Berg­auf & Berg­ab – das ist mein Leben!

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    Berg­auf & Berg­ab – das ist mein Leben!

    Der 23-jäh­ri­ge Ser­vice-Mit­ar­bei­ter ist in Naturns auf­ge­wach­sen und zwi­schen dem  Son­nen­berg und dem Nör­der­berg groß gewor­den.

    Am meis­ten über­rascht mich immer, wenn unse­re Gäs­te mor­gens beim Früh­stück auf der Ter­ras­se im Lin­den­hof sit­zen und jedes Mal von dem Aus­blick schwär­men. „Wow, Ber­ge!“

    Logo, war­um soll­ten die auch heu­te Mor­gen nicht mehr da sein?

    Wahr­schein­lich geht es mir mit den Ber­gen wie den Groß­städ­tern mit den vie­len Häu­sern oder Autos – irgend­wann sieht man sie nicht mehr. Ich bin in Naturns auf­ge­wach­sen – und zumin­dest seit die­sen 22 Jah­ren wird mei­ne klei­ne Gemein­de ein­ge­zäunt vom Nör­der­berg (Blick von der Lin­den­hof- Ter­ras­se) und dem Son­nen­berg (Blick vom Lin­den­hof-Swim­ming­pool), seit 23 Jah­ren gehört berg­auf und berg­ab zu mei­nem Leben. Das ist schön, aber nicht nur. Mit­un­ter ist es auch anstren­gend. Als klei­ner Bub hat mich mein Opa in den Feri­en jeden Mor­gen in aller Herr­gotts­frü­he geweckt, und ich muss­te mit ihm, mei­nem Bru­der und mei­nen Cou­sins den Son­nen­berg hoch stei­gen. Irgend­wo da oben wei­de­ten immer sei­ne Zie­gen, sie brauch­ten Was­ser und muss­ten gefüt­tert wer­den. Wenn kei­ne Feri­en waren, zogen wir halt nach­mit­tags los.

    Heu­te zieht es mich nur noch nach oben, wenn ich mal wirk­lich abschal­ten will – mit ein paar Freun­den, mit ein paar Kalt­ge­trän­ken natür­lich. Cheers! Da haben kei­ne Zie­gen mehr Durst, da müs­sen wir nur für uns sor­gen. Es sind ande­re Plät­ze als frü­her, die mir heu­te in mei­ner Hei­mat gefal­len. Das Schlei­der­tal am Nör­der­berg zum Bei­spiel, das mit sei­nem Grill­platz förm­lich zum Fei­ern ein­lädt – und hin­ter Tab­land sogar bes­tens mit dem Auto zu errei­chen ist. Oder am Son­nen­berg das Wein­gut Fal­ken­stein. Gut essen – und danach in den Lie­ge­stüh­len neben­an chil­len. Ich muss zuge­ben: wenn ich hier lie­ge, sehe ich mei­ne Hei­mat immer wie­der mit ande­ren Augen, und ich bin stolz, ein Naturn­ser zu sein.

    Das liegt ent­ge­gen land­läu­fi­ger Mei­nung dar­an, dass wir nicht hin­ter dem Berg leben – son­dern eben zwi­schen den Ber­gen. Ja, auch wir sind in die Schu­le gegan­gen. Bis zur Mit­tel­schu­le in Naturns – danach war ich in Meran in der Lan­des­be­rufs­schu­le für das Gast­ge­wer­be, spä­ter drei Jah­re im Kai­ser­hof in Meran, der Lan­des­ho­tel­fach­schu­le. Ich habe Fuß­ball gespielt beim SSV Naturns, wobei ich mich schau­dernd an das Kon­di­ti­ons­trai­ning erin­ne­re, wo uns unser Trai­ner über den Nör­der­berg bis nach Plaus und zurück gescheucht hat. Immer mit der Stopp­uhr in der Hand. Cra­zy. Sie mer­ken schon, auch in Naturns ist Deng­lisch ange­sagt, und sogar in Naturns ent­wi­ckeln sich Lebe­we­sen zu mehr oder weni­ger nor­ma­len Men­schen. Man bekommt was zu essen, zu trin­ken, man kann schla­fen, sogar fern­se­hen, man hat Freun­de, man kann spie­len.

    Man kann leben.

    Ich glau­be sogar, dass wir welt­of­fe­ner sind als vie­le ande­re. Das liegt mei­ner Mei­nung nach dar­an, dass wir immer mit Men­schen reden, sogar mit Tou­ris­ten, aber ange­fan­gen bei unse­ren Nach­barn. In den Städ­ten weiß man ja kaum noch, wer in der Woh­nung neben­an lebt. Hier hel­fen wir uns gegen­sei­tig, ein gan­zes Leben lang. Wir grü­ßen alle – und es ist immer wie­der eine gro­ße Gau­di, wenn wir oben am Nör­der­berg auf der Maus­loch­alm, der Naturn­ser Alm oder der Zet­nalm Bekann­te tref­fen. Und selbst­ver­ständ­lich trifft man immer Bekann­te.

    Es ist sicher auch nicht immer die hei­le Welt bei uns, aber trotz­dem kennt und schätzt man sich hier gegen­sei­tig, ist offen und hilfs­be­reit. Das gefällt mir an mei­ner Hei­mat, mehr noch als Aus­blick, Land­schaft, Natur und Ber­ge.

    Logo bin ich auch ger­ne mal am Meer. Da sage ich dann wahr­schein­lich „wow“, wenn ich jeden Mor­gen das vie­le Was­ser sehe. Aber ich freue mich immer, wenn ich wie­der nach Naturns zurück­kom­me, mit­tags im San Zeno einen Kaf­fee trin­ken kann und nach der Arbeit in der Alten Post einen Absa­cker. Some­ti­mes auch zwei. Oder quat­tro. Das ist unser way of life: hart arbei­ten, aber es sich auch in der Frei­zeit gut­ge­hen las­sen. Was soll uns hier feh­len?

    Und wenn ich mal bei euch in der Groß­stadt bin – zum Bei­spiel beim Okto­ber­fest in Mün­chen – fin­de ich das zwar top, dass da alle drei Minu­ten irgend­wo­hin eine U-Bahn fährt. Aber in Naturns war­te ich auch ger­ne eine Stun­de auf den nächs­ten Bus, wenn ich den ers­ten mal wie­der ver­schla­fen habe. Dann set­ze ich mich auf die Bank mit­ten im Ort und schaue, wie die vie­len Tou­ris­ten ent­zückt foto­gra­fie­ren: „Guck mal, ein Berg!“

    Aus­flugs­tipps von Ingo in Naturns:

    Vogel­tenn­pro­me­na­de:

    Wenn Sie an der alten Lin­de vor dem Lin­den­hof rechts hoch gehen, sehen Sie rechts den Nisch­lhof, den die Fami­lie unse­res  Rezep­tio­nis­ten Mar­tin Gapp betreibt. Hier kön­nen Sie als klei­nen Spa­zier­gang den Vogel­ten­n­weg wäh­len, von dem aus Sie einen tol­len Blick auf Naturns haben. Sie gehen ober­halb des Frei­bads und dem Wein­berg, der Joa­chim Nisch­lers Freund Georg Chris­ta­nell gehört. Es lohnt sich, wenn Sie mich fra­gen.

    Ingo WeinSon­nen­berg:

    Sie kön­nen natür­lich mit der Seil­bahn Unter­stell hoch fah­ren – zu einer sagen­haf­ten Aus­sichts­platt­form. Sie kön­nen auch vom Lin­den­hof hoch wan­dern auf den Mera­ner Höhen­weg. Was ich mache? Ich gehe meis­tens die paar Schrit­te hoch zum Wein­gut Fal­ken­stein, esse was, trin­ke was – und chil­le nach­her in einem der Lie­ge­stüh­le so vor mich hin. Auch eine Mög­lich­keit.

    Nöder­berg:

    Ich geb‘s ja zu: meis­tens fah­re ich mit dem Auto zum Park­platz Kreuz­brünnl – und gehe von hier zur Maus­loch­alm. Das schafft man leicht in einer Stun­de, und wer mehr drauf hat, kann auch bis zur Hoch­wart auf­stei­gen. Da ich aber selbst schon auf der Maus­loch­alm gear­bei­tet habe, weiß ich, wie schwer es ist, sich von hier und dem guten Essen zu wei­te­ren Fuß­mär­schen auf­zu­raf­fen.


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