Wenn das Zim­mer­mäd­chen ein Mann ist…

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    Wenn das Zim­mer­mäd­chen ein Mann ist…

    Der 32-jäh­ri­ge Phil­ip­pi­ner ver­steht die Welt in Euro­pa nicht. „War­um sol­len Män­ner denn nicht put­zen?”, fragt er.

    In Mani­la war das kein Pro­blem. Da hat der Phil­ip­pi­ner Lucky Gam­bier 13 Stun­den am Tag Zim­mer gefegt, Bet­ten über­zo­gen, Bäder geputzt, Spie­gel gerei­nigt und Fens­ter gesäu­bert. Hou­se­kee­per sagen sie in der Hei­mat zu die­sem har­ten Beruf. Und hier? „Zim­mer­mäd­chen”, kann er auf deutsch – und lacht.

    Lucky weiß, dass ande­re hier auch lachen. „Arbei­test Du in der Küche?”, fra­gen sie ihn, wenn er erzählt, dass er im Dol­ce Vita-Resort Lin­den­hof beschäf­tigt ist. „Im Restau­rant?” Bes­ten­falls fällt den Ita­lie­nern, Schwei­zern, Öster­rei­chern oder Deut­schen noch „an der Rezep­ti­on” ein. Auf die Idee, dass ein Mann in Hose und Arbeits­kit­tel Zim­mer putzt, kom­men sie nicht. „Ich muss dann immer ein biss­chen schmun­zeln”, sagt der 32-jäh­ri­ge Mann, der in Mani­la gebo­ren ist, seit sie­ben Jah­ren in Ita­li­en lebt und schnell erkannt hat, dass man zumin­dest in die­sem Punkt in Euro­pa noch hin­ter der Eman­zi­pa­ti­on in sei­nem Hei­mat­land hin­ter­her hinkt. „Wenn Mann und Frau Geld ver­die­nen müs­sen und arbei­ten gehen, ist es doch nor­mal, dass man sich die Haus­ar­beit teilt.” Er jeden­falls putzt auch zu Hau­se, kocht auch zu Hau­se. Abwech­selnd mit Ade­le.

    Südzimmer 3. Stock 3Vor sie­ben Jah­ren ist er mit Ade­le, die in der Hei­mat eine Aus­bil­dung zur Kran­ken­schwes­ter gemacht hat, nach Bozen gekom­men. Sei­ne Schwie­ger­mut­ter hat­te die Stadt zwei Jah­re zuvor ent­deckt und dort gear­bei­tet und gelebt. Lucky Gam­bier, der auch Koch gelernt hat, fand einen Job in einem mexi­ka­ni­schen Restau­rant und hei­ra­te­te sei­ne Jugend­lie­be. „Wir sind schon zusam­men zur Schu­le gegan­gen”, erzählt er. In Ita­li­en sind sie dann zusam­men in den Lin­den­hof gegan­gen. Ade­le zwei Jah­re frü­her, Lucky in der letz­ten Sai­son. Inzwi­schen leben sie als klei­ne Fami­lie in einer Woh­nung in Naturns. Kyces ist sechs, Kyle­ne drei. „Für uns passt es”, sagt er, auch wenn ande­re sei­nen Job nicht so ganz ver­ste­hen. „War­um soll denn ein Mann nicht put­zen kön­nen”, sagt der Hou­se­kee­per, der nur anfangs leich­te Pro­ble­me hat­te. Ein exklu­si­ves Urlau­ber­ho­tel in Süd­ti­rol legt halt noch mehr Wert auf die letz­te staub­freie Ecke als ein Bet­ten­bun­ker in Mani­la. Inzwi­schen aber ist Gou­ver­nan­te Anja Scheer mit ihrem männ­li­chen Team­mit­glied sehr zufrie­den. Und Lucky Gam­bier sagt, dass der Unter­schied für einen Hou­se­kee­per zwi­schen einem Top-Hotel in Mani­la und einem Dol­ce Vita-Resort in Naturns nicht so groß sei. „Doch”, sagt er dann nach kur­zem Nach­den­ken. „Man ver­dient hier mehr Geld.”

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