auch Erwin über­rasch­te die Kon­kur­renz – mit geführ­ten Wan­de­run­gen für Hotel­gäs­te. „Alle haben mich blöd ange­schaut. Spinnst jetzt?”

    Die zwei Her­ren schau­en auf die Uhr. Kurz nach neun. Zeit zu gehen. Sie wis­sen, dass sie vie­les rich­tig gemacht haben. „Der Pir­cher Andi kocht schun guat”, sagt Wer­ner, der den Lin­den­hof bereits 1994 an sei­nen Sohn Joa­chim über­ge­ben hat – und Erwin nickt wie­der. Wegen zwei Herz­in­fark­ten hat er das „Sunn­wies” 1999 ver­kau­fen müs­sen. „Ich hab gehört, der Joa­chim baut um”, sagt Erwin. „Jo, jo – des wird er schon rich­tig machen”, sagt Wer­ner und lächelt wie­der in der ihm eige­nen Art. „Ich möch­te so ein Hotel heu­te nicht mehr füh­ren müs­sen.”

    DER STAMM­BAUM

    Der Groß­va­ter Josef Nisch­ler (1874 bis 1958) war Tisch­ler im Schnal­s­tal, sein Sohn Josef (1902 bis 1973) zog mit Ehe­frau Emma in Naturns die Söh­ne Erwin und Wer­ner sowie Toch­ter Eri­ka groß. Wer­ner bau­te 1972 das Hotel Lin­den­hof, heu­te führt es sein Sohn Joa­chim, der zusam­men mit Lorel­la Long­hita­no zwei Töch­ter hat: Chia­ra (23) arbei­tet an der Rezep­ti­on, Stu­den­tin Emma (20) hilft immer mal wie­der im Ser­vice aus. Auch Wer­ner unter­stützt mit Ehe­frau Doris noch nach Kräf­ten.

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1 Comment

  • War schon eine herr­li­che Zeit im Lin­den­hof die gemein­sa­men Wan­de­run­gen über die heiß umkämpf­ten Golfrun­den mit Wer­ner in Lana und Sar­no­ni­co spre­chen wir heu­te noch
    Vie­le Grü­ße aus Duder­stadt
    Franz- Josef ( Jogi )Wieg­mann

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