Klet­tern in Süd­ti­rol: Mit die­sen 5 Tech­nik-Tipps (fast) jede Wand bezwin­gen

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    Klet­tern in Süd­ti­rol: Mit die­sen 5 Tech­nik-Tipps (fast) jede Wand bezwin­gen

    Süd­ti­rol ist wahr­lich ein Mek­ka für Klet­ter­fans! Über 50 Klet­ter­stei­ge gibt es im gan­zen Land, mit denen oft für Wan­de­rer uner­reich­ba­re Gip­fel bezwun­gen wer­den. Hoch oben an der Kan­te einer stei­len Fels­wand wer­den Aus­bli­cke genos­sen, die sonst nur Droh­nen und ande­ren Flug­ob­jek­ten vor­be­hal­ten sind. Von der unglaub­li­chen Anzahl an künst­li­chen In- und Out­door-Boul­der­wän­den gar nicht zu reden – auch wir im Aktiv­ho­tel Lin­den­hof in Naturns, Süd­ti­rol bie­ten Ihnen zwei Wän­de: eine 15 Meter hohe im Pool­be­reich und eine etwas klei­ne­re in der Turn­hal­le. Das Klet­tern in Süd­ti­rol ist wahr­lich ein Muss für jeden, der in sei­nem Aktiv­ur­laub hoch hin­aus will!

    Wel­che Art, Lage und Schwie­rig­keit der Wän­de Sie in Ihrem Klet­ter­ur­laub auch wäh­len, beim Klet­tern gibt es eini­ge Din­ge zu beach­ten, die für Sicher­heit und Gesund­heit uner­läss­lich sind. Beson­ders auch beim Klet­tern mit Kin­dern – wer dem Nach­wuchs früh genug die rich­ti­ge Tech­nik bei­bringt, schafft Erfolgs­er­leb­nis­se und moti­viert sie zu Höchst­leis­tun­gen. Dass dadurch nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die noch im Wachs­tum befind­li­chen Gelen­ke und Mus­ku­la­tur ver­mie­den wer­den, ist dabei natür­lich ein Bonus. Hier fin­den Sie nun 5 essen­ti­el­le Tipps für das rich­ti­ge Klet­tern:

       

    Tipp 1: Visua­li­sie­ren und Ver­ste­hen der Rou­te

    Schon bevor Hand oder Fuß über­haupt Kon­takt mit der Wand haben, beginnt die Vor­ar­beit für das Klet­tern. Die Ver­su­chung mit Moti­va­ti­on und Schwung drauf­los zu kra­xeln ist bei begeis­ter­ten Klet­te­rern oft groß, aber sich zuerst einen Moment Zeit zu neh­men ren­tiert sich auf lan­ge Sicht. Wer, auch dank der umfas­sen­den Online-Doku­men­ta­ti­on der meis­ten Klet­ter­stei­ge in Süd­ti­rol, schon vor­her unge­fähr weiß, wel­che Grif­fe und Trit­te er ver­wen­den wird und wel­che Stel­len beson­de­re Auf­merk­sam­keit erfor­dern, der ver­schwen­det kei­ne Zeit und Ener­gie dafür, wenn es soweit ist. Natür­lich kann man auch wäh­rend leich­te­rer Pas­sa­gen kurz in die Run­de schau­en, um sich einen Über­blick zu ver­schaf­fen, aber das soll­te nur zur Ori­en­tie­rung die­nen. 

    Ein alter Rat von erfah­re­nen Klet­te­rern ist, je schwie­ri­ger eine Pas­sa­ge ist, des­to schnel­ler soll­te man sie über­win­den. Man klet­tert zwar, um oben anzu­kom­men, nicht unbe­dingt auf Zeit, aber die­se Regel stimmt trotz­dem. Lan­ges Aus­ru­hen in einer ungüns­ti­gen Posi­ti­on scha­det mehr als dass es nützt. Das Visua­li­sie­ren der Rou­te hilft dabei, sich die Ruhe­pha­sen gezielt und effi­zi­ent vor­her ein­zu­tei­len. 

     

    Tipp 2: Rich­ti­ges Ras­ten und Ruhen

    Wie im vor­he­ri­gen Punkt ange­spro­chen, ist das Vor­aus­pla­nen und Ein­tei­len von ruhi­ge­ren Abschnit­ten uner­läss­lich. Weni­ge Rou­ten ver­lan­gen von unten nach oben kon­stant 100% Ein­satz. Aber auch rich­ti­ges Aus­ru­hen will gelernt sein. Grund­sätz­lich ras­tet man immer am „lan­gen Arm“, das heißt der Arm ist gestreckt und so ent­spannt wie mög­lich. Die Bei­ne wir­ken stark unter­stüt­zend (mehr dazu im nächs­ten Tipp), damit man mög­lichst kraft­s­pa­rend am Griff hän­gen kann. Zum Ruhen lässt man dann den frei­en Arm ein­fach nach unten bau­meln und schüt­telt ihn kräf­tig aus. Bei einem aus­rei­chend gro­ßen Griff kann auch direkt am Griff die Hand gewech­selt wer­den, um bei­de voll­stän­dig rege­ne­rie­ren zu kön­nen. 

    Bei wirk­li­cher Erschöp­fung oder vor sehr kniff­li­gen Stel­len, deren Hand­ha­bung ihre gesam­te Auf­merk­sam­keit erfor­dert, kön­nen Sie sich auch ins Siche­rungs­seil hän­gen und den gan­zen Kör­per ras­ten las­sen, sodass sie nur mit den Füßen Kon­takt zur Wand hal­ten. Das soll­te jedoch ver­mie­den wer­den, da es nicht wäh­rend jeder Rou­te mög­lich ist, und je nach Kör­per­ge­wicht dem Sichern­den unten an der Wand rela­tiv viel Ein­satz abver­langt. Eine will­kom­me­ne Hil­fe­stel­lung für Anfän­ger, die mit fort­schrei­ten­der Fit­ness und Erfah­rung abge­legt wer­den soll­te.

     

    Tipp 3: Bein­ar­beit, Bein­ar­beit, Bein­ar­beit

    Eine der wich­tigs­ten, wenn nicht die wich­tigs­te Regeln des Klet­terns wird oft außer Acht gelas­sen: die Bei­ne machen den Groß­teil der Arbeit, die Arme wir­ken unter­stüt­zend und balan­cie­rend. Ein effi­zi­en­ter, kraft­s­pa­ren­der Klet­ter­stil, unab­hän­gig von klei­ne­ren Details in Form und Tech­nik, beinhal­tet lan­ge Arme und gebeug­te Knie. Beson­ders uner­fah­re­ne Anfän­ger ver­su­chen die Rou­ten mit Kraft aus den Armen zu bezwin­gen und schei­tern, obwohl die rich­ti­ge Tech­nik alles ver­ein­fa­chen könn­te. Mit all dem im Hin­ter­kopf soll­te man nun aber nicht fröh­lich die Wand hin­auf stamp­fen wol­len, denn es soll­ten trotz­dem nur Trit­te gewählt wer­den, die den Bei­nen Sta­bi­li­tät und Bewe­gungs­frei­heit garan­tie­ren. Der Kör­per­schwer­punkt, der sich bei 95% der Men­schen irgend­wo in Bauch­na­bel­hö­he befin­det, muss so über dem Tritt plat­ziert wer­den, dass man mit einer Hand los­las­sen kann, ohne seit­lich weg­zu­kip­pen

    Die Wahl der rich­ti­gen Trit­te und die rich­ti­ge Kom­bi­na­ti­on aus Bein­kraft und Arm­tech­nik kann eine zuvor unbe­zwing­ba­re Rou­te zu einem Kin­der­spiel machen, ist aber mit sehr viel Übung ver­bun­den. Sie soll­ten also jetzt in Ihrem nächs­ten Klet­ter­ur­laub in Süd­ti­rol nicht sofort eine Wand bezwin­gen, vor der Sie sogar die Ein­hei­mi­schen war­nen, son­dern lie­ber zuerst eine Ihnen bekann­te, aber her­aus­for­dern­de Rou­te ver­su­chen in weni­ger Zeit oder mit effi­zi­en­te­rer Kraft­ein­tei­lung zu absol­vie­ren.

     

    Tipp 4: Grei­fen, die wich­tigs­te Neben­sa­che beim Klet­tern

    Sie wis­sen nun, dass die Bei­ne die Haupt­ar­beit beim Klet­tern leis­ten, aber das bedeu­tet kei­nes­wegs, dass die Hän­de und Arme nicht auch ihren Teil bei­tra­gen. Vie­le Anfän­ger, aber auch noch man­che Fort­ge­schrit­te­ne, grei­fen ver­krampft und mit aller Kraft, als hin­ge von jedem Griff ihr Leben ab (was abge­se­hen vom Extrem-Free­clim­bing nicht der Fall ist). Die­se Ver­kramp­fung wirkt sich auf den gesam­ten Kör­per aus und lässt eine ent­spann­te Klet­ter­tour zu einem Gewalt­akt wer­den, der unnö­tig erschöpft und aus­powert. Ein wei­te­rer Feh­ler ist außer­dem, die Kraft zum Hoch­zie­hen aus den Hän­den selbst zu holen, was nur Unter­ar­me und Schul­tern belas­tet. Wenn Sie sich Ihre Hän­de nur als Haken vor­stel­len, die am Griff hän­gen, und Sie die Kraft aus Ihren Ellen­bo­gen holen, benut­zen Sie Ihre weit­aus stär­ke­re und belast­ba­re­re Rücken­mus­ku­la­tur, was nur Vor­tei­le bringt.

    Abge­se­hen von der Greif­tech­nik selbst ist auch die Wahl der Grif­fe nicht zufäl­lig. Grei­fen Sie nie zu hoch! Ein über­streck­ter Arm kann kei­ne Kraft aus dem Rest des Kör­pers schöp­fen, die Balan­ce lei­det und der Mus­kel­ka­ter am nächs­ten Tag wird furcht­bar. Die Posi­ti­on des Kör­pers zum Griff ist eben­so eine Über­le­gung wert. Grif­fe, an denen Sie sich direkt hoch­zie­hen und/oder danach abstem­men, ver­lan­gen eine Kör­per­po­si­ti­on unter dem Griff. Seit­grif­fe soll­ten Sie soweit mög­lich immer schräg grei­fen, so nahe neben bzw. par­al­lel zum Griff wie Sie ohne Balan­ce­ver­lust schaf­fen. 

     

    Tipp 5: Respekt, aber kei­ne Angst vor dem Schwie­rig­keits­grad

    Neu­lin­ge in der Klet­te­rei bemer­ken schnell, dass die Schwie­rig­keit einer Klet­ter­rou­te mit einer Kom­bi­na­ti­on von Buch­sta­ben und Zah­len ange­ge­ben wird, die aller­dings nicht unbe­dingt ver­ein­heit­licht sind. Es gibt zwei unter­schied­li­che Ska­len, die ent­we­der mit Zif­fern und Buch­sta­ben, oder römi­schen Zif­fern und Plus- oder Minus­zei­chen arbei­ten. In der Theo­rie eine gute Idee, ist die Pra­xis oft etwas intui­ti­ver und indi­vi­du­el­ler. Eine Rou­te, die als sehr schwie­rig bewer­tet ist, aber Ihrem per­sön­li­chen Klet­ter­stil sehr zusagt, kann oft ein­fa­cher sein als eine harm­lo­se Rou­te, deren Grif­fe und Trit­te für Ihre Tech­nik oder Ihrem Kör­per­bau gar nicht geeig­net sind. Das soll jetzt nicht hei­ßen, dass Sie von heu­te auf mor­gen eine Rou­te erklim­men soll­ten, die fünf Punk­te auf einer Ska­la über allen Ihren bis­her absol­vier­ten Stei­gen liegt, das wäre Wahn­sinn. Aber die­ser letz­te Tipp lau­tet ein­fach: die Kom­fort­zo­ne ver­las­sen, auch mal etwas wagen und aus­pro­bie­ren, und Ihr Limit tes­ten. Mit der rich­ti­gen Siche­rung kann Ihnen nichts Schlim­mes pas­sie­ren, und auch Fehl­schlä­ge machen auf lan­ge Sicht kör­per­lich und men­tal stär­ker und aus­dau­ern­der.

    Bild­quel­le © BCk­id / stock.adobe.com

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