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25. April 2021

Lorella Longhitano hat 3.000 Rebstöcke in steiler Höhe an den Falkenstein-Winzer verpachtet – und dieses Jahr gibt es den Blauburgunder St. Ursula in unserer Weinkarte

Eine Herausforderung für jeden Winzer

Lorella Longhitano ist anders als sonst. Schweigsam, angespannt, fast ein bisschen nervös. Sie steht im Keller des Weinguts Falkenstein mit einem leeren Glas in der Hand. Ob sie hört, was der Winzer Franz Pratzner erzählt, darf bezweifelt werden. Mit einer Pipette zieht er etwas Rotwein aus dem großen Eichenfass und träufelt es der Lindenhof-Hotelmanagerin ins Glas. Sie schwenkt, sie schaut, sie schaut, sie schwenkt – und schließlich wagt sie es: Lorella trinkt einen Schluck ihres Blauburgunders. Plötzlich lächelt sie wieder. Die Anspannung ist weg, die Italienerin redet wie sonst mit Händen und Füßen. „Ganz ehrlich: ich bin sehr, sehr stolz“, sagt sie fast schon glücklich und freut sich über den „würzigen Blauburgunder“. „Es war richtig, die Reben an einen Künstler wie Franz zu verpachten“, sagt die Mutter von Chiara und Emma Nischler.

Tatsächlich gibt es keine andere Rebsorte, die so viel Erfahrung und Können erfordert wie der Blauburgunder. Besonders in Südtirol ist das so, weil hier die kalkhaltigen Böden fehlen wie sie es in Burgund in Frankreich gibt. „Der Blauburgunder ist der König unter den Rotweinen und für jeden Winzer eine große Herausforderung“, sagt Franz Pratzner, der seit fünf Jahren die 3.000 Rebstöcke von Lorella in einer der steilsten Lagen Naturns hegt und pflegt – oben an dem denkmalgeschützten Schlösschen über dem Nischlhof an der Via Castello. „Wir kochen zwar alle nur mit Wasser“, sagt der Falkenstein-Chef, „aber die Handschrift eines Winzers merkt man am Blauburgunder deutlich.“

Das fängt mit dem Blick für die Lage an. „Wir haben uns bewusst an dem steilen Hang in mittlerer Höhe für diese Rebsorte entschieden, weil die West-Süd-Lage genügend Sonne bekommt. Aber es kühlt auch ab.” Gute Voraussetzungen für einen guten Blauburgunder.

Wichtig ist es, die richtige Erntezeit zu finden. Immer wieder testet Franz Pratzner die Beeren auf Zucker-, Säure- und PH-Wert. „In mehreren Durchgängen hole ich mir 300 Beeren von oben und unten. Die werden eingemaischt und dann getestet. Daran kann man erkennen, wann man ernten muss“, sagt er. 2017 hat er am 10. September die Ernte an Lorellas Hang abgeschlossen, in diesem Jahr, da ist er sich sicher, braucht er gar nicht vor dem 15. September anzufangen.

Viel Kunst steckt in der Verarbeitung. Franz Pratzner lässt bei 50 Prozent der Trauben den Stiel beim Maischen dran – und er füllt den Wein in unterschiedliche Fässer. Auch die Hotelexpertin merkt den Unterschied zwischen dem Wein, der aus einem großen Fass kommt und dem, der in einem kleinen Fass reift. „Im kleinen Fass kommt der Wein mehr als in einem großen mit Holz in Berührung. Das verändert ihn leicht“, sagt Franz Pratzner, der regelmäßig zur Pipette greift und die geschmackliche Weiterentwicklung prüft. Denn am Ende, bevor die 500 Liter aus dem Jahre 2016 und die 1.100 Liter aus dem Jahre 2017 in Flaschen kommen, wird der Inhalt von großen und kleinen Fässern gemischt – und der Geschmack wird sich noch einmal leicht verändern.

„Das ist anders als bei einem Koch in der Küche. Der macht sein Gericht und schmeckt es ab. Wir müssen Veränderungen bei unserem Produkt einkalkulieren. Und wenn wir falsch kalkulieren, ist eine Jahresernte hinüber“, sagt Franz Pratzner. Er weiß: der Wein wird sich verändern. Er wird sich verändern, wenn ein Korken auf der Flasche ist. Er wird sich verändern, wenn er noch zwei, drei Jahre in einem Keller ruht. „Bei manchen Weinen denke ich schon, es wäre besser, sie würden noch ein bisschen bei uns im Fass bleiben. Aber ich brauche ja die Fässer irgendwann für die neue Ernte.“

Lorella Longhitano ist jedenfalls froh, dass ihr Wein in die Flasche gekommen ist und auch ihre Gäste ihn endlich verköstigen können. Den Namen verdankt der Wein seinem Anbaugebiet, der nach der Heiligen Ursula benannt wurde. Wobei die Lindenhof-Managerin weiß, dass der Name „Falkenstein“ das Aushängeschild auf dem Etikett ist. „Weinkennern ist somit klar: um diesen Wein hat sich ein Meister seines Fachs mit viel Liebe gekümmert“, sagt sie, wohlwissend, dass sie sich vor dem Duell mit Joachim Nischler nicht mehr fürchten muss. Er produziert nämlich mit seinen Freunden Georg Christanell und dem Winzer Peter Dipoli den „Vogeltenn” – einen Blauburgunder.

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