Hoch, höher, am höchs­ten!

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    Hoch, höher, am höchs­ten!

    Für Rudi Alber sind die Wan­de­run­gen mit Lin­den­hof-Gäs­ten ein Spa­zier­gang. Der 54-Jäh­ri­ge hat schon die höchs­ten Ber­ge die­ser Welt bestie­gen – und sagt trotz­dem: „Am schöns­ten ist es in Süd­ti­rol.“

    Es hat ein biss­chen län­ger gedau­ert. Einem jun­gen Mäd­chen aus der Grup­pe fiel der Abstieg vom Tschar­ser Wet­ter­kreuz ziem­lich schwer – und auch die ande­ren Gäs­te aus dem Dol­ce Vita-Resort Lin­den­hof sind gezeich­net. Nur Rudi Alber, der Wan­der­füh­rer, lacht fröh­lich in die Run­de, ist trotz fünf Stun­den anstren­gen­der Wan­de­rung top­fit, bestellt ein Wei­zen und ent­schul­digt sich für die Ver­spä­tung. „Jetzt kann’s los­ge­hen“, sagt er.

    Rudi und der Mont Blanc. Mit 26 hat man noch Träu­me – und so will auch der jun­ge Mann aus Tschars hoch hin­aus. Höher als er es in Süd­ti­rol kann. Zusam­men mit Bru­der und Freun­den schafft er im ers­ten Anlauf den höchs­ten Berg zwi­schen Frank­reich und Ita­li­en mit 4.800 Metern. „Ich wuss­te, jetzt brau­che ich was Höhe­res.“ Wir sit­zen auf der Ter­ras­se im Lin­den­hof. Ob er jeden Berg ken­ne, den wir von hier aus sehen kön­nen, fra­ge ich den geprüf­ten Süd­ti­ro­ler Wan­der­füh­rer – und er schaut mich fas­sungs­los an. Was für eine blö­de Fra­ge! Und zählt jeden auf. Von der Hoch­wart bis zur Laa­ser Spit­ze – über jeden Gip­fel kennt er Anek­do­ten, und selbst­ver­ständ­lich kennt er die exak­ten Höhen­me­ter.

    Rudi und der Acon­ca­gua. Kurz vor dem 7.000er- Gip­fel setzt 1991 der Schnee­sturm ein. Alber und sei­ne Expe­di­ti­on haben kei­ne Chan­ce. Sie kön­nen nicht kochen, die Flam­men gehen stän­dig aus. Sie müs­sen zurück auf 5.600 Meter zum Hoch­la­ger. Das kos­tet zwei Tage. Spä­ter schaf­fen sie es in den argen­ti­ni­schen Anden an der chi­le­ni­schen Gren­ze doch noch bis nach oben. „Man ist ja dar­auf fixiert, das Ziel zu errei­chen“, sagt Rudi Alber. Die Son­ne strahlt inzwi­schen den Gip­fel der Hoch­wart an. Mit 17,18, erzählt der heu­te 54-Jäh­ri­ge, sei er jedes Wochen­en­de oben gewe­sen. „Das ist ein ein­fa­cher Gip­fel.“ Der Hoch­wart ist 2.608 Meter hoch… Sei­ne Trai­nings­tour sei eher die Laa­ser Spit­ze. Aber so viel wie frü­her steigt er nicht mehr hoch – zusam­men mit sei­ner Frau führt er das Tschar­ser Dorf­ca­fe in der Haupt­stra­ße. Drei Mal in der Woche ist Rudi Alber noch als Wan­der­füh­rer unter­wegs. Die glück­li­chen Gesich­ter der Tou­ris­ten, das mache ihm ein­fach Spaß, sagt er.

    DSC_1088Rudi und die Pik Aktau-Spit­ze. Die Sucht wird immer grö­ßer – und so lässt sich Rudi Alber ger­ne von einem rus­si­schen Berg­füh­rer zu einer Erst­be­stei­gung an der Gren­ze zwi­schen Chi­na und Kir­gi­stan über­re­den. Allein die rich­ti­ge Stel­le zum Auf­stieg auf die 7.430 Meter zu fin­den, dau­ert. Sie haben Pro­vi­ant für eine Woche dabei, der Druck ist groß. Am 12. Juli 1992 machen sie Bil­der am Gip­fel und hin­ter­las­sen eine Fla­sche mit einem Zet­tel. Dar­auf steht das Datum und die Namen der Erst­be­stei­ger. Ein Name: Rudi Alber. Das Wei­zen steht unbe­ach­tet auf dem Tisch. Der Süd­ti­ro­ler redet ger­ne übers Wan­dern, über Expe­di­tio­nen, über Aben­teu­er. Und doch wird er es nie ver­ges­sen, wie er als Acht­jäh­ri­ger zum ers­ten Mal oben am Tschar­ser Wet­ter­kreuz stand und run­ter auf sei­ne Hei­mat schau­te. „Mei, isch des schi­an“, hat er gesagt. Dar­an erin­nert er sich noch genau.

    Rudi war auf dem Kili­man­dscha­ro. 2003 grüßt er von 5.895 Metern Höhe vom höchs­ten Berg­mas­siv Afri­kas. Rudi war auf der Elbrus. Der höchs­te Berg im Kau­ka­sus wird schon 1990 mit 5.642 Metern gemes­sen. Rudi war auf dem Chim­ba­ra­zo. 2005 besteigt er den höchs­ten Berg Ecuar­dors (6.310).

    Das jun­ge Mäd­chen, dem der Abstieg bei der Wan­de­rung so schwer gefal­len ist, kommt mit einem Eis­beu­tel in der Hand aus dem Spei­se­saal. „Geht’s wie­der?“, ruft Alber ihr zu. Wenn er allein unter­wegs ist, ver­sucht er den Abstieg aus den Süd­ti­ro­ler Ber­gen zu ver­mei­den. „Run­ter wan­dern macht kei­ne gro­ßen Spaß“, sagt er und erzählt vom Gleit­schirm, mit dem er ger­ne ins Tal schwebt. Ein biss­chen Adre­na­lin müs­se sein.

    Rudi und der Cho Oyu. Alber ist 43. Er will an die Gren­ze gehen. Wie weit kann ich ohne künst­li­chen Sauer­stoff kom­men? Das Expe­ri­ment schei­tert am Acht­tau­sen­der im Hima­la­ya – aus ande­ren Grün­den. Bei minus 25 Grad muss er nach dem drit­ten Hoch­la­ger auf 7.500 Metern pas­sen. Mit den dicken Hand­schu­hen kann er die Steig­bü­gel nicht aus­zie­hen, ohne Hand­schu­he spürt er die Fin­ger nicht mehr, bei der Käl­te ver­sagt die Blut­zir­ku­la­ti­on. Irgend­wann gibt er auf. Die ande­ren stei­gen auf 8.206 Metern. Er nicht. „Ich habe an mei­ne Fami­lie gedacht. Das Risi­ko wäre zu groß gewe­sen“, sagt er. Aber er sagt auch, heu­te wür­de er es fast ein biss­chen bereu­en. Das Wei­zen­glas ist leer. Rudis Expe­di­tio­nen sind zu Ende. Das hat er damals sei­ner Frau ver­spro­chen, erzählt er – und als ich den Block zur Sei­te legen will, sagt er: An sei­nem 50. Geburts­tag hat er in einer Piz­ze­ria über sei­nen gro­ßen Traum gere­det. Den Mount McK­in­ley in Alas­ka. Und ein Freund hat ihm ange­bo­ten: er beglei­te ihn dahin. Als Geburts­tags­ge­schenk. Nur: wie soll es der Wan­der­füh­rer Alber sei­ner Frau bei­brin­gen?

    Rudi und der Mount McK­in­ley, der heu­te Dena­li heißt. Fünf Tage war­ten sie im April 2013 im Sturm bei minus 60 Grad. Dann erwi­schen sie ein Zeit­fens­ter von zwei Tagen, an dem es auf dem käl­tes­ten Berg der Welt (6.190 Meter) nur minus 25 Grad hat – und sie wagen es. Sei­ne Augen leuch­ten, er erzählt von dem klei­nen Zelt, in dem sie zu dritt ganz eng neben­ein­an­der lagen und dass sie nur abwech­selnd auf­ste­hen und in die Käl­te raus­ge­hen konn­ten. Und dass sie es geschafft haben. Sein letz­tes gro­ßes Aben­teu­er. Bestimmt. Ob sei­ne Frau weiß, dass er am 18. August 2023 sech­zig wird? Er lacht, spielt etwas ver­le­gen mit dem lee­ren Wei­zen­glas und sagt: „Ganz ehr­lich, in Süd­ti­rol ist es doch am schöns­ten.“

    Rudi Emp­feh­lung: SEEN­TOUR im Vinsch­gau

    Der Wel­ten­klet­te­rer Rudi Alber emp­fiehlt Gäs­ten eine Wun­der­schö­ne Gebirgs-Seen­tour im unte­ren Vinsch­gau. Start Park­platz Schar­tegg (1.977 Meter) bei Kas­tel­bell. Auf­stieg über die Tab­lan­der­alm zum Plom­bo­den­see, wei­ter zum Zirm­tal­see und über die Schwe­install­alm zurück zum Aus­gangs­punkt. Höchs­ter Punkt: 2.584 Meter.  Höhen­me­ter 1.107. „Die 13 Kilo­me­ter schafft man in  sechs Stun­den“, sagt Alber.

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